Zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „Westpreußen divers“ lädt das Westpreußische Landesmuseum (WLM) am Donnerstag, den 7. Mai 2026, um 18 Uhr zu einem eindrucksvollen Vortrag über schwangere polnische Zwangsarbeiterinnen und ihre Kinder im nationalsozialistischen „Volkstumskampf“ ein. Der Referent ist der Münsteraner Historiker Dr. Marcel Brüntrup.
Der Vortrag untersucht die Behandlung schwangerer polnischer Zwangsarbeiterinnen und ihrer Kinder im Kontext der nationalsozialistischen „Germanisierungs“- und Bevölkerungspolitik. Um die Geburt „fremdvölkischer“ Kinder im „Altreich“ zu verhindern, wurden schwangere Polinnen in den ersten Kriegsjahren von ihren Arbeitsorten in ihre Herkunftsgebiete zurückgeführt. Zugleich zielten verschiedene bevölkerungspolitische Maßnahmen in den eingegliederten Ostgebieten darauf ab, „rassisch unerwünschte“ Geburten systematisch zu reduzieren. Kinder hingegen, die von NS-Rasseexperten als „gutrassig“ eingestuft wurden, sollten zur „Eindeutschung“ in spezielle Heime und ausgewählte deutsche Pflegefamilien überführt werden.
Besondere Berücksichtigung findet der Reichsgau Wartheland, der in der NS-Bevölkerungspolitik eine Vorreiterfunktion einnahm und dessen Maßnahmen auch im benachbarten Reichsgau Danzig-Westpreußen rezipiert und umgesetzt wurden.
Der Vortrag zeigt, wie die Verbindung aus ökonomischer Ausbeutung, rassistischer Ideologie und bevölkerungspolitischen Zielsetzungen die reproduktive Selbstbestimmung polnischer Frauen systematisch einschränkte und die Zukunft ihrer Kinder rassenpolitischen Erwägungen unterwarf.
Dr. Marcel Brüntrup lebt und arbeitet in Münster. Er forscht zu NS-Zwangsarbeit und Geschlechtergeschichte. In seiner 2024 im Wallstein Verlag veröffentlichten Dissertation „Zwischen Arbeitseinsatz und Rassenpolitik. Die Kinder osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen und die Praxis der Zwangsabtreibungen im Nationalsozialismus“ untersucht er die Entstehung der nationalsozialistischen „Ausländerkinder-Pflegestätten“ sowie die damit verbundenen bevölkerungs- und rassenpolitischen Maßnahmen.
Mit der neuen Veranstaltungsreihe „Westpreußen divers“ etabliert das WLM ein Format, das bisher vernachlässigte Perspektiven und Facetten des deutsch-polnischen Kulturraumes in den Blick nimmt. Zu diesen zählen unter anderem die Frauen- und Geschlechtergeschichte, die jüdische Geschichte und die kaschubische Geschichte. Halbjährliche Vorträge, Lesungen, Workshops und szenische Darbietungen verhelfen sowohl der historischen als auch der gegenwärtigen Vielfalt der Region zu mehr Sichtbarkeit.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Termin: Donnerstag, 7. Mai 2026, 18 Uhr
Ort: Westpreußisches Landesmuseum, Warendorf

