Der Ironman Hamburg 07. Juni 2026 bot für die beiden Warendorfer Christina Nüßing und Sascha Thiel alles, was den Langdistanz-Triathlon so besonders macht: wechselhaftes Wetter, dramatische Rennverläufe und große Emotionen im Ziel. Für Thiel endete der Tag trotz eines unerwarteten Rückschlags mit einem Traumergebnis – der Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii.
Die Bedingungen waren bereits im Vorfeld schwer einzuschätzen. Die Wetterprognosen änderten sich bis kurz vor dem Start immer wieder. Ab 6.30 Uhr gingen die Athleten auf die 3,8 Kilometer lange Schwimmstrecke in der Alster, bevor 180 Kilometer auf dem Rad durch die Stadt und dem Umland folgten. Der abschließende Marathon führte entlang der Alster.
Thiel hatte sich viel vorgenommen. Nach seiner starken Zeit von 8:32 Stunden in Roth 2025 wollte er seine Leistung bestätigen und sich einen Startplatz für Hawaii sichern. Entsprechend offensiv ging er das Rennen an. Beim Rolling Start reihte er sich ganz vorne ein, übernahm schon nach wenigen Metern die Führung und absolvierte die gesamte Schwimmstrecke allein an der Spitze. Nach 52 Minuten erreichte er den Ausstieg am Rathhausmarkt – die schnellste Schwimmzeit aller Agegrouper des Tages.
Auch auf dem Rad lief zunächst alles nach Plan. Bis Kilometer 55 führte Thiel das Altersklassenrennen an. Dann folgte der Schock: Zum ersten Mal in seiner Wettkampfkarriere erlitt er einen Platten. Rund zehn Minuten benötigte er für den Schlauchwechsel und verlor dadurch die Führung.
Später wurde bekannt, dass auf Teilen der Strecke Metallsplitter verteilt worden waren. Zahlreiche Athleten mussten ihre Rennen nach Reifenschäden aufgeben, die Polizei nahm Ermittlungen auf.
Während der zweiten Radrunde machten Thiel zudem Regen, Wind und Kälte zu schaffen. Die geplanten Leistungswerte waren nicht mehr zu halten. Nach 4:52 Stunden inklusive Reparatur erreichte er die zweite Wechselzone.
Auf dem Marathon zeigte der 34-Jährige dann seine Stärke. Angetrieben von der stimmungsvollen Kulisse entlang der Alster arbeitete er sich mit einer Laufzeit von 2:54 Stunden wieder nach vorne. Nach 8:49 Stunden erreichte Sascha als Vierter seiner Altersklasse und 24. aller Agegrouper das Ziel.
An die Hawaii-Qualifikation glaubte er zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht mehr. Erst bei der Slotvergabe kam die Überraschung: Weil einige Athleten ihren Startplatz nicht annahmen, rückte Thiel nach und erhielt das begehrte Ticket für die Weltmeisterschaft auf Hawaii.
Ebenfalls großen Kampfgeist bewies Christina Nüßing, die zehn Monate nach einer Achillessehnen-Operation an den Start ging. Bereits in den Wechselzonen machten sich die Folgen des Eingriffs bemerkbar, da ihr das Barfußlaufen noch immer Schmerzen bereitet.
Während die erste Rad-Runde noch gut verlief, setzten ihr Regen, Wind und Kälte später stark zu. Der anschließende Marathon wurde zum Kampf gegen schmerzende Beine, Rücken und den operierten Fuß. Unterstützt von Familie und Freunden kämpfte sie sich dennoch bis ins Ziel mit einer Zielzeit von 11:24 Stunden und den 13. Platz in ihrer Altersklasse.
„Das Wetter war für mich der absolute Killer“, sagte Nüßing anschließend. „Aber die Stimmung und die Kulisse in Hamburg waren wunderschön.“
So blieb der Ironman Hamburg 2026 für beide Athleten ein Rennen voller Herausforderungen – und für Thiel am Ende der Weg zum großen Traum von Hawaii.

Fotos: WSU-Triathlon
