Zeitgeschichte aus erster Hand: Dr. Axel Hartmann erzählt von DDR-Flüchtlingen in Budapest über die Wende bis zur deutschen Einheit – ein Diplomat erinnert sich

Was macht man, wenn plötzlich Hunderte DDR-Bürgerinnen und -Bürger in einer deutschen Botschaft Zuflucht suchen? Wie sah der Alltag eines Diplomaten aus, der Menschen bei ihrer Flucht aus der DDR unterstützte und dabei selbst zunehmend in den Blick der Staatssicherheit geriet? Und wie fühlt es sich an, wenn man wenige Jahre später im Bonner Bundeskanzleramt unmittelbar miterlebt, wie der Ostblock zerfällt und die deutsche Einheit Gestalt annimmt? Dr. Axel Hartmann kann davon erzählen – denn er war mittendrin.
Am 4. Oktober 2026 ist der ehemalige Diplomat und Botschafter der Bundesrepublik Deutschland zu Gast in Warendorf. In einem persönlichen Zeitzeugengespräch blickt er auf mehr als ein Jahrzehnt europäischer und deutscher Zeitgeschichte zurück – und nimmt das Publikum mit hinter die Kulissen der großen politischen Ereignisse.
Seine Erzählung setzt bereits 1982 in Budapest ein. Als Leiter der Rechts- und Konsularabteilung an der deutschen Botschaft erlebte Hartmann eine dramatische Fluchtbewegung aus der DDR. Schon lange vor dem Fall der Berliner Mauer suchten DDR-Bürgerinnen und -Bürger über Ungarn einen Weg in den Westen. Hartmann war unmittelbar mit ihren Schicksalen befasst und half in seiner Zeit in Budapest mehr als tausend Menschen bei Flucht oder Ausreise. Die Wege in die Freiheit waren dabei mitunter spektakulär: Fluchtversuche in präparierten Lastwagen, mit Kleinflugzeugen aus Österreich oder mithilfe vertauschter Reisepässe gehörten ebenso zu dieser außergewöhnlichen Zeit wie die ständige Gefahr, von der Staatssicherheit beobachtet zu werden. Auch Hartmanns eigene Tätigkeit geriet ins Visier der Stasi. Seine persönliche Stasi-Akte wurde später sogar zum Gegenstand einer filmischen Dokumentation mit dem Titel „Budapest – die Lücke im Eisernen Vorhang“.
Doch Budapest war erst der Anfang. 1987 wechselte Hartmann ins Bundeskanzleramt nach Bonn, wo er als Osteuropa-Referent die Politik Gorbatschows und den Wandel im Ostblock begleitete. Ab 1989 war er im Ministerbüro von Bundesminister und Chef des Bundeskanzleramts Rudolf Seiters tätig und erlebte den Umbruch in der DDR und die Gestaltung der deutschen Einheit unmittelbar mit.
Im Gespräch wird er von seinen Erlebnissen, Begegnungen und Erfahrungen berichten – von dramatischen Fluchtgeschichten und diplomatischen Herausforderungen ebenso wie von den politischen Entwicklungen, die schließlich zum Fall der Mauer und zur deutschen Einheit führten. Dabei geht es nicht nur um große historische Zusammenhänge, sondern auch um die Menschen dahinter, um persönliche Entscheidungen, überraschende Situationen und die kleinen Geschichten, die in den offiziellen Geschichtsbüchern oft keinen Platz finden.
Wer Dr. Axel Hartmann kennt, weiß zudem: Geschichte muss nicht trocken sein. Mit Humor, persönlicher Note und einem Blick hinter die diplomatischen Kulissen erzählt er von einer Zeit, in der sich die politische Weltordnung innerhalb weniger Jahre grundlegend veränderte. So entsteht kein gewöhnlicher Vortrag über die Wende, sondern ein lebendiger Rückblick aus der Perspektive eines Mannes, der viele der entscheidenden Ereignisse selbst erlebt hat.
Ein Nachmittag mit großer Geschichte, persönlichen Erinnerungen und vermutlich der einen oder anderen Geschichte, die man so noch nicht gehört hat!
Mit dem Zeitzeugengespräch mit Dr. Axel Hartmann startet das Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen und das Westpreussische Landesmuseum zugleich eine neue Veranstaltungsreihe zur Zeitgeschichte, die sich künftig mit politischen, gesellschaftlichen und kulturhistorischen Umbrüchen und ihren Auswirkungen auf Deutschland und Europa beschäftigen wird. Die Reihe nimmt dabei insbesondere die jüngere deutsche Geschichte, die Wiedervereinigung und den Wandel Europas in den Blick und schafft Raum für persönliche Erinnerungen, historische Einordnung und den Austausch über die Bedeutung dieser Entwicklungen für die Gegenwart.
Eine gemeinsame Veranstaltung des Kulturreferates für Westpreußen, Posener Land und Mittelpolen mit dem Westpreußischen Landesmuseum in Warendorf.
Zeitgeschichte aus erster Hand: Dr. Axel Hartmann erzählt
Von DDR-Flüchtlingen in Budapest über die Wende bis zur deutschen Einheit – ein Diplomat erinnert sich
Zeitzeugengespräch mit Dr. Axel Hartmann, Botschafter a. D.
4. Oktober 2026, 15.00 Uhr, Westpreußisches Landesmuseum Warendorf – Eintritt frei
Foto: Dr. Axel Hartmann