Miron liebt die farbenfrohen XXL-Bausteine aus Schaumstoff. Der Fünfjährige lehnt sich an einen dieser freistehenden Bausteine wie an eine Wand an. Schnell sorgt seine Mutter Irina auf der anderen Seite für Gegendruck. Andernfalls würde Miron mitsamt dem Baustein umkippen. Die beiden blicken sich an. Für Irina ist das ein Glücksmoment. Denn ihr Sohn Miron ist Autist. Er kommuniziert kaum. Aber in diesem Augenblick schauen die beiden sich an. Miron lächelt – ein besonderer Moment. „Er macht Fortschritte“, freut sich Irina. Diese positive Entwicklung führt die Mutter auf die Förderung ihres Sohnes im Autismus-Therapiezentrum in Freckenhorst zurück. Seit knapp einem halben Jahr erhält Miron dort zweimal pro Woche therapeutische Unterstützung. Zuvor war der Junge bereits in der Frühförderung, wo erste Auffälligkeiten früh erkannt und der Verdacht auf eine Autismus-Spektrum-Störung geäußert wurden.
Im August feiert das Autismus-Therapiezentrum in Trägerschaft des Caritasverbandes im Kreisdekanat Warendorf sein einjähriges Bestehen. Katrin Lange, die Leiterin des Therapiezentrums, wird unterstützt von vier weiteren Fachkräften. Sie alle gehören auch zum Team der Frühförderung, die der Caritasverband bereits seit vielen Jahren in Freckenhorst anbietet.
„Derzeit therapieren wir 15 autistische Kinder zweimal wöchentlich“, erzählt Katrin Lange. „Die Therapie findet wie bei Miron oft im Autismus-Therapiezentrum statt, manchmal aber auch in der Kita oder zu Hause.“
Frühkindlicher Autismus tritt schon vor dem dritten Lebensjahr auf und ist eine bleibende genetische Störung im Bereich Kommunikation, Interaktion und Wahrnehmung. Für Eltern sei diese Diagnose mit vielen Fragen und Sorgen verbunden, weil sie von ihren Kindern keine oder nur wenig Rückmeldung bekommen, erläutert die Psychologin und Sozialpädagogin. Autismus bedeute aber nicht, dass die Betroffenen keine Gefühle hätten, betont Lange. „Autisten haben Probleme damit, die Gefühle der anderen wahrzunehmen und sie zu teilen.“ Viele autistische Menschen entwickelten im Laufe ihres Lebens individuelle Wege, ihren Alltag selbstständiger zu gestalten.
Therapiert werden kann ein autistisches Kind, sobald eine entsprechende Diagnose von einem Kinderneurologen oder einem Kinder- und Jugendpsychiater vorliegt. „Aktuell behandeln wir in Freckenhorst Kinder im Vorschulalter“, sagt Katrin Lange. Kostenträger sei der Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Der Bedarf an autismusspezifischer Therapie ist hoch, sodass Familien häufig längere Wartezeiten auf einen Therapieplatz in Kauf nehmen müssen.
Nicht nur die Eltern, auch die Therapeuten haben Mühe, einen ersten Blickkontakt zum Kind aufzubauen. „Das kann durchaus einige Wochen dauern.“ Zunächst gehe es darum, Spielmaterial zu finden, das dem Kind Spaß macht. Um Kommunikation zu ermöglichen, arbeite man oft mit Bildkarten oder auch mit Sprachtasten. Darauf können die Kinder drücken, wenn sie einen Wunsch äußern wollen. „Das Ziel der Therapie ist mehr Teilhabe. Etwa die Hälfte der Kinder, die wir fördern, lernt erst hier zu sprechen. Und einige Kinder kennen zunächst nur vier oder fünf Wörter.“
Auch Miron kommuniziert überwiegend mit dem „Taster“, wie seine Mutter das Gerät nennt. Sie zeigt sich optimistisch: „Miron weiß, was er möchte. Er braucht eben seine Zeit.“ Dankbar ist Irina, weil sie im Therapiezentrum verschiedene Wege kennengelernt hat, die es ihr erleichtern, mit ihrem Sohn zu kommunizieren.
Wer Beratung und Förderung für sein autistisches Kind möchte, kann sich an das Autismus-Therapie-Zentrum an der Everswinkeler Straße 66b in Freckenhorst wenden. Kontaktdaten: info@atz-warendorf.de oder unter Telefon 02581-9499480.

Die XXL-Bausteine faszinieren Miron. Das Foto zeigt ihn mit seiner Mutter Irina (r.) und Katrin Lange, Leiterin des Autismus-Therapiezentrums in Freckenhorst.
Foto: Caritasverband
