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Ausstellung #StolenMemory auf dem Bahnhofsvorplatz in Warendorf

Über Impulsreferate miteinander ins Gespräch kommen über Erinnerungskultur: Das ist der Ansatz für ein Begleitprogramm zur Ausstellung #StolenMemory, die zurzeit auf dem Bahnhofsvorplatz in Warendorf zu besichtigen ist. Das Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“, das diese Ausstellung der Arolsen Archives gemeinsam mit der Stadt Warendorf bis zum 31. März (Öffnungszeiten täglich 9 bis 19 Uhr) präsentiert, hat eine Reihe Historiker eingeladen, die ergänzend zur Ausstellung die Thematik beleuchten.

Den Anfang machte am Montagabend Dr. Philipp Erdmann vom Stadtarchiv Münster, der von Dr. Magdalene Heuvelmann und Gerd Nergert im Namen des Bündnisses begrüßt wurde. Mittelpunkt seiner Ausführungen stand ein Forschungsprojekt über „vergessene Verfolgte“ des Nationalsozialismus mit dem Fokus auf Münster. Ziel war es, das Schicksal von Menschen zu dokumentieren, die zwischen 1933 und 1945 wegen ihrer sexuellen Orientierung oder aus sozialrassistischen Gründen verfolgt wurden. Viele der Betroffenen hätten weit über 1945 hinaus unter Diskriminierungen gelitten, erläuterte Dr. Erdmann. Ihre Verfolgungserfahrungen hätten keine Würdigung erfahren, von Entschädigungsleistungen seien sie vielfach ausgeschlossen geblieben.

Als Beispiel nannte er homosexuelle Männer, die auch in der Bundesrepublik noch auf der Grundlage eines Gesetzes aus der NS-Zeit bis zur allmählichen Entkriminalisierung 1969 strafrechtlich belangt wurden.  Während jüdische, politische oder kirchliche Verfolgte des NS-Regimes, allerdings auch erst nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen und gegen viele Widerstände, ihren Platz in der bundesdeutschen Erinnerungskultur gefunden hätten, seien homosexuelle Männer
und Frauen, Sinti und Roma, Angehörige sozialer Randgruppen, Kranke und Alte sowie weitere aus Sicht des nationalsozialistischen Regimes unangepasst lebende Menschen weiterhin gesellschaftlich ausgegrenzt worden. Erdmann: „Sie blieben im offiziellen Gedächtnis weitgehend unberücksichtigt und gerieten – teils unbeabsichtigt, teils bewusst – in Vergessenheit.“

Im Anschluss an sein Impulsreferat stand der Historiker für Fragen und zur Diskussion den Besuchern der Ausstellung zur Verfügung. Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Begleitprogramms werden am kommenden Freitag, 20. März (16 Uhr, Referent Christoph Herkströter vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte) und am Freitag, 27. März (10 Uhr, Referentin Hannah Voß von der Villa ten Hompel, Münster) stattfinden.

Bereits zur Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Freitag hatte der Historiker Dr. Marcus Weidner vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte eine vielbeachtete Rede gehalten und in die Ausstellungsthematik eingeführt. Erinnerungskultur sei wichtig, weil aus ihr Traditionen, prägende Geschichte und gemeinsame Werthaltungen entwickelt würden. Es gebe andererseits bewusst oder unbewusst eingesetzte Geschichtserzählungen, die genutzt würden, um die eigene oder historische Verantwortung aus der NS-Zeit zu verbergen und zu relativieren. Nach 1945 hätten in Deutschland viele Behörden, Verbände, Politik, Kirchen und Gesellschaft daran gearbeitet, die überlieferte Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus zu tilgen oder abzuschwächen. Nach der Besatzungszeit seien vielerorts Denk- und Mahnmale für die Opfer zerstört oder abgebaut und mitunter umgewidmet worden, sodass zum Beispiel aus einer Gedenktafel für ermordete sowjetische Kriegsgefangene eine für deutsche Ostvertriebene werden konnte – wie in der Nachbarschaft in Warstein, nannte Weidner ein konkretes Beispiel. 

Zu einem ersten Vortrag im Rahmen eines Begleitprogramms zur Ausstellung #StolenMemory der Arolsen-Archives auf dem Bahnhofsvorplatz in Warendorf hatte das Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ den Historiker Dr. Philipp Erdmann (l.) vom Stadtarchiv Münster eingeladen.

Zu einem Impulsreferat wurde (v.l.) Dr. Philipp Erdmann vom Stadtarchiv Münster von Dr. Magdalene Heuvelmann und Gerd Nergert als Vertreter des Bündnisses „Warendorf zeigt klare Kante“ aus Anlass der Ausstellung #StolenMemory der Arolsen-Archives in Warendorf begrüßt.

Dr. Marcus Weidner vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte hat zur Eröffnung der Ausstellung #StolenMemory der Arolsen Archives in Warendorf den Wert von Erinnerungskultur hervorgehoben.

Fotos: Peter Wild