Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass bekannte sich zeitlebens zu seinen kaschubischen Wurzeln. Doch wer sind eigentlich die Kaschuben? Wie gelang es dieser Gemeinschaft im Norden Polens, ihre eigene Sprache, ihre Traditionen und ihre kulturelle Eigenständigkeit bis in die Gegenwart zu bewahren?
Diesen Fragen widmet sich ein Vortrag im Westpreußischen Landesmuseum am 18. Juni um 18 Uhr. Unter dem Titel „Zwischen regionaler Sprachgemeinschaft und Minderheit – Entwicklungen einer kaschubischen Identität nach 1945“ nimmt die Bonner Wissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Schlüter die Besucherinnen und Besucher mit auf eine spannende Reise durch die Geschichte und Gegenwart der Kaschuben.
Bunte Trachten, traditionelle Tänze, eigene Musik und eine unverwechselbare Küche – die kaschubische Kultur ist bis heute lebendig und prägt das kulturelle Leben ihrer Heimatregion. Doch dass Sprache, Bräuche und Traditionen über Jahrzehnte hinweg bewahrt werden konnten, war keineswegs selbstverständlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Kaschuben vor großen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen. Der Erhalt einer eigenen kulturellen Identität hängt schließlich nicht allein von Traditionen ab, sondern auch von sozialen, politischen und kulturellen Entwicklungen, die eine Gemeinschaft nach innen stärken und ihr zugleich einen festen Platz in der Gesellschaft sichern. Gerade das Verhältnis von Nationalstaaten zu regionalen Gemeinschaften und Minderheiten war dabei häufig von Spannungen und Veränderungen geprägt. Wie es den Kaschuben dennoch gelang, ihre kulturelle Eigenständigkeit zu bewahren, und welche Bedeutung ihre Identität heute besitzt, steht im Mittelpunkt des Vortrags.
Prof. Dr. Bettina Schlüter ist Professorin für Musikwissenschaft an der Universität Bonn und leitet seit 2013 die Abteilung „Digitale Gesellschaft“ am Forum Internationale Wissenschaft. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich unter anderem mit kulturellen Ausdrucksformen, gesellschaftlichem Wandel und Fragen kultureller Identität.
Der Vortrag richtet sich an alle, die sich für die Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas interessieren und mehr über eine Gemeinschaft erfahren möchten, die bis heute ihre eigene Sprache und ihre kulturellen Traditionen bewahrt hat. Der Eintritt ist frei.

