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Im Kreis Warendorf gibt es noch Gründergeist: Drei Start-up-Unternehmen erhalten Stipendium

Foto: gfw

Die Deutschen scheuen das Risiko. Junge Deutsche wollen vor allem beim Staat arbeiten.  Selbständigkeit ist für viele nicht mehr erstrebenswert. Das ist das Ergebnis des jüngsten Gründungsmonitors der Förderbank KfW. „Das Interesse, sich auf das Wagnis einer Unternehmensgründung einzulassen, ist auf einem Tiefpunkt. Hier müssen wir entschlossen gegensteuern, denn davon hängt ein gutes Stück Wirtschaft und Arbeit der Zukunft in unserer Region ab“, sagte Landrat Dr. Olaf Gericke am Dienstag (27. August). Der Anlass für die mahnenden Worte zeigte erfreulicherweise eine Gegenbewegung im Kreis Warendorf zur gesamtdeutschen Existenzgründerentwicklung. Denn es ging um drei gerade ausgezeichnete und mit einem Stipendium versehene Unternehmensgründungen.

Den Gründerinnen und Gründern eröffnet das „Gründerstipendium NRW“ die Chance, innovative Geschäftsideen auf den Weg zu bringen und in die regionale Gründerszene einzusteigen. Das nordrhein-westfälische Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie unterstützt den Start einer Existenzgründung mit einem monatlichen Stipendium in Höhe von 1.000 Euro für maximal ein Jahr. Die drei hatten es mit Unterstützung der gfw – Gesellschaft für Wirtschaftsförderung im Kreis Warendorf mbH geschafft.

Laut einer Auswertung der KfW haben in Deutschland zuletzt nur noch 25 Prozent der Erwerbsbevölkerung den Wunsch, durch einen Wechsel in die Selbständigkeit einmal der eigene Chef zu werden. Im Vergleich zum Jahr 2000, als sich noch 45 Prozent einen solchen Aufbruch vorstellen konnten, hat sich die Zahl fast halbiert. Basis dieser Auswertung ist der KfW-Gründungsmonitor 2019, für den jährlich insgesamt rund 50.000 Menschen im Alter von 18 bis 67 Jahren befragt werden.

Deutschlandweit Tiefpunkt bei Existenzgründungen

Zugleich hat die Zahl der realisierten Existenzgründungen einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der Erhebung zufolge gab es 2018 noch 547.000 Gründer. Das waren 10.000 weniger als im Vorjahr. Verglichen mit 2016 ist die Zahl sogar um mehr als 100.000 geschrumpft. Das liegt laut KfW auch am langen Aufschwung am Arbeitsmarkt, der „die eigene berufliche Selbständigkeit weniger verlockend“ erscheinen lasse. Zudem schwinde der Gründergeist. Alterung der Gesellschaft und zunehmend kritische Haltung gegenüber Selbständigkeit werden als Ursachen genannt.

„Die Zukunft müssen wir erst noch gewinnen“

Die Start-up-Szene zeigt sich darüber alarmiert. Wenn immer mehr Menschen Verbeamtung und Festanstellung wollen und immer weniger unternehmerisches Risiko tragen, drohe Deutschland eine Art Museum zu werden, heißt es dort. „Das Münsterland ist ja alles andere als ein strukturschwacher Raum, wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet sagt. Aber auch wir müssen die Zukunft erst noch gewinnen. Da sind Existenzgründungen ein wesentlicher Baustein“, sagte Gericke, der Aufsichtsratsvorsitzender der gfw ist. Der Landrat verwies auf die Anstrengungen des Kreises, Unternehmensgründerinnen und -gründer zu fördern wie in der 2016 ins Leben gerufenen „Gründerschmiede Beckum“, deren Angebote beim Sprung in die unternehmerische Selbständigkeit stark nachgefragt werden.

Das von der gfw im Kreis organisierte Gründerstipendium NRW fördert innovative Geschäftsideen. Nordrhein-Westfalens Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie unterstützt Gründer vor oder am Anfang ihrer Existenzgründung. Maximal ein Jahr lang wird ein monatliches Stipendium in Höhe von 1.000 Euro als Starterleichterung gezahlt. Außerdem können die Gründer sich in Netzwerken austauschen und individuelles Coaching in Anspruch nehmen.

Jede gute Idee zahlt sich aus

„Egal ob Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen, wichtig ist der innovative und zukunftsweisende Charakter einer Idee“, so gfw-Geschäftsführerin Petra Michalczak-Hülsmann. Dazu zählen etwa Produkterfindungen, die Schließung von Marktlücken oder die Verbesserung von Verfahren und Dienstleistungen, die der Region zugutekommen. Es ist ein offenes Themenfeld. Ob eine IT-Lösung für die Verwaltung, ein neues Sortiersystem für die Warenlogistik, verbesserte Schutzkleidung für die Industrie oder ein Café mit sozialen Förderelementen – jede gute Idee zahlt sich aus.

Sie muss ein im Vergleich zum Stand der Technik verbessertes Produkt oder Verfahren oder eine neue Dienstleistung mit einem deutlichen Kundennutzen und mit Alleinstellungsmerkmalen enthalten. Die Auswahl und das Coaching der Stipendiaten erfolgt durch die gfw als zugelassene Stelle. Über die Vergabe entscheidet monatlich eine Fachjury. Eine Bewerbung bei der gfw ist jederzeit möglich.

Soeben haben vier Gründerinnen und Grüner das Gründerstipendium NRW erhalten:

  • Kerstin Albers und Alejandra Perez Kohler aus Oelde wollen mit ihrer deutschen und mexikanischen Herkunft kleinen und mittleren Unternehmen die Chancen zum Markteintritt und zur Vergrößerung ihrer Marktanteile in Europa und Lateinamerika erleichtern, indem sie sprachliche, berufliche und interkulturelle Kompetenzen zur Verfügung stellen.
  • Anne Margareta Schult aus Drensteinfurt will mit ihrem Start-up „lemontree“ Unternehmen unterstützen, die in Werbung und Marketing aus sozialer, ökologischer und ökonomischer Sicht sorgsamer mit der Umwelt umgehen möchten.
  • Johannes Austermann aus Warendorf hat sich 2019 mit einem Erlebnis-, Gastro- und Filmtheater-Konzept selbständig gemacht. Dort fand am Dienstag (27. August) die Vorstellung der Stipendiaten statt.

An der Vorstellung der Gründerstipendiaten nahmen auch deren gfw-Coaching-Partner Herbert Eick und Anja Samulewitsch teil, terminlich verhindert war Coach Franz-Josef Bütfering.

700 echte Firmenneugründungen im Kreis Warendorf

Die gfw informiert Existenzgründungsinteressierte bei allen Fragen auf dem Weg in die Selbständigkeit und Firmenentwicklung. 700 echte Firmengründungen wurden 2018 laut Industrie- und Handelskammer im Kreis Warendorf realisiert. Die NRW-Bank gewährte hier im vergangenen Jahr 26 Projekten der Existenzgründung und Existenzfestigung Förderzusagen in Höhe von 9,4 Mio. Euro. Im Vergleich zum Jahr 2017 verdoppelte sich das Neuzusage-Volumen.

Foto: gfw

Über die Übergabe der ersten Gründerstipendien NRW im Kreis Warendorf freuen sich v.l.: Coach Herbert Eick, gfw-Geschäftsführerin Petra Michalczak-Hülsmann, Landrat Dr. Olaf Gericke, die Stipendiaten Kerstin Albers, Johannes Austermann und  Anna M. Schult, Coachin Anja Samulewitsch, Martin Niemann und Bettina Dittmar (beide gfw).

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