Das Theater am Wall in Warendorf hat zahlreiche Menschen hervorgebracht, die heute beruflich in den unterschiedlichsten Bereichen der Theater- und Kulturszene tätig sind. Mit Schulmusicals, Theater-AGs, Gastspielen sowie dem Technik- und Caféteamm bot das Haus vielen jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Begeisterung für die Kunst zu entdecken und sich auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ auszuprobieren. Dies gilt auch für den Tänzer Max Wallmeier, der vor über 2 Jahren auf die Verantwortlichen im Theater am Wall mit dem Wunsch nach einem Auftritt in seiner Heimatstadt zuging. Und davor war bereits im Austausch mit der Opernsängerin Rebecca Blanz die Vision entstanden, in Warendorf aufgewachsene Künstlerinnen und Künstler auf die heimische Bühne zu holen.
Am 27. und 28. Juni ist es endlich soweit: Für das Projekt „Heimspiel“ kommen nun erstmals ehemalige Weggefährten des Theater am Wall zusammen, um gemeinsam auf der Bühne zu stehen und zu zeigen, was sie heute künstlerisch machen. Von der Opernsängerin bis zum Schauspieler, vom Jazz- und Popschlagzeuger bis zur Orchestermusikerin, vom Dramaturgen bis zum Lichtdesigner sind viele unterschiedliche Kunstsparten vertreten. Mit Songs, Monologen, Opernarien, Lichtkunst und Livezeichnungen geben die Beteiligten Einblicke in ihre Arbeit und ihren künstlerischen Alltag. Off-Broadway-Musical trifft auf zeitgenössische Klassik, Auszüge aus «La Bohème» und «Così fan tutte» auf moderne Dramatik, Jazz auf Lichtdesign und live entstehende Illustrationen.
Mit Begeisterung für ihr Schaffen zeigen die Mitwirkenden, warum sie ihre oft herausfordernden Berufe gewählt haben – und welchen Wert Theater als Ort des gemeinsamen Erlebens, Nachdenkens und Fühlens für unsere Gesellschaft besitzt. Im Anschluss an die Vorstellungen laden die Mitwirkenden und das Theater am Wall zum Austausch ein.
Die Premiere am Samstagabend ist bereits lange ausverkauft. Aufgrund des großen Interesses haben sich die Mitwirkenden dazu entschlossen, eine weitere Vorstellung am frühen Sonntagabend zu geben. Karten für die Zusatzvorstellung am 28. Juni, 17:00 Uhr, sind über die Theaterhomepage, in der Tourist-Info und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.
Stimmen, Rollen, große Bühnen – drei Wege ins Musiktheater
Wenn am 27. und 28. Juni ehemalige Mitwirkende des Theater am Wall für das Projekt „Heimspiel“ nach Warendorf zurückkehren, begegnen sich ganz unterschiedliche künstlerische Wege wieder auf einer gemeinsamen Bühne. Drei von ihnen verbindet die Leidenschaft für Stimme, Musiktheater und Schauspiel – und ihre ersten Erfahrungen vor Publikum liegen genau dort, wo nun das Wiedersehen stattfindet: im Theater am Wall. Zwischen Oper, Musical und Schauspiel zeigen sie bei „Heimspiel“, wie vielfältig eine künstlerische Laufbahn verlaufen kann.
Julia Grüter
Die Sopranistin Julia Grüter gehört seit 2018 dem Ensemble des Staatstheaters Nürnberg an und ist dort in zahlreichen großen Partien des lyrischen Sopranfachs zu erleben. Zu ihren Rollen zählen unter anderem Fiordiligi in «Così fan tutte», Donna Anna in «Don Giovanni», Rosalinde in «Die Fledermaus», Agathe in «Der Freischütz» sowie Alcina in Händels gleichnamiger Oper. Gastengagements führten sie unter anderem an die Komische Oper Berlin, die Oper Frankfurt, das Aalto-Theater Essen und das Hessische Staatstheater Wiesbaden. 2023 debütierte sie bei den Bayreuther Festspielen als Blumenmädchen in «Parsifal» sowie als Hirt in «Tannhäuser».
Auch als Konzertsängerin ist Julia Grüter international gefragt. Sie arbeitete bereits mit Dirigent:innen wie Joana Mallwitz, Vladimir Jurowski, Oksana Lyniv oder Nathalie Stutzmann zusammen und gastierte zuletzt mit Beethovens «Missa solemnis» in den USA. 2021 gewann sie einen dritten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD.
Ihre musikalischen Wurzeln liegen jedoch in Warendorf: Während ihrer Schulzeit am Mariengymnasium stand sie bereits regelmäßig im Theater am Wall auf der Bühne – damals allerdings noch am Klavier. Den klassischen Gesang entdeckte sie erst später während ihres Studiums.
Hermann Bedke
Hermann Bedke ist Schauspieler und Tenor und arbeitet seit vielen Jahren an unterschiedlichen Bühnen im deutschsprachigen Raum. Nach seinem Studium in Schauspiel, Gesang und Tanz an der Folkwang Universität der Künste führten ihn Engagements unter anderem zu den Gandersheimer Domfestspielen (Hair, Der Glöckner von Notre Dame), an das Theater St. Gallen (Hello Dolly) sowie ans Theater Münster. Dort war er der Produktion «Everyman» zu erleben.
