Im Jubiläumsjahr des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts lädt die Volkshochschule Warendorf zu einem besonderen Literaturabend ein: Am Samstag, 11. Juli 2026, um 18.30 Uhr liest der Historiker und vielfach ausgezeichnete Autor Ulrich Raulff im Landgestüt NRW in Warendorf aus seinem vielbeachteten Buch Das letzte Jahrhundert der Pferde. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Landgestüt statt, das im Jahr 2026 sein 200-jähriges Bestehen feiert.
Kaum ein Tier hat die Geschichte des Menschen so nachhaltig geprägt wie das Pferd. Über Jahrtausende war es unverzichtbarer Begleiter in Landwirtschaft, Verkehr, Krieg und Alltag. Doch innerhalb weniger Jahrzehnte verschwand es nahezu vollständig aus dem Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Dieser tiefgreifenden Zäsur widmet sich Ulrich Raulff in seinem Buch mit großer erzählerischer Kraft und kulturhistorischer Weitsicht.
Unter dem Untertitel Geschichte einer Trennung zeichnet Raulff nach, wie der jahrtausendealte Bund zwischen Mensch und Pferd zerbrach und welche kulturellen Spuren dieser Abschied hinterlassen hat. Dabei verbindet er historische Quellen, Literatur, Kunst und Philosophie zu einer faszinierenden Kulturgeschichte, die weit über die Geschichte des Pferdes hinausweist.
„Das Landgestüt feiert in diesem Jahr 200 Jahre Pferdegeschichte in Nordrhein-Westfalen. Eine Lesung über die kulturelle Bedeutung des Pferdes könnte deshalb kaum besser zu unserem Jubiläum passen. Wir freuen uns sehr, mit Ulrich Raulff einen der profiliertesten Kulturhistoriker Deutschlands in Warendorf begrüßen zu dürfen“, sagt Dr. Felix Austermann, Leiter des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts.
Auch die Volkshochschule Warendorf sieht in der Veranstaltung eine besondere Verbindung von Literatur, Geschichte und regionalem Erbe. „Ulrich Raulff gelingt es, Geschichte lebendig zu erzählen und dabei neue Perspektiven auf das Verhältnis von Mensch und Pferd zu eröffnen. Gemeinsam mit dem Landgestüt schaffen wir einen außergewöhnlichen Veranstaltungsort für einen ebenso außergewöhnlichen Autor“, erklärt Dr. Mareike Beer, Leiterin der VHS Warendorf.
Im Anschluss an die Lesung besteht Gelegenheit zum Gespräch mit dem Autor.
Bereits ab 17 Uhr haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, kostenfrei an einer Kurzführung über das Nordrhein-Westfälische Landgestüt teilzunehmen. Die Führungen werden durch die Tourist-Information der Stadt Warendorf ermöglicht und bieten einen Einblick in die Geschichte und die traditionsreiche Anlage des Landgestüts. Damit lässt sich der Besuch der Lesung ideal mit einem Rundgang durch das Jubiläumsensemble verbinden.
Veranstaltungsinformationen
Ulrich Raulff: „Das letzte Jahrhundert der Pferde“
Termin: Samstag, 11. Juli 2026, 18.30 Uhr
Ort: Nordrhein-Westfälisches Landgestüt, Warendorf
Eintritt: Vorverkauf über die VHS Warendorf: 10,00 Euro
Für Besucherinnen und Besucher unter 21 Jahren ist der Eintritt frei.
Ab 17 Uhr gibt es die Möglichkeit, kostenfrei an Kurzführungen über das Landgestüt teilzunehmen. Ermöglicht wird dies durch die Tourist-Information der Stadt Warendorf
Hintergrund I
Ein besonderer Anlass verleiht der Veranstaltung zusätzliche Aktualität: Am 11. Juli wird der UN-Welttag des Pferdes begangen. Die Vereinten Nationen haben den Gedenktag eingeführt, um die historische und bis heute bestehende Bedeutung des Pferdes für Kultur, Landwirtschaft und Gesellschaft weltweit zu würdigen. Die Lesung von Ulrich Raulff, die sich mit der wechselvollen Beziehung zwischen Mensch und Pferd auseinandersetzt, findet damit genau am internationalen Ehrentag des Pferdes statt und erhält eine besondere symbolische Bedeutung.
Hintergrund II
Ulrich Raulff (*1950) zählt zu den renommiertesten deutschen Historikern und Essayisten. Er war unter anderem Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung sowie Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Für seine wissenschaftlichen und essayistischen Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet. Das letzte Jahrhundert der Pferde stand 2016 auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse; die englische Ausgabe wurde 2017 von der Sunday Times als „History Book of the Year“ ausgezeichnet. Der Deutschlandfunk würdigte das Werk Das letzte Jahrhundert der Pferde als ebenso spannende wie tiefgründige Analyse des Verschwindens des Pferdes aus der Lebenswelt des Menschen. Raulff zeige eindrucksvoll, wie das Pferd von einem selbstverständlichen Begleiter der Geschichte zu einer lebendigen Metapher in Kunst und Literatur geworden sei.

(v.l.) Lesung zum Weltpferdetag: Gestütsleiter Dr. Felix Austermann, der Rheinisch-Deutsche Kaltbluthengst Opalius mit Zohra Benkentache, VHS-Leiterin Mareike Beer sowie Claudia Körk, Teamleitung Tourismus der Stadt Warendorf freuen sich auf einen besonderen Abend im Landgestüt.
Foto: VHS
