„200, wenn es nach mir ginge!“ – Die augenzwinkernde Antwort von Verena Grundmeyer-Calviello auf die Frage, wie viele Mitglieder der Ortsverband Vohren/Ostbezirk im Jahr 2030 haben könnte, wird vermutlich ein frommer Wunsch bleiben. Gerade erst ist die Hoffnung, die ominöse einhunderter Grenze knacken zu können, geplatzt. Nach 96 im Vorjahr stehen durch Austritte, Wegzüge und Abschiede, sowie vier Neuzugänge 90 Mitglieder mit den Geburtsjahrgängen 1934 bis 1990 in der Liste, wie die Sprecherin des Ortsverbands bei ihrer Begrüßungsrede zur diesjährigen Jahreshauptversammlung im Hotel Im Engel erläuterte.
Es könnten mehr und es könnten vor allem auch viel mehr Jüngere sein, sind die drei Frauen des Vorstandsteams im Hinblick auf die gesellschaftliche und politische Arbeit der Organisation überzeugt. Die müsse eigentlich „Vertretung von Frauen auf dem Land“ heißen und damit ein Stück weit wegrücken vom ländlich landwirtschaftlich geprägten Begriff. Längst nicht alle der Mitglieder aus Vohren, dem Ostbezirk und der Stadt Warendorf, die ebenfalls in den Bereich des Ortsverbandes zählt, sind landwirtschaftlich tätig oder kommen aus dieser Sparte. Sie eint vor allem auch die Situation des Lebens auf dem Land, fernab der Großstädte und Ballungszentren. Das Team verdeutlicht dies an Hand von Beispielen jener Probleme, die durch die Infrastruktur auf dem Land geprägt sind. Darunter die mangelhafte Nutzbarkeit des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auch in Verbindung mit der Anbindung der ländlichen Bereiche an die Schulbusse. Eine besondere Problematik stelle die Versorgung durch Pflegedienste dar. Zwar gebe es den BHD-Land, aber auch die Kapazitäten dieses Hilfsdienstes seien begrenzt, bestimmte Touren einfach nicht machbar. Es sei ein anderer Zeitaufwand als in der Stadt und daher nicht mit den Vorgaben der Kassen vereinbar, mit der Folge, dass die Pflege oft von den Angehörigen geschultert werden muss.
„Unser Verband setzt sich dafür ein, dass Frauen im ländlichen Bereich gehört werden“, betonte die Sprecherin in ihrer Rede und wurde deutlich. Der Einsatz erfolge beispielsweise dafür, dass Bildung gefördert werde, dass Frauen wirtschaftlich unabhängig sein können, dass Themen wie Altersarmut klar angesprochen werden, dass Gewalt gegen Frauen nicht verschwiegen, sondern politisch angegangen wird, dass Frauen in allen Bereichen zu den Mitentscheidenden gehören und nicht zuletzt: „Dass Gleichstellung nicht nur ein Wort bleibt“, unterstrich sie.
Mit derartigen Themen berührt der Verband zwar politische Bereiche, ist aber politisch sowie religiös neutral und steht für Vielfalt. „Wir sind offen für jedes Alter und jede Lebenslage“, betont Grundmeyer-Calviello. Und für junge Leute eigentlich sehr ansprechend, denn bei der „Vertretung für Frauen auf dem Land“ mischen sich Erfahrung und Neugier, Wissen und Lernen, Innovation und Beständigkeit.
Was sich im ebenfalls bei der Jahreshauptversammlung erneut vorgestellten Jahresprogramm zeigt: Eine gut gewählte Vielfalt aus Kursen und Seminaren, gepaart mit geselligen Veranstaltungen, sowohl regional als auch ansprechende Reisen. Auch für den Informationsvortrag im Rahmen der Versammlung hatten die Landfrauen ein Thema gewählt, das nicht nur die Landbevölkerung anspricht: Martin Schwakenberg erläuterte den Weg seines Hofes zur Direktvermarktung, die für viele Menschen der Region eine sinnvolle Alternative zum Kauf beim Discounter oder im Supermarkt darstellt.

Die Vorstandssprecherinnen Verena Grundmeyer-Calviello, Maria Everwand und Birgit Hartmann bedankten sich beim Ehepaar Martin und Heike Schwakenberg für den interessanten Vortrag über den Weg des Vohrener Hofes zur heutigen Direktvermarktung. (von links)
Foto: Rieder

