Auf dem Weg in die Normalität: DEULA-Flüchtlingsprogramm “Welcome to WiN – Work in Nature” geht in die dritte Runde

“So, wie sich die Situation der Geflüchteten in Deutschland mit der Zeit ändert, so ändern wir unser Ausbildungsangebot für Sie.“ Pia von Steegen hat gerade die dritte Gruppe von ausbildungs- und arbeitssuchenden Menschen aus den verschiedensten Ländern der Erde in der DEULA Westfalen-Lippe in Warendorf begrüßt. Sie ist „DEULA-Integrationscoach“ für die Teilnehmer einer innovativen Bildungsmaßnahme für Flüchtlinge und soll ihnen helfen, sich in der Ausbildung und im Berufsleben zurechtzufinden.

Zum dritten Mal seit 2016 will das Bildungszentrum für die grünen Berufe geflüchtete Menschen auf eine Berufsausbildung oder Arbeitsaufnahme im Garten- und Landschaftsbau vorbereiten. Die Teilnehmer der ersten beiden Gruppen befanden sich überwiegend im laufenden Asylverfahren und wurden damit von der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster betreut. Von den insgesamt 34 Absolventen der Maßnahmen sind heute 20 Männer in Arbeit und Ausbildung in den Garten- und Landschaftsbau-Betrieben im Münsterland. Weitere besuchen anschließende Angebote. „Wir haben mit Welcome to WiN vielen Menschen den Weg für eine Integration geebnet. Auch haben die Absolventen der DEULA überdurchschnittlich schnell Deutsch gelernt. Das bewerten wir ganz klar als Erfolg!“, so Joachim Fahnemann, Vorsitzender der  Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. Reinhard Schulze-Tertilt, Unternehmer des Garten- und Landschaftsbaus aus Everswinkel und Vizepräsident des Landesverbandes VGL NRW ergänzt: „Wir Betriebe und der Verband unterstützen die Maßnahme der DEULA intensiv, weil wir dringend Mitarbeiter suchen.“ Dass die Teilnehmer in den ersten beiden Kursen „Welcome to WiN – Work in Nature“ meist kein Wort Deutsch konnten, hat ihre zukünftigen Arbeitgeber nicht in ihrem Enthusiasmus gebremst. Wussten sie doch, dass jeder der Freiwilligen, die sich für die Maßnahme bei der DEULA gemeldet haben, am Ende seine Sprachkenntnisse unter Beweis stellen musste.

Seit der ersten Maßnahme hat sich die Situation für die Flüchtlinge natürlich verändert: Viele haben Integrations- und Sprachkurse abgeschlossen, und die neuen Teilnehmer, deren Aufenthaltsstatus geklärt und deren Asylantrag genehmigt ist, sind jetzt in der Zuständigkeit des Jobcenters des Kreises Warendorf. Hier ist man sich der Verantwortung bewusst: „Wir wollen uns intensiv um die Menschen mit Asylstatus im Kreis kümmern. Dabei geht für uns Nachhaltigkeit vor Tempo. Um die Menschen in Ausbildung zu bringen, ist das der beste Weg“, so der Leiter des Jobcenters Dr. Ansgar Seidel. „Die Ausbildungsmaßnahme der DEULA ist dabei ein wichtiges Instrument, das flexibel genug ist, um es dem aktuellen Bedarf anzupassen. Die neue Klasse baut auf der Sprachkompetenz aus den Integrationskursen auf.“ Schon während die letzte Klasse noch in Ausbildung war, wurde nach passenden neuen Bewerbern gesucht. „Wir kennen unsere Kunden gut genug, um ideale Teilnehmer für diesen speziellen Beruf ansprechen zu können“, erklärt Susanne Beier, die im Jobcenter das Kompetenzteam Migration leitet. „Der Erfolg von „Welcome to WiN“ resultiert ja auch aus dem Interesse und dem unbedingten Willen der Teilnehmer, in Deutschland finanziell unabhängig zu werden und sich zu integrieren. Die ersten Erfahrungen mit der neuen Gruppe und ihre Wissbegierde und Motivation bestätigen das.“

Der Unterricht ist diesmal etwas gestrafft und endet schon im Juli 2018. Aber die intensive Mischung aus Theorie und Praxis wird weiter verfolgt. Bei der  inhaltlichen Ausrichtung geht es jetzt mehr um den Beruf: Deutsch für den  Beruf mit einer Abschlussprüfung geht einher mit der Vermittlung  von Inhalten zur Orientierung  auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Die Berufssprache wird dann direkt im fachpraktischen Unterricht angewendet, in dem die Basisfähigkeiten für die Arbeit im Garten- und Landschaftsbau vermittelt werden. Praktika bei den künftigen Arbeitgebern sowie eine Betriebsbesichtigung sollen dann den Einstieg in den beruflichen Alltag erleichtern.

Beim letzten Mal hat das gut geklappt, erklärt DEULA-Geschäftsführer Björn Plaas: „Das wäre ohne den erklärten Willen der Arbeitgeber, wirklich mit geflüchteten Menschen arbeiten zu wollen, gar nicht möglich gewesen. Ohne dieses Bekenntnis hätten wir nie mit dieser Maßnahme angefangen. Aber der Bedarf an Mitarbeitern, auch qualifizierten Mitarbeitern, ist da, und mithilfe der Arbeitsagentur und des Jobcenters können wir hier Menschen eine effektive Integration und eine echte Perspektive bieten.“ Am Ende der Maßnahme endet aber nicht die Arbeit der DEULA. Integrationscoach Pia von Steegen und ihr Team begleiten und betreuen die Teilnehmer bei Bedarf auch noch bis zu drei Monate danach, um ihren Einstieg in den Beruf zu festigen und abzusichern oder noch unversorgte Teilnehmer zu vermitteln und sie im Bewerbungsprozess zu unterstützen. „Es sind Menschen in einer besonderen Lebenssituation, und vor Herausforderungen stehen, die wir uns kaum vorstellen können. Wir wollen ihnen einen guten Start geben.“

Stehen voll hinter dem Integrationsprojekt: Deutschlehrer Michael Eisenhawer und
DEULA-Integrationscoach Pia von Steegen mit einigen ihrer Schüler

Über die DEULA
Wir sind ein modernes Bildungszentrum für die Jugend- und Erwachsenenbildung im Kreis Warendorf und eine der bedeutendsten überregional tätigen Einrichtungen im agrartechnischen Bereich. Neben der überbetrieblichen Ausbildung und der beruflichen Weiterbildung führen wir Qualifizierungen und Umschulungen sowie berufsorientierende und berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen durch. Unser Leistungsspektrum umfasst mehr als 100 Bildungsangebote, vom 1-tägigen Seminar bis zur mehrjährigen Umschulung.

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