Vorträge und Kreativ-Workshop zur Kultur der Kaschubei am 24. und 25. April im Westpreußischen Landesmuseum

Die Kaschubei: eine Region im Norden Polens mit eigener Sprache, reichen Traditionen und lebendiger Volkskultur, steht am Freitag, 24. April, und Samstag, 25. April, im Mittelpunkt eines besonderen Veranstaltungswochenendes. Das Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen lädt zu Vorträgen und einem Kreativ-Workshop ins Westpreußische Landesmuseum ein, die Einblicke in das kulturelle Erbe dieser einzigartigen Region eröffnen.
Die kaschubische Kultur ist geprägt von einem engen Zusammenspiel aus Tradition, Gemeinschaft und gelebtem Brauchtum. Religiöse Rituale, familiäre Strukturen, Handwerk und Erzähltraditionen bilden bis heute ein vielschichtiges Gefüge, das über Generationen weitergegeben wird und sich zugleich stetig weiterentwickelt.
Freitag, 24.04. – 18 Uhr (Eintritt frei)
Vortrag: Vom Feminismus zum Regionalismus – kaschubische Stickerei als Bindeglied zwischen Tradition und soziokulturellen Bindungen
Benita Grzenkowicz-Ropela (Museum für kaschubisch-pommerische Literatur und Musik in Wejherowo/Neustadt)
Der Vortrag beleuchtet die kaschubische Stickerei als kulturelle Praxis, die weit über ihre dekorative Funktion hinausgeht. Ausgehend von gemeinschaftlichen Treffen von Frauen, bei denen Handarbeit, Gesang und Austausch eng miteinander verbunden waren, entwickelte sich eine lebendige Tradition, die Identität stiftet und soziale Bindungen stärkt.
Die typischen floralen Ornamente und die charakteristische Farbgebung – häufig auf wenige, symbolisch aufgeladene Farben reduziert – verweisen auf regionale Zugehörigkeiten und überlieferte Bedeutungszusammenhänge. Zugleich wird deutlich, wie sich diese Formen im Spannungsfeld zwischen Tradition und gesellschaftlichem Wandel verändern und neu interpretieren lassen. Die Stickerei erscheint so als Bindeglied zwischen individuellen Ausdrucksformen, kollektiver Erinnerung und regionalem Selbstverständnis.
Samstag, 25.04. – 14 Uhr (Eintritt frei)
Vortrag: Kaschubische Bräuche und Rituale sowie kaschubische Sagen und Märchen
Alexandra Sielicka, Direktorin (Museum für kaschubisch-pommerische Literatur und Musik in Wejherowo/Neustadt)
Im Mittelpunkt dieses Vortrags steht die Vielfalt kaschubischer Bräuche, Rituale und Erzähltraditionen, die das kulturelle Leben bis heute prägen. Vorgestellt werden zentrale Elemente des Jahreslaufs: von Weihnachts- und Osterbräuchen über rituelle Praktiken rund um Frühling und Ernte bis hin zu Festen wie der Sommersonnenwende. Dabei wird deutlich, wie eng religiöse Vorstellungen, magische Handlungen und soziale Rituale miteinander verwoben sind.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der kaschubischen Erzählkultur: Sagen und Märchen fungieren nicht nur als unterhaltende Geschichten, sondern auch als Träger von Wissen, Werten und kollektiven Erfahrungen. Sie erklären Naturphänomene, strukturieren das Verhältnis von Mensch und Umwelt und geben Einblick in ein Weltbild, in dem christliche Traditionen und ältere volkskulturelle Vorstellungen miteinander verschmelzen. So entsteht ein vielschichtiges kulturelles System, das bis heute Identität stiftet und weitergegeben wird.
Samstag, 25.04. – 16 Uhr (Teilnahmegebühr: 5 Euro)
Kreativ-Workshop: Kaschubische Gestaltung zwischen Tradition und zeitgenössischem Ethnodesign
Alicja Dampc (Museum für kaschubisch-pommerische Literatur und Musik in Wejherowo / Neustadt)
Der Kreativ-Workshop lädt dazu ein, die kaschubische Kultur nicht nur kennenzulernen, sondern selbst aktiv zu erleben und gestalterisch umzusetzen. Unter Anleitung der renommierten Künstlerin und Kulturanimateurin Alicja Dampc erhalten die Teilnehmenden Einblicke in traditionelle Techniken und entwickeln eigene Arbeiten im Spannungsfeld von überliefertem Handwerk und zeitgenössischem Ethnodesign. Zum vielfältigen Angebot gehören Stickerei, Glasmalerei sowie das Gestalten und Bemalen von Canvas-Taschen mit charakteristischen kaschubischen Mustern. Ergänzt wird der Workshop durch kalligrafische Elemente und das Anfertigen sowie Kolorieren traditioneller Papierblumen, die einst als Schmuck für sogenannte „heilige Ecken“ in ländlichen Häusern dienten.
Ein besonderes Highlight ist zudem das Bemalen von Holzfiguren, die der Künstler Wojtek Wesserling nach Motiven der kaschubischen Volkskunst – darunter Vögel und Figuren aus der Sagenwelt – gefertigt hat
Der Workshop verbindet handwerkliche Präzision mit kreativer Offenheit und bietet einen niedrigschwelligen Zugang zu einer reichen Kulturtradition. Die Teilnehmenden sind eingeladen, eigene gestalterische Wege zu erproben und sich inspirieren zu lassen!
Alicja Dampcs Arbeiten, die bei Wettbewerben mehrfach ausgezeichnet wurden, zeichnen sich durch ihre hervorragende Komposition und den konsequenten Respekt vor der traditionellen Gestaltung aus. Als vielseitige Handwerkerin häkelt und fertigt sie auch traditionelle Papierblumen, die früher in ländlichen Hütten „heilige Ecken“ schmückten. Ihre Leidenschaft für Tradition findet auch in der Musik Ausdruck – seit Jahren ist sie aktives Mitglied des Chores „Lutnia“ in Luzin. Für ihre gesamte Arbeit zum Schutz und zur Verbreitung der kaschubischen Kultur wurde sie 2025 mit dem Preis des Bürgermeisters der Gemeinde Luzino geehrt.
Mit dem Veranstaltungswochenende eröffnet das Kulturreferat einen lebendigen Zugang zu einem facettenreichen europäischen Kulturerbe und lädt dazu ein, die Kaschubei in ihren historischen, kulturellen und künstlerischen Dimensionen zu entdecken.

Foto: Joanna Mroczek / Museum für kaschubisch-pommerische Literatur und Musik in Wejherowo/Neustadt