
Kreis Warendorf. Die Schultüte in der Hand und dazu ein strahlendes Lächeln. Solche Bilder gehören zum ersten Schultag. Doch der Wechsel von der Kita in die Schule ist für manches Kind eine große Herausforderung. Genau hier setzt eine Unterstützung an, die an vielen Grundschulen angeboten wird: Kinder, die beim Umstieg auf den Schulalltag von besonderer Förderung profitieren könnten, sollen eine besondere Förderung ab dem ersten Schultag erhalten. Diese bietet zusätzlich hilfreiche Hinweise für die Eltern.
Gemeinsam haben die Träger im offenen Ganztag, Kitas, Grundschulen und der Kreis Warendorf dazu ein Förderkonzept entwickelt. Dabei kann zum Beispiel im Rahmen des Gesprächs zur Einschulung eine Förderung durch die Kita oder die Schule vorgeschlagen werden.
Die Gründe für eine Förderung sind vielfältig. „Von Kindern, die es überfordert, ihre Bedürfnisse zugunsten des Unterrichts zurückzustellen bis zu schüchternen Kindern, die sich nicht allein in die Klasse trauen, sind die Hintergründe breit gefächert“, nennt Sebastian von Hebel, OGS-Leitung des Caritasverbandes im Kreisdekanat Warendorf, einige Beispiele. Die Caritas übernimmt aktuell die Betreuung von Grundschulkindern in acht offenen Ganztagsschulen (OGS) im Kreis Warendorf. In diesem Rahmen findet das so genannte Übergangsmanagement II (ÜII) statt. Ziel ist es, aufbauend auf den wichtigen Erfahrungen der Kita und der Eltern, Kinder gezielt dabei zu unterstützen, in der für sie neuen Welt ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten gut zu entwickeln.
„Es gibt Grundschulkinder, die unter geringem Selbstwert leiden und Probleme damit haben, Regeln einzuhalten“, unterstreicht von Hebel. Im Rahmen von Ü II versuchten daher Sozialpädagogen, die beim OGS-Träger angestellt sind, Kinder in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung zu unterstützen – in enger Abstimmung mit Lehrkräften und Eltern. Auch andere freie Träger der Jugendhilfe bieten diese Förderung im Rahmen der OGS an Schulen im Kreis Warendorf an.
„Unsere Förderung ist bei den Kindern sehr beliebt“, sagt der Caritas-Mitarbeiter und erzählt von Oskar (Name geändert) und seinem Kampf mit Laser-Schwertern. Der Achtjährige ist in der Jungengruppe der Geschickteste im Umgang mit dem Schwert und bringt seine Kontrahenten regelmäßig in Bedrängnis. Schwer fällt es ihm hingegen, sich in der Hitze des Gefechts an die vorab vereinbarten Regeln zu halten. Plötzlich hebt sein Fechtpartner Leon die Hand – ein klares Signal, dass Schluss sein soll. Aber Oskar kann sich nicht bremsen und landet noch einen Treffer. Sofort greift Sozialpädagoge Tobias Steiner ein und unterbricht den Kampf. Nicht weil zu irgendeinem Augenblick Gefahr bestanden hätte. Schließlich kämpfen die Jungen mit gepolsterten Stäben. Nun wird mit der Gruppe reflektiert, was anders laufen sollte. Oskar wird schon in der nächsten Runde seine neuen Strategien ausprobieren können. Und die Eltern kriegen natürlich Tipps, wie sie Oskar auch zu Hause dabei unterstützen können.
Die Jungen und Mädchen, die Ü II Förderung bekommen, freuen sich jede Woche auf die Gruppenstunde und merken meist gar nicht, dass sie hier wichtige Fähigkeiten für ihre Zukunft entwickeln. Und diese Fähigkeit bringen sie dann auch in ihre Klassengemeinschaft ein, sodass letztendlich alle Kinder von einer besseren Lernatmosphäre profitieren.
Neben attraktiven Angeboten in den Förderstunden, ist vor allem die Beziehung zur jeweiligen Förderkraft der eigentliche Schlüssel zum Erfolg. Das Kind hat eine verlässliche Bezugsperson neben der Klassenlehrerin, die sich intensiv mit den Themen des Kindes auseinandersetzen kann. Gleichzeitig haben Eltern eine weitere Ansprechperson, mit der sie die Entwicklung des Kindes reflektieren können.
Bei einer Befragung durch das Jugendamt des Kreises Warendorf gaben 70 Prozent der Eltern an, dass ihr Kind durch die Fördermaßnahmen inzwischen besser in der Schule klarkommt und sich in der Klasse wohlfühlt. Knapp 45 Prozent der befragten Eltern meldeten ferner zurück, dass sich auch die schulischen Leistungen der Kinder verbessert hätten. Und etwa 65 Prozent der Eltern erlebten die Förderung als Stärkung der eigenen Erziehungskompetenz.
Dass die sozialpädagogischen Angebote von allen Beteiligten gerne genutzt werden, steht also außer Zweifel. Oskar jedenfalls will nicht wieder am Rand stehen und zugucken. Er möchte mitmachen und dafür auch Regeln einhalten.
Das Konzept ÜII
Seit fast zehn Jahren werden Kinder und ihre Eltern im Übergang Kita-Grundschule durch Erzieher und Sozialarbeiter individuell unterstützt. Das Übergangsmanagement II (ÜII) ist ein niedrigschwelliges Angebot der Hilfen zur Erziehung in der Grundschule. Konzipiert wurde es vom Kreis Warendorf. Fachkräfte der Caritas fördern Kinder mit Bedarf aktuell mit etwa 400 Stunden pro Woche. Weitere freie Träger sind an der Umsetzung des Konzeptes beteiligt.
Oskar (l.) und Moritz lieben es, sich im Schwerter-Kampf zu messen. Beim sportlichen Wettkampf lernen sie, Regeln einzuhalten. Die Kinder tragen „Superhelden-Masken“, die sie zuvor im Rahmen der Förderung gestaltet haben.
In der Pause reflektiert Sozialpädagoge Tobias Steiner mit den Jungen, ob der Wettkampf fair gelaufen ist. Diese Nachbesprechungen sind wichtiger Bestandteil der Ü2-Förderung.
Fotos: Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf