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Zeitungsausgaben aus dem Jahr 1976, D-Mark-Münzen und Urkunden an den Kreisarchivar übergeben.
Bürgermeister Wolfgang Pieper sprach von einem „besonderen und spannenden Moment“. Soeben hatte Löschzugführer Nikolaus Kreienbäumer die beiden Kupferröhren aufgesägt, die als Zeitkapseln vor fast 50 Jahren in den Erweiterungsbau der Feuerwache in der Ritterstraße eingemauert worden waren. Zutage gefördert wurden zwei Zeitungsausgaben vom 8. März 1976, D-Mark-Münzen und zwei Urkunden, auf denen die Namen der Feuerwehrleute aufgelistet wurden, die damals aktiv waren.
Dass Münzen und Zeitungen in Zeitkapseln hinterlegt wurden, war erwartbar. „Wir sind aber sehr stolz und froh, dass wir auch diese Urkunden gefunden haben“, sagte Carsten Einhoff, stellvertretender Leiter der Feuerwehr. Für ihn und seine Kameraden war dieser Ortstermin besonders wichtig. „Es geht damit eine Ära zu Ende“, sagte er. Zwar sei die Feuerwehr schon seit 2015 im neuen Feuerwehrgerätehaus an der Alverskirchener Straße untergebracht, doch bis zum Oktober 2024 stand immer noch ein Fahrzeug am alten Standort in der Ritterstraße. Jetzt ist alles leergeräumt, die Bergung der Zeitkapseln ist quasi der letzte Akt einer sehr langen Geschichte.
Heiko Dreesen, Archivar und Chronist der Telgter Feuerwehr, nannte beeindruckende Jahreszahlen: 1885 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr in Telgte, seit 1898 hatte sie ihren Standort an der Ritterstraße. 1960 wurde „neu“ gebaut, 1976 wurde der Bau erweitert.
Eigentümerin der Alten Feuerwache ist die Volksbank. Michael Schoene als Vertreter der Bank versprach: „Wir werden das Gebäude abreißen, aber wird etwas Neues entstehen.“
Neben ihm waren auch Vertreter der Telgter Parteien, Ordnungsamtschefin Tatjana Hansen, weitere Feuerwehrkameraden und Frank Schirrmacher als Kreisarchivar anwesend. Dieser freute sich sehr über den Inhalt der beiden Kapseln und versprach: „Wir werden alles so lagern und aufbereiten, dass es auch in 200 Jahren noch so aussieht wie heute.“ Natürlich könne sich jeder, der Interesse hat an das Kreisarchiv wenden und sowohl die Urkunden als auch die Zeitung und Münzen in Augenschein nehmen.
Die Gäste nutzen diese Gelegenheit direkt vor Ort. Sie stellten fest wie leicht so ein Fünfmarkstück ist, wie sehr die Schlagzeilen in der Zeitung den heutigen ähneln und welche Namen man auf den Urkunden wiedererkannte: Hier wurde Zeitgeschichte plötzlich ganz lebendig.
Fotos: Stadt Telgte