Sie steht auf eigenen Beinen. Ein klares Ziel, das für Sarah Stuckmann alles andere als leicht umzusetzen ist. Die 37-Jährige leidet sowohl unter einer leichten geistigen Einschränkung als auch unter einer angeborenen Spastik. Trotzdem weiß sie genau, was sie will: alleine klarkommen in einer eigenen Wohnung.
Ganz ohne Unterstützung kommt die junge Frau, die seit dem Jahr 2020 in der Bäckerei Arenhövel in Sassenberg arbeitet, dabei nicht aus. Einmal in der Woche bekommt sie deswegen professionelle Hilfe von Vanessa Hör, die als Fachkraft im Bereich „Ambulant Betreutes Wohnen“ beim Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf arbeitet. Vanessa Hör ist ausgebildete Heilerziehungspflegerin und begleitet Sarah Stuckmann schon seit mehreren Jahren. „Zunächst hat Frau Stuckmann alleine in einer Wohnung gelebt. Damals brauchte sie noch mehr Unterstützung“, erzählt Vanessa Hör. Zwei Stunden die Woche seien die Regel gewesen. Der Zeitaufwand für die notwendige Unterstützung habe sich mittlerweile halbiert, denn vor zwei Jahren heiratete Sarah Stuckmann und lebt seitdem mit ihrem Mann Jens in einer gemeinsamen Wohnung. Das vereinfache vieles.
Kennengelernt haben sich die zwei bei den Freckenhorster Werkstätten, wo sie beschäftigt waren. Beide schafften durch Vermittlung eines Job-Coaches den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt. Für Sarah Stuckmann ist das ganz wichtig – vor allem, weil ihr der Job Spaß macht. Aber sie betont auch: „Ich bin jetzt nicht mehr auf Grundsicherung angewiesen.“
Der Wunsch, eigenständig durchs Leben zu kommen, sei von ihren Eltern gefördert worden, erzählt die 37-Jährige. Bis heute pflege sie engen Kontakt zur Familie. Aber zuhause wohnen zu bleiben oder gar in ein Heim zu ziehen, sei für sie nie eine Option gewesen.
Im Rahmen der ambulanten Betreuung gibt Vanessa Hör ihrer Klientin Unterstützung bei möglichen Problemen, die im Alltag auftauchen können. Dazu zählen Gespräche über Schwierigkeiten im Job oder in der Partnerschaft. „Außerdem begleite ich Frau Stuckmann, wenn zum Beispiel ein Arztbesuch ansteht und sie sich sorgt, ob sie alles richtig verstehen wird.“ Auch praktische Dinge wie Wäschepflege oder den Schrank sortieren, gehören zu den Aufgaben, die gemeinsam erledigt werden. „Und dann haben wir vom Ambulant betreuten Wohnen ein vielfältiges Freizeitangebot, das wir gemeinsam auswählen“. Sarah Stuckmann liebt zum Beispiel das monatlich stattfindende Schwimmen, und sie ist stolz darauf, die Wegstrecken zu den Freizeitangeboten, aber auch zur Arbeit mit ihrem Elektromobil alleine zurücklegen zu können. „Auch bei Regen“, unterstreicht die 37-Jährige.
In der Bäckerei Arenhövel ist Sarah Stuckmann jedenfalls eine sehr geschätzte Kollegin. „Menschlich sehr angenehm und bei der Arbeit zuverlässig“, lobt ihr Chef Martin Arenhövel. Deswegen zähle sie inzwischen zum Team seiner Festangestellten.
Dass es im Job so gut klappt, lässt Sarah Stuckmann aufblühen. „Das macht mir richtig viel Spaß“, erzählt sie. Und lacht: „Abends merke ich schon meine Beine“. Für sie ist das aber nichts Schlimmes: Sie will ja auf eigenen Beinen stehen – auch wenn es Kraft kostet

Freizeitprogramm: Das Ambulant Betreute Wohnen bietet jeden Monat ein umfangreiches Freizeitprogramm an. Sarah Stuckmann (l.) und Vanessa Hör sehen sich gerade die Aktivitäten für April an.

Wäschepflege: Beim wöchentlichen Besuch steht meistens auch Wäschepflege an: Sarah Stuckmann (r.) freut sich über die Unterstützung durch Vanessa Hör.

In der Spülküche: In der Spülküche ist Sarah Stuckmann in ihrem Element, Schon seit einigen Jahren arbeitet sie als Festangestellte in der Bäckerei Arenhövel in Sassenberg.
Fotos: Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf e. V.
