20 Jahre ZAP – Zentrale Ausbildungsstätte für Pflegeberufe

Erste Pflegeschule Deutschlands in eigener Trägerschaft wird 20 Jahre alt:

Andreas Westerfellhaus hat als Initiator Pionierarbeit geleistet

Gütersloh/BielefeldAm 2. März 2000 gelang Andreas Westerfellhaus, dem damaligen Leiter der Krankenpflegeschule der Westfälischen Kliniken in Gütersloh, nach rund 6 Jahren Verhandlungszeit ein bildungspolitischer Paradigmenwechsel in der Pflegeausbildung: Die ZAP – Zentrale Ausbildungsstätte für Pflegeberufe im Kreis Gütersloh gGmbH, heute ZAB GmbH, wurde gegründet. Im Interview erklärt der heutige Staatssekretär, warum er dafür gekämpft hat und wofür er sich jetzt als Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin stark macht.

Herr Westerfellhaus, Sie sind heute Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung in Berlin. Haben Sie es bedauert, nach 18 Jahren Geschäftsführung der ZAB GmbH den Rücken zu kehren?

Ich habe die ZAB GmbH in Gütersloh mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Wofür ich 18 Jahre auf lokaler Ebene gekämpft habe, kann ich nun auf übergeordneter Ebene tun, denn es braucht eine Menge Einsatz, um politische Strukturen auf den Weg zu bringen. Darum habe ich diesen Schritt keinen Moment bereut. Das Thema Pflege steht jetzt auf der Agenda der Bundesregierung ganz weit oben und der Gestaltungsspielraum, den ich hier habe, um mich mit meiner Kompetenz aus unterschiedlichen Berufserfahrungen einzubringen, ist enorm. Ich bin in allen 16 Bundesländern präsent, spreche mit Kliniken, Menschen mit Pflegebedarf und deren Angehörigen, Pflegeschulen sowie stationären Einrichtungen. Die Menschen merken schnell, ob man auf diesem Gebiet zuhause ist. Daher diskutiert man inhaltlich anders. Es für mich ein Glücksfall, für den ich sehr dankbar bin, dass ich dieses Vertrauen seitens der Menschen und der Bundesregierung habe.

Warum war Ihnen die Zusammenführung der Pflegeausbildung in einer zentralen Akademie so wichtig?

Mir war damals schon klar, dass man ein zukunftsfähiges Bildungssystem in unabhängiger Trägerschaft mit viel stärkeren Partner aus Pädagogik und Pflege braucht, deren Kerngeschäft die Bildung und Weiterentwicklung der Ausbildungsinhalte und -angebote sein musste. Bis zur Gründung der Akademie war die Pflegeausbildung in Gütersloh, wie überall, Sache der Kliniken. Meine beiden Kollegen und ich waren als Lehrer Angestellte der Westfälischen Kliniken und für rund 100 Auszubildende zuständig. Durch die zunehmende Entwicklung unterschiedlicher Fachdisziplinen konnten längst nicht mehr alle erforderlichen Inhalte in der Ausbildung abgedeckt werden. Darum war die Gründung einer zentralen Akademie als Unternehmen mit sechs Kliniken als Gesellschaftern ein neuer Schritt. Durch die Eigenständigkeit war die ZAP viel flexibler und konnte schneller Entscheidungen treffen, wenn es gesetzliche Entscheidungen gab. Beispielsweise bei der Angliederung der operationstechnischen Ausbildung, hier waren wir ebenfalls die Ersten.

Wie haben Sie es geschafft, alle Krankenhäuser an einen Tisch zu bekommen?

Ich habe einfach nicht lockergelassen und kontinuierlich inhaltliche und fachliche Überzeugungsarbeit geleistet. Es war ein langer Weg. Da es so etwas bis dato nicht gab, bin ich auf entsprechenden Widerstand der Berufsgenossenschaften, Krankenkassen und der Rentenversicherung gestoßen. Es bestand große Skepsis, ob eine zentrale Pflegeschule überhaupt zulässig war, ebenso wie die Finanzierung, Organisation und Vertragsgestaltung aussehen könnte. Interessanterweise gab es zwischen den Kliniken bereits gut funktionierende Kooperationen, wie bei der Wäsche- oder Arzneiversorgung. Warum also nicht in der Pflegausbildung?

