Die archäologischen Voruntersuchungen für das Infrastrukturprojekt „EmsWärme“ am Zumlohplatz laufen. Aktuell wird die Grünfläche an der B64, die im 19. Jahrhundert als erster Friedhof außerhalb der Stadtmauern Warendorfs diente, von Mitarbeitenden der Stadtarchäologie Warendorf untersucht.
Dabei hat eine sehr gut erhaltene Ziegelgruft die Aufmerksamkeit der Archäologen erweckt. Die Ziegelgruft wurde fachgerecht dokumentiert und geöffnet. Entgegen der Vermutung einen komplett intakten Sarg vorzufinden, wurde ein mit Graberde und verlagerten Knochen verfüllter Innenraum entdeckt. Unter einer kompakten Schicht konnte ein vollständig erhaltenes Skelett nebst Holz- und Eisenresten vorgefunden werden. Nach erster vorläufiger Einschätzung handelt es sich bei dem bestatteten Individuum um eine weibliche Person, die im Alter von 50 bis 70 Jahren verstorben ist.
Im Südosten der geplanten Baugrube konnten außerdem über 12 Gräber jüngerer Individuen entdeckt werden, die in den nächsten Wochen noch freigelegt werden. Die dortigen Gräber zeichnen sich sehr deutlich im Boden ab, weswegen dort weitere komplett intakte Bestattungen erwartet werden
Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden bereits über 60 Gräber entdeckt und dokumentiert. Die dort gefundenen menschlichen Überreste geben sowohl einen guten Überblick über die Bestattungsriten als auch über die gesellschaftlichen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts. Auch wenn tiefergehende anthropologische Untersuchungen der Skelette noch ausstehen, konnten beispielsweise einzelne Krankheitsbilder z. B. an den Zähnen erkannt werden.

Die Aufnahme zeigt die Ziegelgruft nachdem das Tonnengewölbe entfernt wurde. Entgegen der Erwartung direkt auf den Sarg zu stoßen, zeigte sich ein mit Graberde verfüllter Innenraum. Das Skelett lag unter einer mehrere Zentimeter dicken Schicht aus Erde und verlagerten Knochen. Es ist anzunehmen, dass die Gruft mit umliegender Graberde verfüllt wurde und dabei die Knochen anderer Bestattungen in die Gruft gelangten. Der Ziegelbruch stammt von den Abbrucharbeiten und gehört nicht zur eigentlichen Verfüllung.



Fotos: Stadt Warendorf