Für „Heimspiel“ kehrt Hermann Bedke nun erstmals für ein gemeinsames Projekt ehemaliger TaW-Mitwirkender nach Warendorf zurück und bringt seine Erfahrungen aus Musical- und Schauspielproduktionen mit auf die Bühne.
Rebecca Blanz
Rebecca Blanz stand bereits als Kind im Theater am Wall auf der Bühne – zunächst als Pinguin bei einem Ballettauftritt, später bei Schulmusicals, beim „Jour fixe“ und als Geigerin im Orchestergraben.
Nach einem parallel zur Schulzeit begonnenen Studium für Gesang und Klavier an der Hochschule für Musik Detmold konzentrierte sie sich vollständig auf den klassischen Gesang und absolvierte anschließend ein Masterstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Direkt nach dem Studium wurde sie an die Mailänder Scala engagiert, wo sie in Mozarts «Zauberflöte» unter der Regie von Peter Stein auftrat. Weitere Stationen führten sie unter anderem an das Nationaltheater Mannheim, die Deutsche Oper am Rhein und das Pfalztheater Kaiserslautern.
Heute umfasst ihr Repertoire mehr als 30 Opernrollen im dramatischen Sopranfach. Sie ist Preisträgerin des Bundeswettbewerb Gesang Berlin und gewann 2025 als erste deutsche Sängerin den renommierten italienischen Wettbewerb „Concorso Cloe Elmo“. Neben Opernproduktionen und Konzertauftritten widmet sie sich auch der Lehre und arbeitet seit 2025 als Gastdozentin an der Hochschule für Musik Detmold. 2027 wird sie mit dem Pianisten Andreas Fröschl ihr erstes Solo-Album aufnehmen.
Zwischen Konzertsaal, Jazzclub und Orchestergraben
„Heimspiel“ bringt nicht nur Sänger:innen und Schauspieler:innen zurück nach Warendorf, sondern auch Musiker:innen, deren Wege von der Schulband bis auf internationale Bühnen, in Theaterorchester und Konzertpodien geführt haben. Ob Jazz, Pop, klassische Orchestermusik oder Kammermusik – die drei beteiligten Instrumentalist:innen verbindet die Erfahrung, dass eine musikalische Berufung oft genau dort beginnt, wo junge Menschen erste Bühnenluft schnuppern können: in ihrem Fall im Theater am Wall.
Helge Zumdieck
Die Erinnerungen des Schlagzeugers Helge Zumdieck an das Theater am Wall reichen bis in die späten 1970er Jahre zurück, als das Haus noch überwiegend Kino war. Zwischen Filmklassikern und ersten Theatererlebnissen entstand früh seine Begeisterung für Musik und Bühne. Prägend wurde insbesondere eine Aufführung von Peter Shaffers «Amadeus» mit Will Quadflieg, die seine Faszination für das Theater nachhaltig vertiefte.
Nach ersten musikalischen Erfahrungen in Warendorfer Bands studierte Zumdieck am Musicians Institute in Los Angeles, wo er als „Outstanding Drummer Of The Year“ ausgezeichnet wurde. Anschließend war er als Dozent für Jazzschlagzeug an der Hochschule für Künste Bremen tätig und arbeitete als Schlagzeuger an zahlreichen Theater- und Musikproduktionen, unter anderem am Deutschen Schauspielhaus Hamburg.
Einem breiten Publikum wurde er als Schlagzeuger der NDR-Kultsendung «Inas Nacht» bekannt. Dort stand er gemeinsam mit Künstler:innen wie Peter Maffay, Lana Del Rey, Jan Delay oder Nina Hagen auf der Bühne. Darüber hinaus arbeitete er live und im Studio für Künstler:innen wie Ina Müller, Achim Reichel, Inga Rumpf oder Annett Louisan.
1999 gründete er die staatlich anerkannte Hamburg School of Music. Aktuell ist er außerdem regelmäßig mit dem Theaterorchester Hamburg zu erleben.
Sebastian Kurz
Sebastian Kurz wurde in Münster geboren und kam im Alter von zehn Jahren nach Warendorf. Hier besuchte er das Gymnasium Laurentianum und erhielt Instrumentalunterricht an der Musikschule. Bereits während der Schulzeit begann seine intensive musikalische Ausbildung: Noch vor dem Abitur wurde er Jungstudent an der Musikhochschule Münster.
Er studierte später Klavier, Fagott und Kammermusik in Münster und Detmold und arbeitete bereits während des Studiums als Korrepetitor und künstlerischer Assistent an der Musikhochschule Münster. Heute ist er als Klavier- und Fagottdozent sowie als Fachbereichsleiter an der Musikschule Greven/Emsdetten/Saerbeck tätig.
Seine künstlerische Arbeit reicht von Kammermusik und Liedbegleitung bis zur Orchestertätigkeit. Regelmäßig ist er unter anderem als Fagottist im Kourion-Orchester Münster zu hören. Konzertreisen, CD-Produktionen und Gastspiele bei unterschiedlichen Konzertreihen ergänzen seine Tätigkeit.
