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Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ fordert Entfernung der „Miegel-Tafel“

Die Erinnerungstafel am Rathaus mit einem Zitat aus „Die Fähre“ der aus Ostpreußen stammenden Dichterin Agnes Miegel soll abgenommen, museal dokumentiert und durch eine Tafel mit einem Zitat des Warendorfer Schriftstellers Paul Schallück ersetzt werden. Dafür haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme das Bürgerforum Warendorf und das Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ ausgesprochen.

Mit Blick auf die Ratssitzung am 26. März appellieren das Bürgerforum Warendorf und das Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ in einer gemeinsamen Stellungnahme an die Ratsmitglieder, an dem am 10. Juli 2025 getroffenen Ratsbeschluss, die „Miegel-Tafel“ am Rathaus zu entfernen, festzuhalten. Gleichzeitig stellen sich beide Initiativen hinter den im Oktober 2025 gestellten Antrag von Bürgern, stattdessen eine Tafel mit einem Zitat des Warendorfer Schriftstellers Paul Schallück an der Fassade zu installieren.

Ein eigens einberufener „Bürgerrat“ hatte empfohlen, eine Reihe von Straßen umzubenennen, die nach bekannten Persönlichkeiten benannt worden waren, die eine Nähe oder mangelnde Distanz zu Nationalsozialisten hatten. Bei einer Anliegerinformation war angeregt worden, dann aber auch konsequenterweise die Bronzetafel am Rathaus zu entfernen. Darauf wird mit einem Zitat aus dem Gedicht „Die Fähre“ der Dichterin Agnes Miegel an das Schicksal von Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten erinnert. Die Entfernung der Tafel war am 10. Juli 2025 vom Rat mehrheitlich beschlossen worden.

In der Folge hatte am 7. Oktober der Warendorfer Dr. Reinhold Schoppmann gemeinsam mit Malte Prigge, Leiter des Gymnasium Laurentianum, Ralf Geisenhanslüke, Vorsitzender des Vereins Alter Laurentianer, und Professor Dr. Walter Gödden (Museum für Westfälische Literatur, Kulturgut Haus Nottbeck) beantragt, an gleicher Stelle eine Tafel mit einem Zitat aus dem Roman „Engelbert Reineke“ (1959) von Paul Schallück aufzuhängen: „Wer wahrhaftig ist, der sagt frei, was Recht ist.“

Seit dem 9. Dezember 2025 liegt nun aber ein neuer Antrag der CDU-Ratsfraktion vor, den Ratsbeschluss vom 10. Juli 2025 wieder aufzuheben und die Miegel-Tafel am Rathaus zu belassen. Darüber entschieden werden soll am 26. März im Rat.

Das Bürgerforum und das Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ sind enttäuscht, dass der Ratsentscheid, der einen Schlusspunkt unter die seit Jahrzehnten geführte Diskussion um die NS-Nähe der Dichterin Agnes Miegel und die Tafel am Rathaus gesetzt hatte, nun wieder zur Disposition gestellt wird. Bliebe die Miegel-Tafel als „Visitenkarte“ Warendorfs am Rathaus, würde das einer Befriedung innerhalb der Bürgerschaft entgegenwirken. Beide Initiativen appellieren an die Ratsmitglieder, dieses für eine Identifikation der gesamten Bürgerschaft wichtige Thema nicht zum Spielball parteipolitischer Auseinandersetzungen werden zu lassen.

Grundsätzlich sei ein literarisches Werk in Verbindung zu Autoren zu sehen, und aus Sicht beider Initiativen hat sich Agnes Miegel in der Zeit des Nationalsozialismus als eine glühende Verehrerin Adolf Hitlers gezeigt. Aber auch das Zitat („Von der Heimat gehn ist die schwerste Last, die Götter und Menschen beugt“) sei, im Kontext betrachtet, keineswegs unpolitisch. Denn das 1919 geschriebene Gedicht „Die Fähre“ könne als revanchistische Kritik am Versailler Vertrag und den darin festgeschriebenen Gebietsabtretungen nach dem Ersten Weltkrieg gesehen werden, zumal da deutliche zeitgenössische Verschlüsselungen enthalten seien, heißt es in der Stellungnahme von Bürgerforum und Bündnis, und weiter:  „Es ist eine seit 70 Jahren verstörende Botschaft unserer Stadt, plakatiert wie ein Aushängeschild, die Klage über das Menschenunglück der Vertreibung ausgerechnet von einer Autorin zu lesen, die glühend den verehrte, der dieses Unglück angerichtet hat“. 

Als Zeitdokument solle die Miegel-Tafel an anderer Stelle museal dokumentiert und die Aussage in den zeitlichen Entstehungszusammenhang gesetzt werden. Was die Kosten der Demontage und Schaffung einer Schallück-Tafel angeht, so gebe es Angebote von privater Seite, die Stadtkasse nicht zu belasten, heißt es abschließend in der Stellungnahme.

Die Erinnerungstafel am Rathaus mit einem Zitat aus „Die Fähre“ der aus Ostpreußen stammenden Dichterin Agnes Miegel soll abgenommen, museal dokumentiert und durch eine Tafel mit einem Zitat des Warendorfer Schriftstellers Paul Schallück ersetzt werden. Dafür haben sich in einer gemeinsamen Stellungnahme das Bürgerforum Warendorf und das Bündnis „Warendorf zeigt klare Kante“ ausgesprochen. (Foto: Peter Wild)