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“Baby Boom” im Zoo Osnabrück

Tierkindergarten im nordischen „Kajanaland“

Vorerst letzter Nachwuchs bei den Vielfraßen

Die nordische Tierwelt „Kajanaland“ im Zoo Osnabrück ähnelt seit Kurzem regelrecht einem Kindergarten: Jungtiere bei den Vielfraßen, Guteschafen und Rentieren erkunden ihr Zuhause. Der im Februar geborene Vielfraßnachwuchs bekam Besuch vom Zootierarzt.

„Meistens verschwindet die Vielfraß-Mutter Vilja etwa zwischen Mitte und Ende Februar in der Wurfbox – also dem Versteck, in dem sie ihre Jungen zur Welt bringt – und dann wissen wir, nun kann es nicht mehr lange dauern bis der Nachwuchs zu entdecken ist“, erzählt Tierpflegerin und Revierleiterin Kerstin Seifert. Und so war es auch in diesem Jahr: Am 13. Februar konnte die Revierleiterin von weitem einen Blick in die Wurfbox werfen und entdeckte zwei kleine, weiße, neugeborene Vielfraße. Seifert erklärt: „Zu Beginn haben die Vielfraßjungtiere noch schneeweißes Fell. Dadurch sind sie im dichten Schnee der Polarregionen, aus denen sie ursprünglich stammen, gut getarnt. Erst mit der Zeit wird ihr Fell so dunkel wie das der älteren Artgenossen.“ Mit acht Wochen war der Nachwuchs schließlich alt genug für die erste Untersuchung durch den Zootierarzt Thomas Scheibe. Andreas Wulftage, zoologische Leitung im Zoo Osnabrück erklärt: „Bei so einer ersten Untersuchung wird zunächst ein allgemeiner Check-Up gemacht und geschaut, ob es den Jungtieren gut geht.“ Nachdem der Tierarzt feststellte, dass die Tiere gesund sind, wog er die beiden, impfte sie gegen Staupe und verabreichte ihnen eine Wurmkur. Außerdem wurde das Geschlecht ermittelt: die Geschwister sind Männchen und Weibchen. „Am Ende setzten wir den Vielfraßjungtieren noch einen kleinen Micro-Chip ein. Diesen bekommen die meisten unserer Tiere zur Wiedererkennung“, so Wulftange weiter. Nach der Untersuchung wurden die Vielfraße von den Tierpflegern auf die Namen Tommi und Annika getauft.

Bei den Vielfraßen ist die Mutter – auch in der Wildbahn – alleine für die Jungenaufzucht zuständig. Vater Loki hält sich hauptsächlich fern von der Dreiergruppe und wenn er Tommi und Annika doch einmal näherkommt, wird er von Mutter Vilja verscheucht. „Besonders schön ist es allerdings auch zu sehen, wie sich die ein Jahr älteren Geschwister Freija und Svantje um den Nachwuchs kümmern“, freut sich Revierleiterin Seifert. „Sie sind gute Spielkameraden für die Jungtiere und begleiten sie ihnen bei ihren Ausflügen über die Anlage.“ Denn mittlerweile werden Tommi und Annika von Tag zu Tag aktiver: „Erst hat Mutter Vilja sie nur ab und zu zum ‚frische Luft schnappen‘ aus der Box gescheucht – man muss wissen: Vielfraße riechen ziemlich streng“, schmunzelt Seifert. Doch nun erkunden sie immer mehr auf eigene Faust ihre Umgebung. „Für uns fängt jetzt die schönste Zeit an, denn wir können die Kleinen gut beobachten und zusehen, wie sie mit ihren Geschwistern spielen. Allerdings wird es für Vilja immer stressiger. Sie versucht weiterhin auf ihre Kinder aufzupassen, sie zu beschützen und beide beisammenzuhalten. Doch wenn sie eins zurückgeholt hat, ist das nächste schon wieder auf Erkundungstour.“ Momentan werden Tommi und Annika noch von ihrer Mutter gesäugt, doch die Muttermilch ergänzt sie bereits durch vorgekautes Fleisch. So lernen die beiden nach und nach ihre zukünftige Nahrung kennen. Mit etwa einem Jahr sind die Vielfraße ausgewachsen, doch Geschlechtsreif werden sie erst mit etwa vier Jahren.

Vorerst letzter Nachwuchs der Vielfraße
„Dieser Wurf wird bei unseren Vielfraßen erst einmal der letzte sein“, berichtet Andreas Wulftange. „Wir beteiligen uns an der Nachzucht zur Arterhaltung der Vielfraße, die über ein sogenanntes ‚Europäisches Erhaltungszuchtprogramm‘, kurz EEP, koordiniert wird.“ In den vergangenen Jahren gab es nun relativ viele Jungtiere vom Zuchtpaar Loki und Vilja. „Damit sind die Gene unserer Vielfraße innerhalb des EEP sehr gut vertreten und es wurde vom europäischen Zuchtprogramm beschlossen, vorerst aus der Zucht zu gehen. Aus diesem Grund bekam Vielfraßmännchen Loki bereits nach der letzten Paarungszeit einen Hormonchip eingesetzt, der vorerst weiteren Nachwuchs verhindert.“ Der Biologe schließt jedoch nicht aus, dass es irgendwann wieder Vielfraßjungtiere vom Schölerberg geben wird: „Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm und treffen immer wieder neue Absprachen. In einigen Jahren kann es durchaus sein, dass wir die Zucht wieder aufnehmen.“

Noch mehr Frühlingsboten in „Kajanaland“
Direkt gegenüber von den Vielfraßen gab es einen regelrechten „Baby-Boom“ bei den Guteschafen: Die sechs kleinen Lämmer Olaf, Karla, Lasse, Sören, Melli und Felix galoppieren über die grüne Wiese in der Tierwelt „Kajanaland“. „Karla ist sogar ein richtiges Osterlamm“, erzählt Kerstin Seifert, „denn sie ist direkt am Ostersonntag geboren.“ Die Jüngsten der Gruppe sind Melli und Felix, sie sind erst vor einigen Tagen auf der Wiese der Guteschafe geboren. Seifert berichtet: „Alle Lämmer sind tagsüber geboren und wurden dann jedes Mal von einem von uns Tierpflegern entdeckt. Dann werden das Jungtier und seine Mutter von der Gruppe separiert und in den Stall gebracht. So können wir einerseits die Mutter-Kind-Bindung stärken, aber auch der Mutter etwas Ruhe gönnen. Direkt nach der Geburt findet unser Schafsbock die Weibchen nämlich besonders interessant.“ Mittlerweile ist die zehnköpfige Gruppe jedoch wieder gemeinsam auf der Anlage unterwegs und die Lämmer entdecken jeden Tag etwas mehr ihre Umgebung. In den immer noch kühlen Aprilnächten geht es für die Guteschafe zurück in den Stall. „Eine besonders niedliche Angewohnheit der Guteschafe ist es, dass sich die Lämmer in den kühlen Nächten auf den Rücken ihrer Mütter zum Schlafen legen, um nicht zu frieren“, freut sich die Revierleiterin.

In der Nachbarschaft hat außerdem die sechsköpfige Rentiergruppe im Zoo Osnabrück Zuwachs durch die drei kleinen Böcke Björn, Emil und Benni bekommen. Am 19. April brachte Rentierweibchen Siida ihr erstes Jungtier, den Bock Björn, zur Welt. Emil und Benni folgen wenige Tage später. „In den vergangenen Tagen hatten Björn und Emil auch schon ihre erste Untersuchung vom Tierarzt“, so Seifert. „Dabei wurde der allgemeine Gesundheitszustand überprüft und zum Beispiel der Nabel untersucht. Nachdem Tierarzt Thomas Scheibe festgestellt hat, dass es den Böcken gut geht und sie gesund sind, wurde ihnen jeweils ein kleiner Micro-Chip zu Wiedererkennung eingesetzt.“ Die Erstuntersuchung der jungen Rentiere wird in der Regel in den ersten Tagen gemacht. Björn und Siida sowie auch Emil und Benni mit ihren Müttern sind gemeinsam mit den älteren Artgenossen auf der Anlage in der Tierwelt „Kajanaland“. Doch die Mütter halten mit ihren Jungtieren bisher noch ein wenig „Sicherheitsabstand“ zu Vater Sven und dem Rest der Gruppe.

Wissenswertes zu Vielfraßen (Gulo gulo)
Der rund 1 Meter lange und bis über 20 Kilogramm schwere Vielfraß ist ein außerordentlich kräftiges Tier, dem unter gewissen Umständen sogar ausgewachsene Elche zum Opfer fallen können. Auch wenn die Nahrung im Winter knapp ist, macht der Vielfraß keine Winterruhe, sondern läuft mit seinen breiten Tatzen täglich lange Strecken um Beute zu machen oder Aas zu finden. Zwischen Januar und April werden in einem Bau ein bis vier Jungtiere geboren, die bis zum Herbst bei der Mutter bleiben.

Wissenswertes zu Guteschafen (Ovis aries)
Das Guteschaf ist eine Hausschafrasse aus der Gruppe der nordischen Kurzschwanzschafe, die vor allem in Schweden gehalten werden. Darüber hinaus kommen sie auch in Dänemark, Nord- und Ostdeutschland vor. Als Graser sind diese Schafe sehr genügsam, sie werden in der Landschaftspflege auch auf kargen Flächen eingesetzt. Guteschafe erreichen eine Schulterhöhe zwischen 60 und 85 Zentimetern. Weibchen wiegen zwischen 45 und 60 Kilogramm, Männchen erreichen ein Gewicht zwischen 70 und 100 Kilogramm. Beim Guteschaf besitzen beide Geschlechter Hörner. Die Hörner der Böcke sind schneckenförmig und deutlich größer als die Hörner der Auen, die eher sichelförmig sind.

Wissenswertes zu Rentieren (Rangifer tarandus)
Rentiere leben im Sommer in der Taiga und im Winter in der Tundra in Nordeurasien, Nordamerika, Grönland und anderen arktischen Inseln. Die Natur hat das Ren mit vortrefflichen Eigenschaften ausgestattet, um das Klima arktischer und subarktischer Zonen gut zu überstehen. Es besitzt ein sehr dichtes Fell und hat ungewöhnlich breite, zweigespaltenen Hufen. Auf diesen „natürlichen Schneetellern“ kann das Rentier fast schwerelos über sumpfigen Boden oder tiefen Schnee laufen. Dabei ist ein eigentümliches Knacken im Fußbereich zu hören. Das typische Geräusch entsteht durch Sehnen, die über den Gelenkknochen rutschen. Eine weitere Besonderheit: Rentiere sind die einzige Hirschart, bei der beide Geschlechter ein Geweih besitzen, wobei das des Männchens wuchtiger und stärker ausgebildet ist.

+++ Aktuell hat der Zoo Osnabrück bis auf Weiteres geschlossen und alle Veranstaltungen der kommenden Wochen werden abgesagt oder verschoben.   Bleiben Sie gesund! +++ 

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