Ricarda Kreutz
Die Harfenistin Ricarda Kreutz erhielt ihre erste musikalische Ausbildung an der Schule für Musik im Kreis Warendorf. Schon früh galt ihr besonderes Interesse der Harfe, die sie zunächst bei Brigitte Langnickel-Köhler erlernte. Seit 2020 studiert sie an der Musikhochschule Lübeck bei Prof. Gesine Dreyer; ein Erasmus-Stipendium führte sie zudem an das Koninklijk Conservatorium Brussel.
Als Solistin debütierte sie 2022 mit dem Lübecker Kammerorchester im Harfenkonzert von François-Adrien Boieldieu. 2024 interpretierte sie gemeinsam mit dem Warendorfer Sinfonieorchester Mozarts Konzert für Flöte und Harfe. Besondere Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in der Kammermusik, der zeitgenössischen Musik und der Orchestermusik.
Nach einer Akademiestelle beim Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck gehört sie derzeit der Orchesterakademie der Komischen Oper Berlin an und ist seit 2025 zudem Stipendiatin der Ad Infinitum Foundation.
Dramaturgie, Lichtkunst und Illustration beim „Heimspiel“
Theater entsteht nicht nur auf der Bühne. Dramaturgie, Lichtgestaltung und visuelle Kunst prägen entscheidend, wie Geschichten erzählt und Räume erlebbar werden. Bei „Heimspiel“ treffen drei ehemalige TaW-Mitwirkende aufeinander, die heute in ganz unterschiedlichen kreativen Bereichen arbeiten – und deren Wege dennoch alle in Warendorf und im Theater am Wall begonnen haben.
Sören Sarbeck
Sören Sarbeck arbeitet als Dramaturg, Autor und Librettist an Stadt- und Staatstheatern sowie in der freien Theaterszene. Seine ersten Theatererfahrungen sammelte er bereits als Jugendlicher am Theater am Wall – sowohl auf der Bühne als auch im Caféteam.
Nach dem Studium der Szenischen Künste in Hildesheim absolvierte er ein Dramaturgie-Volontariat an der Bayerischen Staatsoper in München und studierte anschließend Dramaturgie an der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Es folgten Engagements am Theater Lübeck und seit 2025 am Deutschen Nationaltheater Weimar, wo er heute als Dramaturg mit Schwerpunkt Musiktheater tätig ist.
Neben seiner Arbeit an großen Häusern entwickelt Sarbeck auch freie Musiktheaterproduktionen, unter anderem mit dem Kollektiv Opera Opaque. Als Autor und Librettist arbeitet er regelmäßig mit Komponist:innen zusammen. 2026 erreichte er gemeinsam mit der Regisseurin Maria Chagina das Finale des renommierten internationalen Opernregiewettbewerbs Ring Award und gewann dort den zweiten Preis.
Michael Kantrowitsch
Michael Kantrowitsch ist international als Lichtdesigner und Architekturlichtplaner tätig. Seine Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Theater, Tanz, Musik, Architektur und Lichtkunst und führten ihn bereits in zahlreiche Länder Europas sowie unter anderem nach Japan, China, Island und in die USA.
Bereits als Jugendlicher sammelte er am Theater am Wall erste Erfahrungen mit Bühnenlicht und entdeckte dort die gestalterischen Möglichkeiten von Licht als künstlerischem Ausdrucksmittel. Nach seinem Studium des Lighting Design in Hildesheim gründete er das Büro „arsluminis lighting design“.
Heute entwickelt er Lichtkonzepte für Opern- und Tanzproduktionen, Festivals, Konzerte und Architekturprojekte. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Musiktheater und Lichtinstallationen im öffentlichen Raum. In Warendorf realisierte er unter anderem die „Warendorfer Weihnachtslichter“. Mit dem „Heimspiel“ kehrt er nun an den Ort zurück, an dem seine Leidenschaft für Lichtgestaltung begann.
Lucia Zamolo
Die Illustratorin und Autorin Lucia Zamolo lebt und arbeitet heute in Münster. Ihre Schulzeit verbrachte sie in Warendorf und war zeitweise Teil des Caféteams des Theater am Wall.
Nach ihrem Studium an der Münster School of Design machte sie sich als Illustratorin und Autorin selbstständig. Bereits ihr Debüt «Rot ist doch schön» wurde 2019 mit dem Nachwuchspreis Serafina ausgezeichnet. Es folgten weitere erfolgreiche Veröffentlichungen, darunter «Elefant auf der Brust», das von der Stiftung Buchkunst prämiert wurde, sowie «Jeden Tag Spaghetti» und «Und dann noch», das unter anderem mit dem Deutsch-Französischen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde.
Lucia Zamolos Arbeiten verbinden Humor, gesellschaftliche Haltung und eine unverwechselbare Bildsprache. Ihre Bücher erscheinen inzwischen international in zahlreichen Übersetzungen. Beim „Heimspiel“ wird sie ihre Illustrationen live entstehen lassen und damit den Abend visuell begleiten
