Minister Thümler zur „Ortsbesichtigung“ in Glandorf: Sanierung Geburtshaus Prof. Jostes

Am 12.2.2020 ließ sich der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, ein Projekt des Heimat- und Kulturvereines Glandorf vorstellen. Der Verein engagiert sich für die Sanierung des denkmalgeschützten Geburtshauses des im letzten und vorletzten Jahrhundert als Literatur- und Geschichtsgelehrten bekannten Prof. Dr. Franz Jostes. Zugleich ist dieses Haus ein wesentlicher Bestandteil der alten Kirchburg in Glandorf und das letzte verbliebene Haus des Dorfmittelpunktes aus der Zeit der Romantik um 1820. In den 1960er- und 1970er-Jahren ist die historische Bausubstanz im Gemeindezentrum durch zeitgenössische Modernisierungen beinahe gänzlich verloren gegangen. Deswegen bemüht sich der Verein, dieses historische Gebäude für die Gemeinde zu retten. Der Verein plant eine Sanierung mit dem Umbau zu einer Begegnungsstätte für alle Glandorfer Gruppen und Vereine, einer Gedenkstätte für Prof. Jostes unter Aufnahme des Gemeindearchivs.

Bereits im letzten Jahr hatte der Heimat- und Kulturverein auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen, das Projekt anzugehen. Es folgten Veranstaltungen mit den politischen Parteien und den Fraktionen des Gemeinderates, in denen das Projekt vorgestellt wurde. Mit einer breiten Unterstützung wurden Anträge bei öffentlichen und privaten Förderinstitutionen gestellt. Der Gemeinderat Glandorf hat inzwischen der Vorfinanzierung erster Mittel für die Planung zugestimmt und damit den Einstieg in das Projekt ermöglicht.

Zur Besichtigung des Gebäudes wurde Minister Thümler vom Vorstand des Vereins und dem Glandorfer Landtagsabgeordneten Martin Bäumer begrüßt. Auch die Vertreter des Amtes für regionale Landesentwicklung, Herr Bendig und Herr Klein, waren gekommen. Nach einer Besichtigung des Gebäudes zeigte sich Minister Thümler beeindruckt von der historischen Substanz des Gebäudes. Nicht nur die Fachwerkarchitektur sondern auch die noch weitestgehend intakten Lehmwände und -decken machen das Gebäude zu einem Zeitzeugen früherer Bautechniken. Die Denkmalschutzbehörden hatten das Gebäude zuvor besichtigt und unterstützen den Plan, es für künftige Generationen zu erhalten. Die Einbindung in die historische Bebauung der alten Glandorfer Kirchburg ist darüber hinaus ein gewichtiger Grund. Wird das Gebäude nicht gesichert und saniert, geht das historische Bauensemble endgültig verloren. Besonders vorteilhaft ist es, dass der Umbau des Gebäudes unter maximaler Erhaltung der historischen Bausubstanz erfolgen soll. Das Nutzungskonzept des Heimat- und Kulturvereines ermöglicht dies, so dass Denkmalschutz und künftige Nutzung eine Symbiose eingehen.

Viele Mitglieder des Heimat- und Kulturvereins, Bürgermeisterin Frau Dr. Heuvelmann, Vertreter des Gemeinderates, der politischen Parteien und Bürger der Gemeinde ließen sich im Anschluss an die Besichtigung das Nutzungs- und Finanzierungskonzeptes vorstellen. Neben der Aufnahme des Gemeindearchivs soll das Gebäude nach der Sanierung Touristikangebote der Gemeinde aufnehmen und Platz für Programme der Jugendförderung und der gemeinnützigen Vereinsarbeit ermöglichen. Daneben wird das kulturelle Erbe von Prof. Jostes gewürdigt, der mit dem westfälischen Trachtenbuch, aber auch literaturwissenschaftlicher Arbeiten, weit über unsere Region hinaus bekannt wurde. Auch seine anderen wissenschaftlichen Leistungen sollen hier gewürdigt werden, wie etwa seine 1882 erschienene Arbeit zu mittelalterlichen Predigten, die im deutschen Sprachraum seinerzeit für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

Minister Thümler begrüßte das Engagement des Vereins, insbesondere die weit vorangetriebenen Bemühungen um eine Finanzierung des Projektes. Seine Unterstützung konnte er durch wichtige Hinweise auf Förderprogramme des Landes und des Bundes ergänzen, die von den zuständigen Stellen seines Hauses koordiniert werden. Auch das für 2020 noch anstehende Investitionsprogramm des Landes für denkmalgeschützte Gebäude, wie auch das Sonderprogramm für Denkmalschutz des Bundes, sollte der Verein in seinen Finanzierungsplänen berücksichtigen, so der Rat Thümlers.

Zum Schluss der Veranstaltung war festzuhalten, dass die Glandorfer Bürger, der Verein, die Bürgermeisterin, der Landtagsabgeordnete Martin Bäumer und auch Minister Thümler die Umsetzung des Projektes für sehr wünschenswert halten, um eines der letzten Stücke Geschichte im Dorfmittelpunkt zu erhalten.

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