Bertha von Suttner im Rahmen der Reihe „Literatur für Liebhaber“ von Marius und Markus von Hagen in der Stadtbücherei

„Das, das allein sollte aller Frauen Bestreben sein: ‚Friede, Friede, – die Waffen nieder!‘“ Dieses Zitat aus dem berühmtesten Werk Bertha von Suttners (1843-1914) enthält ihr zentrales Programm: gegen Krieg und für Frauenrechte. Marion und Markus von Hagen erzählten in der Reihe „Literatur für Liebhaber“ in der Stadtbücherei anschaulich aus dem bewegten Leben einer mutigen Frau, die als erste Frau 1905 den Friedensnobelpreis erhielt.

Geboren wurde sie 1943 als Bertha Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau in Prag. Sie führte ein sorgloses, aber wenig erfülltes Leben, wie ihr Text „Langeweile“ verdeutlicht. Darin heißt es: „Ein gescheiter Mensch langweilt sich nie! Das ist auch so eine Fabel. … Reine Heuchelei!“ Nach dem frühen Tod ihres Vaters und wegen des aufwändigen Lebensstils und der Spielsucht ihrer Mutter mittellos musste sie eine Stelle als Erzieherin bei der Familie von Suttner annehmen. Trotz des Altersunterschiedes verliebte sie sich in den jüngsten Sohn Arthur von Suttner und heiratete ihn heimlich. Sie kamen im Kaukasus unter und verdienten ihren Lebensunterhalt durch journalistische und schriftstellerische Tätigkeiten.

Bertha von Suttner schrieb Romane z. B. als Fortsetzungsromane für die Zeitschrift „Gartenlaube“ zunächst unter Pseudonymen wie „B. Oulot“ oder „Jemand“. Grund war die damalige Auffassung, Frauen könnten nicht schreiben.  Dabei gelingt es ihr geschickt, ihre pazifistischen und emanzipatorischen Gedanken in Liebesromane zu schmuggeln. Voll bissiger Ironie entwickelt sie in ihrem Roman „Das Maschinenalter“ eine literarische Utopie des 24. (!) Jahrhunderts und entlarvt bei einem Blick in die Vergangenheit die Zeit um 1900 als sexistisch und kriegsverherrlichend. Sie kritisiert die „männerbeglückende Wirksamkeit von Frauen als vom Menschen gemachte Verhältnisse“. 

Bertha von Suttner sah die Schrecken des Krieges schon lange vor den beiden Weltkriegen und forderte ein internationales Strafgericht für Streitfälle. Ihr Roman „Die Waffen nieder“ erreichte ein breites Publikum, wurde bis 1905 in 37 deutschsprachigen Auflagen herausgegeben und in 16 Sprachen gedruckt.  In der Ich-Perspektive wird das Leben der aus Wien stammenden Gräfin Martha Althaus erzählt, die vier Kriege miterlebt und miterleidet, „dieses größte allen denkbaren Unglücks“.

Hochaktuelle Gedanken wie Absage an Antisemitismus („Wehrt euch!“) und Rassismus, ihr Einsatz gegen Grausamkeit im Krieg und Tierquälerei brachten ihr 1905 den von ihr angeregten Friedensnobelpreis. Andererseits machten Marion und Markus von Hagen eindrucksvoll deutlich, dass keine Frau um 1900 öfter verunglimpft, verhöhnt und karikiert wurde.

Sie starb am 21. Juni 1914, eine Woche vor der Ermordung des österreichischen Thronfolgers, die den ersten Weltkrieg auslöste.

Angesichts der Aktualität der Gedanken Bertha von Suttners reagierten die etwa 30 Zuhörerinnen und Zuhörer nachdenklich und spendeten am Schluss begeistert Applaus für die beeindruckende Präsentation von Marion und Markus von Hagen. 

Die Reihe „Literatur für Liebhaber“ in der Stadtbücherei Warendorf wird fortgeführt. Am Dienstag, 24. November 2026 um 19:00 Uhr stellen Marion und Markus von Hagen zum ersten Mal „Paul Schallück“ vor.

Foto: Förderverein der Stadtbücherei