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Lesung am 30.01. im Westpreußischen Landesmuseum: Familiengeschichte zwischen Migration und Identität

30. Januar um 18:00 - 20:00

Warendorf. Unter dem Titel „Der Schmerz sprach Polnisch, das Gemüse Deutsch“ liest die Autorin Birgitta M. Schulte am 30. Januar 2026 um 18 Uhr im Westpreußischen Landesmuseum aus ihrem gleichnamigen Roman. Der Eintritt beträgt 5 Euro.

Im Mittelpunkt des Buches steht das Schicksal von Adam und Zuzanna, die Ende des 19. Jahrhunderts aus Westpreußen ins Ruhrgebiet ziehen. Adam, gelernter Dreher, verlässt seine Heimat, ohne seine preußische Staatsangehörigkeit aufzugeben. Dennoch erlebt das junge Paar Ausgrenzung und Diskriminierung, insbesondere als Zuzanna Arbeit sucht. Nach einem Arbeitsunfall verliert Adam auf einem Auge das Sehvermögen, sodass Zuzanna als Näherin in einem wohlhabenden, kinderlosen Haushalt zum Lebensunterhalt beitragen muss.

Der Roman zeichnet eindringlich die Zerrissenheit Adams nach, der sich zwischen polnischer Herkunft und deutscher Umgebung behaupten muss. Während er beruflich aufsteigt, leidet er unter den harten Arbeitsbedingungen und der sozialen Ungerechtigkeit der Industrialisierung. Adam engagiert sich politisch, wird Mitglied der Metallgewerkschaft und der SPD und grenzt sich sowohl vom aufkommenden Nationalpolentum als auch von politischer Einflussnahme durch Geistliche ab. Zuzanna unterstützt ihn dabei, folgt seinem politischen Weg jedoch eher vorsichtig.

Die politischen Umbrüche nach dem Ersten Weltkrieg verschärfen die Lebenssituation der inzwischen achtköpfigen Familie. Hunger, Streiks und Straßenkämpfe prägen das Ruhrgebiet. Als rechte Freikorps auch in Dortmund einmarschieren, stirbt Adam angesichts von Gewalt und Terror an einem Herzinfarkt.

Zuzanna muss allein weiterleben. Während der französischen und belgischen Besetzung des Ruhrgebiets herrscht erneut Lebensmittelknappheit. Auch innerhalb der Familie zeigen sich Brüche: Einer der Söhne bezeichnet sich nicht mehr als Pole, sondern als Deutscher – ein Symbol für das allmähliche Auflösen jener Zerrissenheit, die Adams Leben geprägt hatte.

Birgitta M. Schulte verwebt in ihrem Roman historische Recherche mit der Geschichte ihrer eigenen Urgroßeltern. Dabei geht es nicht nur um Migration zwischen Ländern und Sprachen, sondern auch um soziale Auf- und Abstiege und die Suche nach Identität über Generationen hinweg.

Die 1951 geborene Autorin wuchs in Ostwestfalen auf und lebt heute in Detmold. Sie arbeitete als Redakteurin pädagogischer Fachzeitschriften und als Autorin für die ARD, unter anderem zu den Themen Bildung, Frauen, Umwelt und Archäologie. Neben vier Sachbüchern veröffentlichte sie zahlreiche Kurzgeschichten und wurde 2019 mit dem Stockstädter Literaturpreis ausgezeichnet.

Details

  • Datum: 30. Januar
  • Zeit:
    18:00 - 20:00

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