Am 14. Juni 2026 lädt der Verein Erinnerung und Mahnung Telgte zu einer Reihe von Veranstaltungen im Rahmen des westfalenweiten Festivals „Musik und Kultur in der Synagoge“ ein.
Das Programm beginnt um 14.00 Uhr mit einer Lesung der Schauspielerin und Sprecherin Gabriele Brüning im Museum Religío mit dem Titel „Das Glück liegt auf der Hand – Jüdische Weisheit und Jüdischer Witz.“ Brüning liest aus Texten der deutsch-amerikanischen Germanistin und Schriftstellerin Elizabeth Petuchowski, die 1924 als Elisabeth Mayer in Bochum geboren wurde und nach Großbritannien und später in die USA emigrierte. Zu hören sein wird aus Petuchowskis Büchern über jüdischen Humor. Diese Bücher zeugen sowohl von einer exzellenten Beobachtungsgabe als auch von großer Freude am Erzählen aus dem jüdischen Alltag.
Um 15.30 Uhr laden Mitglieder des Vorstandes des Vereins Erinnerung und Mahnung zu einer Führung „Auf jüdischen Spuren in Telgte“ ein; Treffpunkt ist vor dem Eingang der Synagoge in der Emsstraße 4. Die Alte Synagoge diente der jüdischen Gemeinschaft in Telgte von ungefähr 1700 bis 1875 als religiöser Versammlungsraum. Die Führung lässt anhand der noch gut erkennbaren Relikte die Praxis jüdischen Glaubens lebendig werden und stellt die Geschichte der jüdischen Bevölkerung Telgtes bis zur Vertreibung und Vernichtung in der NS-Zeit dar.
Um 17.00 Uhr bietet ein Konzert in der Propstei- und Pfarrkirche St. Clemens einen seltenen Glanzpunkt. Unter dem Motto „Mah tovu – Wie schön sind deine Zelte“ werden der Kammerchor Collegium vocale Dortmund unter der Leitung von Michael Hönes und der Evangelische Kirchenchor Bochum-Linden unter Leitung von Andrea Kampmann Synagogale Musik aus drei Jahrhunderten darbieten.
Das Collegium vocale präsentiert im ersten Teil des Konzerts Klassiker der synagogalen Musik – von Salomone Rossi im 17. Jahrhundert bis zu Kurt Weill im 20. Jahrhundert. Im zweiten Teil lässt der Kammerchor gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenchor Bochum-Linden Musik aus den Kompositionen und Sammlungen des deutsch-amerikanischen Kantors Erich Mendel/Eric Mandell erklingen, der von 1922 bis zur Pogromnacht 1938 an der Synagoge Bochum wirkte. Die Moderation liegt in den Händen von Dr. Manfred Keller, Bochum, der auch das Gesamtprogramm des Festivals zusammengestellt hat.
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Die Veranstalter bitten um eine Spende zur Deckung der Kosten.
Am 2. Juli 2026 wird die jüdische Geschichte Telgtes noch einmal im Rahmen des Festivals vertreten sein. Am Donnerstag, 2. Juli 2026, zwischen 9.30 – 17.00 Uhr, findet im Bürgerhaus „Alte Post“ in Drensteinfurt ein Öffentliches Symposion zum Thema „Westfälische Landsynagogen“ statt. Dr. Fred Kaspar (Telgte) wird ein Übersichtsreferat halten. Professor Marie-Thees Wacker (Münster) berichtet über die zerstörten Landsynagogen in Salzkotten und Niedertudorf, Dr. Barbara Elkeles (Telgte) über die alte Synagoge in Telgte (um 1700) als Erinnerungsort an jüdisches Leben in einer Kleinstadt und Heinz Krabbe (Gronau) über die Entdeckung und Restaurierung der Synagoge in Gronau-Epe.

Foto: Verein Erinnerung und Mahnung Telgte
