Warendorf. Dem Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ ist es gelungen, die Wanderausstellung #StolenMemory der Arolsen Archives nach Warendorf zu holen. Gemeinsam mit der Stadt Warendorf wird die Ausstellung in einem aufklappbaren Übersee-Container in der Zeit vom 13. bis 31. März (jeweils 9 bis 19 Uhr) auf dem Bahnhofsvorplatz präsentiert. Im Mittelpunkt stehen der letzte Besitz von Opfern des Nationalsozialismus und die Frage, wie es heute noch gelingt, diese sogenannten Effekten an Familien der Opfer zurückzugeben. Offizielle Eröffnung ist am Freitag, 13. März, 11 Uhr.
Effekten sind persönliche Gegenstände, die Häftlingen bei ihrer Ankunft in Konzentrationslagern oder in Zwangsarbeiterlagern von den Nationalsozialisten abgenommen wurden. Oft waren es Eheringe, Uhren, Füller oder Brieftaschen mit Fotos. #StolenMemory ist eine Kampagne der Arolsen Archives (Bad Arolsen) zur Rückgabe dieser persönlichen Gegenstände, dieser „gestohlenen Erinnerung“, an die Angehörigen. Nach Angaben der Arolsen-Archive konnten bislang mehr als 1.000 Familien seit dem Start der Kampagne 2016 bereits gefunden werden. Die Ausstellung zeigt Bilder solcher „Effekten“ und erzählt vom Schicksal von zehn NS-Verfolgten.
Ausstellung in der Geburtsstadt Paul Spiegels
Die Ausrichtung der Wanderausstellung sei in einer Zeit, da in der Weltpolitik zunehmend das „Recht des Stärkeren“ an die Stelle von internationaler Solidarität tritt, ein wichtiges Zeichen, betont Gerd Nergert, der für das Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ die Initiative ergriffen und den Kontakt zu den Arolsen-Archiven gesucht hat. Bürgermeister Peter Horstmann hatte frühzeitig Unterstützung zugesichert. Die Geburtsstadt von Paul Spiegel, der von Januar 2000 bis zu seinem Tod am 30. April 2006 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland war und der vor 25 Jahren zum Ehrenbürger Warendorfs ernannt worden war, sei genau der richtige Ort, diese Wanderausstellung zu zeigen. Der Zentralrat hatte im vorigen Herbst sein 75-jähriges Bestehen begangen, nicht ohne auf die Gefahr eines neu aufflammenden Antisemitismus hinzuweisen.
Der emotionale Wert der Effekten
„Viele NS-Opfer hinterließen ihren Familien keine persönlichen Gegenstände, weil die Nazis ihnen alles nahmen“, sagt Charlotte Meiwes, Projektleiterin für #StolenMemory bei den Arolsen Archives. Dass die Effekten erhalten geblieben sind, sei für die Angehörigen deswegen überraschend: „Einige von ihnen erfahren neue Informationen über diesen Lebensabschnitt ihrer verfolgten Familienmitglieder“. Deshalb sei es so wichtig, die Familien zu finden und ihnen die Gegenstände zu übergeben.
Ziel Aufmerksamkeit und Unterstützung
Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt die Ausstellung den Blick auf persönliche Gegenstände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Sie berichtet vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzer und den Rückgaben an ihre Familien heute. Mit dem Smartphone können die Besucher über QR-Codes Videoporträts aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.
Unter der Rubrik „Gesucht“ werden Effekten gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jeder kann die Arolsen Archives bei der Rückgabe der Effekten unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Verfolgten und deren Familien begeben. Denn noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Erinnerungsstücke von rund 2.000 Personen aus ganz Europa auf.
Ausstellung und Website
Seit August 2020 reist die #StolenMemory-Ausstellung mit mittlerweile vier Containern durch Deutschland und aktuell auch durch Polen und Frankreich. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Finanziert werden die Arolsen Archives und auch die Wanderausstellungen in Deutschland durch das Auswärtige Amt.
Begleitend zur Ausstellung bietet die Website stolenmemory.org kurze, animierte Filme und ergänzende Webstories, die von individuellen Schicksalen erzählen. Diese Materialien wurden speziell für Jugendliche entwickelt und im Juni 2021 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Wissen und Bildung“ ausgezeichnet. Auf der Website steht zudem umfangreiches pädagogisches Material zum kostenlosen Download zur Verfügung, das von Schulen und Bildungseinrichtungen auf allen Stationen der Wanderausstellung genutzt werden kann.
Das vor einem Jahr gegründete Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“, das sich für Demokratie, Menschenrechte und eine vielfältige Gesellschaft einsetzt, die Arolsen-Archive und die Stadt Warendorf hoffen, mit dieser Ausstellung auch viele Schülerinnen und Schüler aus Warendorf und dem Umkreis zu erreichen.
Ausstellung #StolenMemory der Arolsen Archives:
Wo: Warendorf, Bahnhofsvorplatz, August-Wessing-Damm (B64)
Wann: 13. bis 31. März; Eröffnung: Freitag, 13. März, 11 Uhr
Öffnungszeiten: täglich jeweils 9 bis 19 Uhr
Website #StolenMemory: https://stolenmemory.org/

Die Wanderausstellung #StolenMemory der Arolsen-Archive wird in der Zeit vom 13. bis 31. März auf dem Bahnhofsvorplatz in Warendorf zu sehen sein. Das Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ und die Stadt Warendorf laden zum Besuch der Ausstellung (täglich 9 bis 19 Uhr) ein. Foto: Arolsen Archives

