Warendorfer Gymnasiasten besuchen das Widerstandsmuseum in Amsterdam

Foto: Lau/AWG

Niederländisch-Kurse erleben Geschichte vor Ort

Die deutsche Kriegsgeschichte ist uns allen wohl hinreichend aus dem Geschichtsunterricht bekannt. Doch wie verlief eigentlich der Krieg bei unseren niederländischen Nachbarn? Welche Folgen hatte die deutsche Besatzung und vor welche Herausforderungen stellte sie die Niederländer?

Diesen Fragestellungen begegneten die 65 Schüler der drei Niederländischkurse der Qualifikationsstufe 1 des Augustin-Wibbelt-Gymnasiums und des Gymnasium Laurentianum im Rahmen einer Exkursion zum Verzetsmuseum (Widerstandmuseum) in Amsterdam. Wie sich Niederländer zu dieser unwirklichen und fürchterlichen Zeit verhalten haben, welche Entscheidungen sie treffen mussten und wie sich die vertraute Gesellschaftsordnung und das gewohnte Leben einschneidend veränderten, waren die zentralen Themen der eintägigen Exkursion unter der Leitung der Niederländisch-Lehrerinnen Martina Beuting und Katrin Rippolz, begleitet von den Referendarinnen Marie Charlotte Boegen und Sarah Fimpeler sowie dem Praxissemester Floris Maarten de Vries.

Bereits um 6.30 Uhr machten sich die Schüler, die seit beinahe zwei Jahren am AWG oder Laurentianum Niederländisch lernen, auf den Weg nach Amsterdam. Im Verzetsmuseum angekommen wurden sie mittels eines kurzen Filmbeitrages für die zentrale Fragestellung nach den Entscheidungsmöglichkeiten während des Zweiten Weltkrieges sensibilisiert. Im Anschluss wurden die Schüler von erfahrenen Museumspädagogen in Kleingruppen durch das Museum geführt und mit den historischen Geschehnissen während des Zweiten Weltkrieges vertraut gemacht.

Ergänzend wurden geschichtsträchtige Orte, Gedenkstätten und Mahnmale des jüdischen Viertels besichtigt. Angereichert mit lebendigen Einblicken in Einzelschicksale, war die geleitete Erkundung des jüdischen Viertels ebenso lehrreich wie beeindruckend. Besonders in Erinnerung bleibt sicherlich die Geschichte des kleinen „Remy van Duinwijck“. Der kleine, niedliche Junge wurde im Jahr 1942 vor die Tür einer Familie in Bloemendaal gelegt. Schnell kam der Verdacht auf, dass es sich bei dem Jungen mit den großen, tiefblauen Augen um ein jüdisches Kind handeln könnte. Er wurde infolgedessen in Amsterdam in einem Kinderhort für jüdische Kinder untergebracht, von wo aus die kontrollierte Deportation dieser Kinder in die Konzentrationslager erfolgte. Dank einer gut organisierten Gruppe jüdischer und nicht-jüdischer Widerstandskämpfer gelang es, hunderte Kinder aus diesem Hort zu befreien und an sicheren Orten unterzubringen. Für Remi jedoch galt dies nicht. Ihm wurden sein Aussehen und seine Bekanntheit zum Verhängnis. Er lächelte sich in die Herzen der deutschen Wachleute, die ihn liebgewannen, regelmäßig in den Arm nahmen und ihm sogar einen Teddybär schenkten. Aus diesem Grund konnte Remi nicht aus dem Hort geschmuggelt werden, da dies zu auffällig gewesen wäre und die Arbeit der Widerstandskämpfer hätte auffliegen lassen. Remi wurde schließlich am 18. Mai 1943 via Westerbork nach Sobibor transportiert, wo er am 21. Mai 1943 in den Armen einer wildfremden Frau starb.

Mit dieser und anderen eindringlichen Geschichten im Hinterkopf, begaben sich die Schüler am Nachmittag auf Entdeckungstour in das moderne, heutige Amsterdam, mit seinen vollen Einkaufsstraßen, lauten „bromfietsen“, „interessanten“ Gerüchen und kulinarischen Besonderheiten (Essen aus dem Automaten oder etwa Pommes mit Erdnusssoße – gemeinhin bekannt als patat oorlog (Kriegspommes)).

Gegen 20.00 Uhr abends kehrten die Schüler nach einem langen, aber interessanten Tag wieder nach Warendorf zurück.

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