Es ist ein Begriff, an den sich die Mitglieder der katholischen Gemeinden in Sassenberg, Füchtorf, Beelen und Harsewinkel seit einigen Jahren gewöhnen: Pastoraler Raum. Nicht mehr die Gemeinden als solche stehen dabei im Vordergrund – gleichwohl sie nicht aufgelöst oder abgeschafft werden – sondern ihre Zusammenarbeit. Durch diese Zusammenschlüsse, bei denen die Pfarrgemeinden eigenständig bleiben, sollen „zukunfts- und tragfähige Strukturen geschaffen werden, in denen Frauen und Männer, freiwillig Engagierte und Hauptberufliche, das Evangelium vor Ort verkünden und leben können“, so die Zielsetzung dieser Pastoralen Räume, wie sie seinerzeit Bischof Genn bei ihrer Einrichtung beschrieb.
Ein bisher eher wenig greifbares, fast schon fiktiv anmutendes Gebilde, das sich gefühlt von den sicheren Schößen der Pfarreien St. Marien und Johannes in Sassenberg und Füchtorf, St. Lucia Harsewinkel und St. Johannes Baptist Beelen unterscheidet. Doch das vermeintlich unpersönliche, vielleicht auch verwaltungstechnisch klingende Neue wurde Mitte September bei einem Gottesdienst in St. Marien in Füchtorf wesentlich persönlicher und nahbarer: Es bekam Personen – und damit auch Gesichter.
In einem langen Gottesdienst, der sich über das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg aus dem Matthäusevangelium der neuen Situation näherte, schufen die anwesenden Geistlichen und die Mitglieder des Leitungsteams eine Brücke zu den Neuerungen, und baten zugleich darum, die Mitglieder des Konstrukts als gleichwertig anzuerkennen.
Kein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, wie weit die Orte im Sinne gelebter Nachbarschaft auseinanderliegen. Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Auf die im Nachgang des Gottesdienstes an eine Füchtorferin gestellte Frage, warum denn Greffen – Teil der Harsewinkeler Gemeinde – nicht genannt wurde, kam die ehrliche unwissende Gegenfrage „Haben die denn überhaupt eine Kirche?“
Sie haben! Und diese Johannes-Kirche, deren Anfänge in das 12. Jahrhundert zurückreichen, gilt als Baudenkmal als ältestes erhaltenes Zeugnis der Greffener Geschichte.
Die Pfarreien bleiben und die Pfarrer bleiben, es sei denn, sie hören – wie Dr. Franz Josef Backhaus aus Altersgründen in einigen Jahren oder Bernd Bettmann, der die Pfarre in Kürze aus anderen Gründen verlässt – auf. Auch die Ansprechpartner bleiben, das Leitungsteam, bestehend aus Pfarrer Dr. Franz Josef Backhaus als leitender Pfarrer, Pastoralreferentin Monika Dirksmeier sowie Sarah Vorwald und Klaudius Freiwald, die als Ehrenamtliche diesem Gremium angehören, tritt nur hinzu und soll die notwendige Koordinierung schaffen. „Das Leitungsteam nimmt in enger Abstimmung mit den Gremien der drei Gemeinden, mit dem leitenden Pfarrer von Sassenberg und der Projektleitung des pastoralbasierten Immobilienentwicklungsprozesses im pastoralen Raum Beelen-Harsewinkel-Sassenberg seine Arbeit auf“, ist auf der Internetseite der Sassenberger Gemeinden zu lesen. Der Gottesdienst bei dem sich das Leitungsteam vorstellte, zeigte bereits erste Spuren guter Zusammenarbeit. Bestes Beispiel: der Projektchor aus den beteiligten Gemeinden. Rund 50 Sängerinnen und Sänger demonstrierten, dass gute Abstimmung aufeinander – beim Chorgesang ohnehin das A und O – in diesem Rahmen bereits bestens funktioniert. Schade nur, dass der Chor damit schon rund ein Drittel der Gottesdienstbesucher stellte. Die Bedeutung der Neuerungen hätte mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Pastoralreferentin Nicolet Alef ist neue Altenheimseelsorgerin und zudem auch für die Geriatrie des St. Lucia Krankenhauses zuständig

Das neue Leitungsteam: Pastoralreferentin Monika Dirksmeier, die ehrenamtlichen Mitglieder Sarah Vorwald und Klaudius Freiwald, Ulrich Schlingmann sowie Pfarrer Dr. Franz Josef als Leitender Pfarrer
Fotos: Rieder
