„Einfach mal versuchen“, sagt der Erste Vorsitzende Carsten Schlingmann zu der Idee, dem Schützenfest, das traditionell mit dem Gottesdienst am Samstagsfrühabend beginnt, am Freitagabend, 15. Mai ab 19:00 Uhr, ein „Warm-Up“ vorauszuschicken. In Zivil, ohne Uniform, ohne große Regularien. Mit Musik, einem Bierkrugschießen – zunächst war sogar von einem Bierfassschießen die Rede – und einem schönen Gewinn. Eben zum Anwärmen.
Bleibt die Frage: Wie soll man die Füchtorfer Schützen denn noch anwärmen? Schließlich sind sie seit Tagen und Wochen, manche vielleicht schon seit Monaten, heiß auf ihr Schützenfest. Allerdings hat die Idee einer erfolgreichen Vorabendveranstaltung in Füchtorf schon eine Art Tradition: Der Weihnachtsmarkt hat es mit der „Füchtorfer Adventsdämmerung“ vorgemacht, der Spargelfrühling ist mit der „Frühlingsnacht“ nachgezogen. Und wenn Petrus mitmacht, wird auch das dritte Vorabendspecial eine erfolgreiche Premiere feiern.
Das tut den Feierlichkeiten am Samstag, die mit Gottesdienst und Großem Zapfenstreich eher still beginnen, keinen Abbruch. Spätestens bei der Polonaise um 20.30 Uhr und der Festballfete mit Holy Moly fliegen hier die Löcher aus dem Käse.
Sonntags kann ausgeschlafen werden, denn das Programm auf dem Tie beginnt erst um 13.30 Uhr mit einem Platzkonzert. Nach Begrüßung und den Ehrungen führt der Weg zum Festplatz. Kinderschützenfest und Kinderbelustigung bilden den Rahmen für Geselligkeit und Fröhlichkeit, die beim Hampelmannschießen der weiblichen Vereinsmitglieder sicher nicht zu kurz kommt. Der Tag endet mit der Kinderkrönung gegen 18:30 Uhr und einem Dämmerschoppen.
Noch vor dem ersten Hahnenkrähen werden am Montag die Töne vom Musikverein Füchtorf zu hören sein , der ebenso wie die Spielmannszüge aus Füchtorf und Sassenberg die musikalische Begleitung des Schützenfestes liefert. Das Böllerkommando will die Weckgeräusche entsprechend verstärken. Danach heißt es: Wachwerden, frühstücken, frisch machen. Denn der wichtigste Tag des Festes beginnt. Um 9.00 darf man gerne bereits am Tie sein. Die Kranzniederlegung am Ehrenmal könnte ein letzter wirklich stiller Moment des Tages sein, bevor die Ehrungen am Tie und der Festumzug zum Schützenplatz auf den Höhepunkt des Festes einstimmen: Das Vogelschießen, dessen Ende zugleich das Ende der Amtszeit des Königspaars Ralf und Andrea Schulze-Wienker besiegelt. Im Anschluss können die ungeduldig wartenden Männer ihr Hampelmann-Schießen durchführen.
Die Krönung ist einmal mehr für 19:00 Uhr geplant – gerne ohne Regen und draußen. Im Zelt greift derweil die bewährte Band „Törn On“ bereits zu ihren Instrumenten, denn sie wird mit ihrer Musik enen langen und geselligen Königsball begleiten.
Der Schützenverein erinnert daran, für freien Eintritt zu den Abendveranstaltungen Mitgliedskarten mitzuführen, denn der Einlass wird von Mitarbeitenden des Festwirts betreut.

„In guten wie in schlechten Zeiten“, sagt Andrea Schulze-Wienker lächeln über die Entscheidung ihres Königs und Ehemannes Ralf Schulze-Wienker den Vogel abzuschießen. Eine Entscheidung, die eigentlich keine war, denn er war „nur als seelischer Beistand eines Kumpels“ mitgegangen, der König werden wollte. Wurde er aber nicht. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Aber ein schöne. „Man hat ein schönes Jahr gehabt und freut sich auf den Nächsten, wo man die Kränze hinhängen kann“, sieht Schulze-Wienker seinen Abschied vom Thron ganz locker. Zumal er ja dann zu den „Ehemaligen Majestäten“ zählt. „Da kommste nie wieder raus“, lacht er.

Helmut Oertker gelang es mit seinem Königsschuss 1986 Agnes Oertker nicht nur zu seiner Königin zu machen – er machte sie sozusagen auch zur Kaiserin. Denn Agnes war 1962, bevor die Kinderschützenfeste eine lange Pause einlegten, Kinderkönigin gewesen. „Und ein Königskind gab’s auch“, erinnert sie sich lachend.

Zu den erfolgreichsten Regentschaften der Füchtorfer Vereinsgeschichte muss man sicherlich die von Alois Böckenholt von 1966 zählen: Seine Königin Marianne Dälken hatte er auf dem Schützenfest kennengelernt und sie nach dem Königsschuss gefragt, ob sie seine Königin sein wolle. Sie wollte. Rund drei Jahre hat er ihr eine weitere Frage gestellt. Sie wollte. Nun sind Alois und Marianne Böckenholt seit 57 Jahren verheiratet.

2001: Dass er überhaupt zum Vogelschießen antreten wollte, war Ulrich Niemerg „wusste ich noch nicht, als wir zum Antreten gefahren sind. Selbst auf dem Schützenfest war mir das noch nicht klar“. Aber für den damaligen Rippelbäumer kam es wie es kommen musste und bereut haben er und seine Frau und Königin Annette nichts. Auch heute mache der Thron noch jedes Jahr eine Tour, freuen sich die Silbermajestäten.

Die Jubilare mit dem aktuellen Könispaar
Fotos: Rieder
