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Wie ein Erste-Hilfe-Kurs für sich selbst: Mehr als 20 Teilnehmer*innen beim Selbstverteidigungskurs in der Marienschule

Auch in diesem Jahr fand im Rahmen der Coming-Out-Days wieder ein Selbstverteidigungskurs für Frauen und Personen, die sich der Gruppe Flinta zugehörig fühlen, statt. Organisiert wurde er von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Telgte. 

Trainerin Rebecca Broermann kann auf über 20 Jahre Karate-Erfahrung zurückgreifen, sie leistet außerdem Hilfestellungen für safer-spaces bei Großveranstaltungen. „Die Techniken lassen sich gut lernen, sie sind simpel, aber effektiv“, sagt eine Teilnehmerin, die jedes Jahr den Kurs auffrischt. Es sei wie ein Erste-Hilfe-Kurs für sich selbst – in Selbstverteidigung und Selbstbehauptung.

Im Mittelpunkt standen am vergangenen Mittwoch (14.10.) praktische Übungen, bei denen unterschiedliche Situationen – auch von Teilnehmerinnen selbst erlebte – nachgestellt wurden. Gemeinsam wurde erprobt, wie sich körperliche Angriffe abwehren lassen. Eine wichtige Erkenntnis dabei: Auch kleinere oder zierlichere Personen müssen größeren und kräftigeren Angreifenden nicht zwangsläufig unterlegen sein. „Es gibt eine Chance und das gibt mir Mut“, sagte eine Teilnehmerin.

Doch Selbstverteidigung bedeutet nicht nur, sich körperlich zur Wehr setzen zu können. Rebecca Broermann sensibilisierte die Teilnehmenden auch dafür, eigene Grenzen wahrzunehmen, Situationen richtig einzuschätzen und sich im Ernstfall in Sicherheit zu bringen. „In unserer Gesellschaft wird kommuniziert, dass einem Sieg ein Kampf vorausgeht. Aber ist es nicht der größte Sieg, unversehrt aus einer Situation zu gelangen? Es ist richtig sich einer solchen Situation zu entziehen, ihr solltet dann stolz auf euch sein“, betonte die Trainerin.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Zivilcourage. Denn auch wenn der Kurs gezielt Frauen und queere Menschen in einem geschützten Rahmen stärken soll, ist der Einsatz gegen Grenzüberschreitungen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Insbesondere Männer können hier Verantwortung übernehmen, indem sie einschreiten, wenn Grenzen missachtet werden – etwa mit einem klaren „Hey Bruder, das ist nicht okay“ oder dem Hinweis „Nein heißt nein“. Dazu gehört auch, Körpersprache ernst zu nehmen und persönliche Grenzen zu respektieren. Zivilcourage bedeutet dabei nicht zwangsläufig, sich selbst in Gefahr zu bringen, sondern Situationen angemessen einzuschätzen, laut zu werden und Unterstützung zu holen.

Zur eigenen Sicherheit gehört zudem, vorzusorgen. Dazu zählen unterschiedliche Möglichkeiten, sich auf potenziell schwierige Situationen vorzubereiten. Bei der Veranstaltung verteilte die Gleichstellungsbeauftragte beispielsweise K.O.-Tropfen-Schützer, die bei Partys eingesetzt werden können. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv.

Foto: Stadt Telgte