Lebendiges Erinnern

Foto: MGW

100 Jahre Vertrag von Versailles – Geschichtsleistungskurs des Mariengymnasiums setzt sich mit der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und dessen Ende auseinander

Warendorf. Am Freitag fand am MGW eine Erinnerungsveranstaltung der besonderen Art statt. Die Ausstellung „Das europäische Gedenken“ des Fotografen Dieter Blase bot 19 Schülerinnen und Schülern die Chance, über Fotografien von Friedhöfen und Denkmälern des Ersten Weltkrieges dem Erinnern an diesen Krieg näher zu kommen. Der Künstler gab im Gespräch und in Diskussionen den Teilnehmern wertvolle Hintergrundinformationen zu den historischen Orten und seine Intentionen bei der Motivfindung und Bildgestaltung. Dabei arbeiteten die Schülerinnen und Schüler im Wesentlichen zwei verschiedene Arten des Erinnerns heraus – eine sich am Leidende der Soldaten orientierende und eine den Soldaten heroisierende. Während z. B. Käthe Kollwitz in ihrer Skulptur „Trauerndes Elternpaar“ dem Leiden Ausdruck verlieh, heroisierten die meisten Denkmäler den Soldaten des Ersten Weltkriegs als Helden.

So konnten die Jugendlichen in einem ersten Schritt nachvollziehen, dass sich mit den Intentionen des Senders und dem avisierten Empfänger auch die Erinnerungskultur verändert. In einem zweiten Schritt entwickelten die Mädchen und Jungen eigene Ideen, wie heute Gedenken an den Ersten Weltkrieg aussehen könnte. Dabei war es ihnen besonders wichtig, das Gedenken so zu gestalten, dass nicht das Leid einer Nation, sondern das Leiden aller Soldaten unabhängig von ihrer Nationalität sichtbar wird.

Dabei hatten die Schülerinnen und Schüler viele gute und spannende Ideen. Die einen entwarfen eine steinerne Säule mit Bildern aus dem Krieg zum Aufklappen, umrandet von Bänken und Grün mit Wasserspendern, um einen Ort des lebendigen Erinnerns zu schaffen, die anderen hatten die Idee, eine App zu entwicklen, die den User täglich an ein Ereignis von vor 100 Jahren erinnert. Und immer sollte das Gedenken nicht nur an die Gräuel des Krieges erinnern, sondern vor allem die Relevanz des Friedens – auch und gerade vor dem Hintergrund der momentanen problematischen Gesamtsituation der Europäischen Union – hervorheben.

Ermöglicht und finanziell unterstützt wurde der Projekttag von der Stiftung Gedenken und Frieden (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge) und dem Förderverein des Mariengymnasiums. Beiden Organisationen dankt der Leistungskurs herzlich für ihre Hilfe.

Von Florian Hesemann und Stephanie Taube

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