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Sophie lebt in einer Pflegefamilie: Geborgenheit in einem neuen Zuhause 

Imke und Jan wollten immer eine große Familie haben. Aber ihr Sohn Tom – inzwischen acht Jahre alt – blieb viele Jahre das einzige Kind der Familie. Dabei wünschte auch er sich Geschwister. Eigentlich vor allem einen Bruder. Doch es kam anders. Nachdem sich der weitere Kinderwunsch nicht erfüllt hat, entschieden sich Imke und Jan, ein Pflegekind in ihre Familie aufzunehmen. Und dieses Kind ist ein Mädchen namens Sophie. 

„In unserem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es andere Pflegeeltern, mit denen wir uns im Vorfeld austauschen konnten“, erzählt Imke. Als die Entscheidung für ein Pflegekind erst einmal gefällt war, sei alles ziemlich schnell gestartet. „14 Tage nach dem Anruf bei der Erziehungshilfe St. Klara hatten wir unser persönliches Infogespräch“, sagt die 40-Jährige. 

Die Erziehungshilfe St. Klara in Trägerschaft des Caritasverbandes im Kreisdekanat Warendorf hält viele pädagogische Angebote vor – unter anderem einen Pflegekinderdienst. Bei diesem arbeitet Dominic Mikolajczyk, Diplom-Heilpädagoge und Systemischer Familienberater. Er begleitet Imke und Jan seit ihrer Pflegeelternschulung und ist fester Ansprechpartner für die Familie. „Zum Glück hat er nichts beschönigt“, kommentiert Jan rückblickend die Informationen, die sie über Sophie bekommen haben. „Sie ist ein frühkindlich traumatisiertes Kind. Als sie zu uns kam, war sie sehr angespannt und hatte oft einen leeren Blick.“ Glücklich sind Imke und Jan, weil sie spüren, dass Sophie sich schnell bei ihnen wohlgefühlt hat. Bevor die Fünfjährige zu ihrer Pflegefamilie kam, zeigte sie oft selbstverletzendes Verhalten. „Das hat sie bei uns noch nie gemacht“, strahlt Imke. Herausfordernd sei der Alltag dennoch. „Man muss sich damit abfinden, oft nicht zu verstehen, warum sie gerade so hoch emotional reagiert“, sagt Jan. „Im ersten Jahr habe ich mehr über mich als über Sophie gelernt“. Der 41-Jährige beschreibt, wie er mehrfach an seine Grenzen gestoßen ist – und sich durchaus etwas von seinem achtjährigen Sohn hätte abgucken können. Tom scheint nämlich die Ruhe weg zu haben, selbst wenn seine Schwester hin und wieder einen emotionalen Wutausbruch hat. „Sie macht doch gar nichts“, habe er gelegentlich den Eltern gesagt. „Tom würde den Preis für den besten großen Bruder gewinnen“, ergänzt Dominik Mikolajczyk. Und längst hat der Achtjährige seine erste Enttäuschung überwunden, keinen Bruder, sondern eine Schwester an seiner Seite zu haben. 

Auch wenn die Wutausbrüche bis heute noch vorkommen, habe Sophie sich enorm positiv entwickelt, betonen die Pflegeeltern. 

„Fast ein Jahr lang hat sie jede Nacht geschrien und wir haben sie immer wieder beruhigt“, erinnert sich Imke. „Aber inzwischen hat sie keine Albträume mehr.“ Ihr Mann formuliert es noch deutlicher: „Sie hat mit dem Kind, das wir damals im Jugendamt kennengelernt haben, einfach nichts mehr zu tun.“

Jan bezieht sich damit nicht nur darauf, dass Sophie mit zweieinhalb Jahren praktisch nur gequiekt hat und kaum sprechen und laufen konnte. Vor allem habe sie wieder Vertrauen zu Menschen entwickelt. 

„Für mich ist Sophie ein wirkliches Geschenk“, sagt Imke und strahlt. Leicht sei die Zeit trotzdem nicht gewesen. Ihr Mann nickt: „Es läuft einfach nicht so, wie man es sich vorstellt – egal, wie man es sich vorstellt.“ „Die tolle Entwicklung von Sophie ist nur möglich, weil Imke und Jan sich auf die Bedürfnisse von Sophie eingelassen und ihren Familienalltag entsprechend angepasst haben“, ergänzt ihr Berater Dominic Mikolajczyk.

Seit August 2023 lebt das Mädchen bei Imke und Jan. „Alles fing mit einer Kennenlernphase von etwa acht Wochen an. Zunächst durften wir Sophie beim Spielen beobachten, während wir etwas abseits Kaffee getrunken haben.“ Weil das Mädchen schnell das Herz der beiden erobert hat, ging das Kennenlernen weiter. Die Familie besuchte Sophie und unternahm gemeinsam Ausflüge. Unerwartet kam der Anruf des Jugendamtes, dass Imke und Jan die kleine Sophie in wenigen Tagen zu sich nehmen sollten. „Wir fühlten uns emotional ziemlich unter Druck gesetzt“, berichtet Peter. 

In dieser Zeit wurde Dominic Mikolajczyk zu einem noch wichtigeren Ratgeber. Er half den beiden, die Situation möglichst nüchtern zu betrachten und dann eine Entscheidung zu fällen. Heute sind alle glücklich, dass die Entscheidung damals für Sophie ausfiel. Und auch die Fünfjährige zeigt, dass sie sich in der Familie wohlfühlt und spürt, dass Imke und Jan – und natürlich Tom – für sie da sind.

Geholfen hat den Pflegeeltern ferner, dass Familie, Freunde und Nachbarn so positiv auf ihre Entscheidung reagiert haben. „Eigentlich waren alle begeistert. Viele haben uns gesagt, dass sie es toll finden, dass wir das machen. Und inzwischen sage ich mir selbst: „Unser Familienleben ist manchmal anstrengend, aber es ist schön!“

Pflegekinderdienst St. Klara

Die Erziehungshilfe St. Klara in Beckum ist eine Einrichtung des Caritasverbandes im Kreisdekanat Warendorf. Ihre Beratungsstelle für Pflegefamilien unterstützt Erwachsene, die sich dafür interessieren, ein Kind in Ihre Familie aufzunehmen. Neben einer umfassenden Vorbereitung und Schulung gibt es eine dauerhafte Begleitung, Integration in einen Pflegeelternkreis, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie einen angemessenen finanziellen Beitrag. Weitere Informationen gibt Markus Inderwiedenstraße unter 02524-2627010 oder pflegekinder@kcv-waf.de.

Die fünfjährige Sophie hat sich schnell in ihrer Pflegefamilie eingelebt. Ihr großer Bruder Tom freut sich, dass er nicht mehr allein ist. Die beiden Kinder wirbeln das Familienleben mitunter ganz schön auf. Aber Jan und Imke genießen es.

Foto: Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf e. V.