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Neu im Zoo Osnabrück: Asiatische Löwen – stark bedroht – nur noch 350 Individuen in der Wildbahn

Seit wenigen Tagen leben zwei Asiatische Löwen im Zoo Osnabrück: Rajah und Kiara. Die 2021 erweiterte Löwenanlage ist nun zweigeteilt. Im neuen Erweiterungsbereich sind die Asiatischen Löwen eingezogen, aktuell läuft noch die Eingewöhnung. Für Besucher sind die Raubkatzen teilweise schon zu sehen.

Rajah und Kiara: So heißen die beiden neuen Löwen im Zoo Osnabrück. Rajah, das 21 Monate alte Männchen, kam am 24. März aus dem dänischen Zoo Aalborg an den Schölerberg, die 30 Monate alte Katze Kiara aus dem israelischen Zoo Jerusalem am 26. März. „Der Transfer und die Eingewöhnung von Raubkatzen sind bei uns immer etwas ganz Besonderes, denn es ist nicht alltäglich und die letzten Löwen-Transfers sind fast 20 Jahre her“, erklärt Zoodirektor Tobias Klumpe. Die beiden Tiere sind seit der Ankunft unter strenger Beobachtung von Biologen, Veterinären und Tierpflegern. „Rajah scheint bisher ein ruhiger Charakter zu sein, aber gleichzeitig aufgrund seines Alters auch noch verspielt und manchmal etwas ungestüm“, berichtet Laura Sieckmann, Zootierärztin und Kuratorin Tierwohl. „Kiara war bei ihren Tierpflegern in Jerusalem sehr beliebt“, fährt sie fort. „Sie wurde auch liebevoll ‚training superstar‘ genannt, weil sie das Medical Training so toll mitgemacht hat. Das wollen wir hier gern fortführen, weil es dem Tier und den Menschen medizinische Untersuchungen deutlich erleichtert.“ Zudem wurde sie von ihren israelischen Tierpflegern als energiegeladen und neugierig beschrieben.

„Nachdem beide Löwen bei uns angekommen waren, sollten sie möglichst schnell in Kontakt kommen – das ist für Löwen das Beste. Zuerst hatten sie ausreichend Möglichkeit, sich am Kontaktgitter kennenzulernen“, erklärt Sieckmann weiter. „Hierbei haben wir sie natürlich engmaschig beobachtet und konnten ihre Reaktionen aufeinander positiv werten. Daher konnten wir sie dann auch schnell zusammenlassen – und das hat richtig gut geklappt. Die beiden hatten sofort Körperkontakt und das Zusammenleben ist jetzt schon sehr harmonisch.“ Nach und nach können die beiden Tiere gemeinsam zunächst ihr Vorgehege und danach die Außenanlage erkunden. „Auch hierbei gehen wir Schritt für Schritt vor und richten uns ganz nach den Tieren“, so die Zootierärztin Sieckmann.

Wunsch des Zoopräsidenten geht in Erfüllung

„Über den Einzug der beiden Asiatischen Löwen freue ich mich persönlich sehr“, betont Zoopräsident Dr. E.h. Fritz Brickwedde. „Den Raubkatzen fühle ich mich ganz besonders verbunden und war unter anderem als Vorsitzender des Vereins ‚Löwen für Löwen‘ aktiv daran beteiligt, die Spendengelder für den Umbau und die Vergrößerung der Löwenanlage zu generieren.“ Brickwedde äußerte bereits beim Neujahrsempfang der Zoogesellschaft Anfang des Jahres seinen Wunsch, dass zum diesjährigen 90. Geburtstag der Zoogesellschaft Osnabrück e.V. weitere Löwen an den Schölerberg ziehen und im kommenden Jahr hoffentlich Nachwuchs folgt. Auch Zoogeschäftsführer Philipp Bruelheide freue sich sehr über die Löwen, wie er berichtet: „Es ist toll zu sehen, wie viel hier jeden Tag passiert – es geht in allen Bereichen stetig voran. Mich freut es sehr, dass wir uns wieder aktiv am Arterhalt der stark gefährdeten Löwen beteiligen können, nachdem der letzte Löwennachwuchs hier bei uns 2008 zur Welt kam. Wir nehmen unsere Aufgaben – Artenschutz, Bildung, Forschung und Erholung – sehr ernst.“

Wechsel auf stark gefährdete Variante

Mit den beiden Tieren sei eine strategische Entscheidung getroffen worden, wie Zoodirektor Tobias Klumpe erklärt: Durch die Übernahme der beiden Raubkatzen wurde eine Umstellung in der Haltung von Afrikanischen auf Asiatische Löwen beschlossen. „Asiatische Löwen werden im Rahmen des EEP, des Erhaltungszuchtprogramms, gemanagt. Daher gab es zuvor einen intensiven Austausch mit den jeweiligen Koordinatoren“, so der Biologe. „Die Entscheidung zum Wechsel fiel insbesondere vor dem Hintergrund des Bedrohungsstatus und den in europäischen wissenschaftlich geführten Zoos vorhandenen Kapazitäten für die Haltung von Löwen.“ Inzwischen gilt der Asiatische Löwe laut Weltnaturschutzorganisation IUCN als stark gefährdet. In den Schutzgebieten und ihrem Umfeld leben nur noch etwa 350 Individuen, hinzu kommen 150 Tiere, die in menschlicher Obhut in zoologischen Einrichtungen gehalten werden. Die Population des Afrikanischen Löwen hingegen umfasst etwa 35.000 Individuen. „Wir nehmen Artenschutz als unsere zentrale Aufgabe ernst und tragen mit der Haltung und hoffentlich zukünftigen Zucht einen wesentlichen Teil zum Aufbau und Erhalt einer Reservepopulation bei“, erklärt Klumpe. Moderne Zoos verfolgen den sogenannten „One Plan Approach“, einen Ansatz, der in-situ-Maßnahmen – solche innerhalb der Lebensräume der Tiere – mit ex-situ-Maßnahmen – außerhalb der Lebensräume der Tiere – miteinander verbindet.

Neben den beiden Asiatischen Löwen Rajah und Kiara lebt noch der Afrikanische Löwe Kipangi im Zoo Osnabrück. Der 16jährige Kater lebt seit seiner Geburt auf der Anlage in der Afrika-Tierwelt „Mapungubwe“ und wird dort in gewohnter Umgebung auch seinen Lebensabend verbringen. „Eine Zusammenführung mit Rajah und Kiara ist nicht geplant und nach wissenschaftlichen Standards auch nicht erwünscht“, so Klumpe.

Heißen gemeinsam die neuen Asiatischen Löwen willkommen: Laura Sieckmann (Veterinärin), Philipp Bruelheide (Zoogeschäftsführer), Tobias Klumpe (Zoodirektor) sowie Dr. E.h. Fritz Brickwedde (Präsident der Zoogesellschaft Osnabrück e.V.).

Die beiden Asiatischen Löwen Rajah und Kiara leben sich derzeit im Vorgehege ein – sobald sie sich hier sicher fühlen, können sie gemeinsam die große Außenanlage erkunden.

Fotos: Zoo Osnabrück (Hanna Räckers/Lara Holzkamp)