Durch die generalistische Pflegeausbildung steht die ZAB GmbH erneut vor der Zusammenführung neuer Kooperationspartner, insbesondere aus der Langzeitpflege. In welcher Rolle sehen Sie die ZAB GmbH zukünftig?

Die ZAB hat einen Bildungsauftrag, mit dem sie für alle Partner einen Mehrwert generiert. Bildung ist die Aufgabe von Pädagogen mit fachlichen Settings, ohne die das gesamte System nicht funktionieren kann. Die Ausgebildeten bleiben nach der Pflegeschule als Fachkräfte im System, auch überregional. Die ZAB ist ein aktives Personalentwicklungsinstrument, über das die Partner eine gemeinsame Ausrichtung und Identität definieren und eine gemeinsame Qualitätsentwicklung vorantreiben können.

Das Problem des Fachkräftemangels ist drängend. Mit der Konzertierten Aktion Pflege sollen die Ausbildung gestärkt und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Welchen Beitrag leisten dazu Pflegeschulen wie die ZAB?

Die zunehmend hohe Komplexität der Ausbildung aller Gesundheitsberufe macht eine perspektivische interdisziplinäre Sichtweise erforderlich. Die Pflegeschulen spielen eine zentrale Rolle dabei, den hohen Bedarf an spezifischen Qualifikationen zu entwickeln, die Angebote zu bündeln und diese kompetent darzustellen. Durch die Zentralisierung sind eine andere Größe und Sichtbarkeit möglich. Die ZAB erzielt schon lange ‚Klebeeffekte‘ für medizinisches und pflegerisches Fachpersonal für den Kreis Gütersloh. Gemeinsam können die Partner das ganzheitliche Konzept für lebenslanges berufliches Lernen weiterentwickeln, also für Aus-, Fort- und Weiterbildung.

Welche Ziele möchten Sie zukünftig auf bildungspolitischer Ebene erreichen bzw. was sind Ihre aktuellen Projekte?

Ein Pflegeberufegesetz in die Geltung zu bringen ist das eine, es zu begleiten, das andere. Hier und da wird noch nachgebessert werden müssen. Die selbstständige Ausübung von Heilkunde durch Pflegekräfte ist mir eine Herzensangelegenheit, für die ich mit weiter einsetze. Wir brauchen eine einheitliche 2-jährige Pflegeassistenz-Ausbildung in Deutschland. Dazu bin ich mit 16 Gesundheits- und Sozialministern und -minsterinnen im Gespräch mit dem Ziel, uns auf einen einheitlichen Lehrplan innerhalb Deutschlands zu verständigen. Ein durchlässiges System ist erforderlich, das überall die gleichen Zugangsvoraussetzungen schafft und die grundpflegerischen und haushaltsnahen Aufgaben vereinheitlicht. Außerdem muss es klare Regelungen in Sachen berufliche Weiterentwicklung geben. Bis dahin sind noch dicke Bretter zu bohren.

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus war seit Gründung der ZAP – Zentrale Ausbildungsstätte für Pflegeberufe gGmbH im Jahr 2000 bis 2018 Geschäftsführer (2003 Umbenennung in ZAB – Zentrale Akademie für Berufe im Gesundheitswesen GmbH). Seit April 2018 ist er Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung.

2003 traten die Städtischen Kliniken Bielefeld und die Stiftung Krankenhaus Halle als weitere Gesellschafter bei der ZAB GmbH ein. Vorn, v. l.: Volker Schulz (Krankenhaus Halle), Helga Schuhmann-Wessolek (Landschaftsverband Westfalen Lippe) und Dr. Johannes Kramer (Städtische Kliniken Bielefeld) bei der Unterzeichnung des Gesellschaftervertrags. Hinten, v. l.: Andreas Westerfellhaus, Hans-Dieter Samson, Dr. Stephan Pantenburg, Rudolf Wixforth, Andras Latz und Harald Geier. (Foto: Herold)

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