Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen standen im Mittelpunkt der Sitzung des Außenwirtschaftsausschusses der IHK Nord Westfalen. Diskutiert wurde über die vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gekippten US-Zölle und die von Präsident Trump daraufhin angekündigten neuen globalen Zölle in Höhe von zehn Prozent. „Seit einem Jahr belastet die US-Zollpolitik die deutsche Außenwirtschaft massiv, dennoch sind unsere Unternehmen weiterhin erfolgreich im US-Geschäft“, erklärte der Ausschussvorsitzende Saredin Seine. Die Europäische Union sollte deshalb besonnen reagieren und sich weiterhin für verlässliche und stabile handelspolitische Rahmenbedingungen einsetzen, erklärte der Unternehmer aus Dülmen. „Der US-Markt ist und bleibt einer der wichtigsten Absatzmärkte für unsere Unternehmen.“
Diese hohe Bedeutung für das Münsterland und die Emscher-Lippe-Region sah auch der Wirtschaftsjournalist Dr. Christoph Hein in seinem Impulsvortrag. Der Autor hat mit „Unsere Wirtschaft neu denken“ einen „Leitfaden für die wirtschaftlichen Machtverschiebungen unserer Zeit“ vorgelegt. Eine seiner Thesen lautet, dass das Prinzip „Wandel durch Handel“ gescheitert sei und es jetzt strategisches Denken, resilientere Lieferketten und eine gezielte Wirtschaftspolitik brauche, um die politische Stabilität zu sichern.
Die Ausschussmitglieder sahen die EU in der Pflicht, in den anstehenden Gesprächen mit den Vereinigten Staaten die Senkung aller nicht WTO-konformen Zölle einzufordern – insbesondere im Stahl- und Aluminiumsektor einschließlich der dort relevanten Derivate. Parallel dazu müsse Europa dringend seine Lieferketten breiter aufstellen und neue Märkte durch Handelsabkommen mit verlässlichen Partnern öffnen. Diese Forderungen entsprechen dem Positionspapier der IHK Nord Westfalen „Internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Dialog sichern“. Seine fasste das Stimmungsbild im Ausschuss zusammen: „Neben einer vertraglichen Einigung mit den USA ist die schnelle Umsetzung der EU-Freihandelsabkommen mit den MERCOSUR-Staaten und mit Indien von zentraler Bedeutung für den deutschen Außenhandel“, betonte er. Doch trotz aller Unsicherheiten, auch das wurde in der Ausschusssitzung deutlich: Mehr als die Hälfte der Unternehmerinnen und Unternehmer geht von einer positiven Entwicklung im US-Geschäft aus.
Hintergrund
Die Fach- und Regionalausschüsse der IHK Nord Westfalen, darunter auch der Außenwirtschaftsausschuss, sind wichtige Foren für den Austausch zwischen Wirtschaft und IHK. Sie identifizieren aktuelle Herausforderungen und formulieren Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung. Der Außenwirtschaftsausschuss umfasst derzeit knapp 40 Mitglieder aus unterschiedlichsten Branchen, vom Maschinenbau über Metallbearbeitung und Automatisierung bis hin zu Lebensmittelimporteuren und Dienstleistern.

Der Ausschussvorsitzende Saredin Seine (3.v.r.) diskutierte mit dem FAZ-Wirtschaftsjournalisten Dr. Christoph Hein (5.v.r.), IHK-Geschäftsbereichsleiter Sebastian van Deel (2.v.r.), dem IHK-Außenwirtschaftsexperten Gerhard Laudwein (r.) und den Mitgliedern des Außenwirtschaftsausschusses über die US-Zollpolitik und die Folgen für die Unternehmen in Nord-Westfalen.
Foto: Hertel/IHK
