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Haltung zeigen –  Demokratie verstehen

Haltung zeigen –  Demokratie verstehen: das Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen und das Mariengymnasium Warendorf schließen Projekt zu Hans Lucassen und Kurt Schumacher ab.

Mit einem bewegenden und zugleich eindrucksvollen Zeitzeugengespräch zu Hans Lucassen fand das Bildungsprojekt „Demokratie braucht Haltung: Hans Lucassen – Kurt Schumacher“ am Mariengymnasium Warendorf seinen Abschluss. Im Mittelpunkt stand dabei nicht allein die historische Rückschau, sondern die aktive Auseinandersetzung mit demokratischen Werten, Zivilcourage und politischer Verantwortung – damals wie heute. Ausgangspunkt des Projekts war die Ausstellung im Westpreußisches Landesmuseum, die Leben und Wirken von Hans Lucassen und Kurt Schumacher in den Blick nimmt. In begleitenden Workshops setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den Biografien beider Persönlichkeiten auseinander.

Dabei wurde deutlich, wie sehr der demokratische Neubeginn nach 1945 von Menschen getragen wurde, die trotz Verfolgung, Kriegserfahrung und persönlicher Einschnitte unbeirrbar an rechtsstaatlichen Prinzipien festhielten. Während Hans Lucassen insbesondere für sein Engagement und seine Haltung im lokalen Kontext steht, verkörpert Kurt Schumacher als prägende politische Persönlichkeit der frühen Bundesrepublik den überregionalen Kampf für Demokratie. Als entschiedener Gegner des Nationalsozialismus überlebte Schumacher langjährige Haft und Konzentrationslager und wurde nach 1945 zu einem der profiliertesten Vertreter eines demokratischen Wiederaufbaus in Deutschland. Seine Biografie verdeutlicht in besonderer Weise, wie eng persönliche Standhaftigkeit und politisches Verantwortungsbewusstsein miteinander verbunden sein können.

In den Workshops arbeiteten die Schülerinnen und Schüler nicht nur historische Hintergründe heraus, sondern stellten auch Bezüge zur Gegenwart her: Was bedeutet „Haltung zeigen“ heute? Wo geraten demokratische Werte unter Druck? Und wie können junge Menschen Verantwortung übernehmen? Aus ihren eigenen Perspektiven entwickelten sie differenzierte Sichtweisen auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Ein besonderer Höhepunkt war das große Zeitzeugengespräch am vergangenen Mittwoch, an dem die gesamte Jahrgangsstufe 10 teilnahm. Im Zentrum standen die familiäre Erinnerung an Hans Lucassen sowie die Frage, wie demokratische Überzeugungen über Generationen hinweg weitergegeben werden. In einer offenen Diskussionsrunde kamen die Schülerinnen und Schüler mit Hanjo Lucassen, Prosper Schücking und Thomas Rossel ins Gespräch, stellten Fragen und diskutierten über die Bedeutung von Zivilcourage und demokratischem Engagement – damals wie heute. Moderiert wurde das Gespräch von der Kulturreferentin Magdalena Oxfort und der Geschichtslehrerin Stephanie Taube, die den Austausch sensibel strukturierten und den Bogen zwischen historischer Erfahrung und aktueller gesellschaftlicher Verantwortung spannten.

Beratend begleitet wurde das Projekt vom kommissarischen Leiter des Museums, Martin Koschny, der die Kooperation unterstützte. Die enge Zusammenarbeit zwischen Kulturreferat, Schule und Museum unterstreicht die Bedeutung außerschulischer Lernorte für eine lebendige und nachhaltige Demokratiebildung.

Mit dem Abschluss der Zeitzeugengespräche endet ein Projekt, das eindrücklich gezeigt hat, wie wirksam die Verbindung aus Ausstellung, Workshoparbeit und persönlicher Begegnung sein kann. Zugleich verstehen die Beteiligten das Format als Ausgangspunkt: Auch künftig sollen vergleichbare Projekte weitergedacht und realisiert werden, um junge Menschen nachhaltig für demokratische Werte zu sensibilisieren und zur aktiven Mitgestaltung zu ermutigen.

 

Foto: Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen