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Wenn die Drohne schonend Insekten jagt: Karl Julius Eikelmann aus Everswinkel bei „Jugend gründet“

Everswinkel/Kreis Warendorf. – Bald schwirren, surren und brummen sie wieder durch Haus und Wohnung: Fliegen, Mücken und Motten im Schlafzimmer oder in der Küche sind lästig. Fünf Schülerinnen und Schüler des Hans-Böckler-Berufskollegs aus Münster setzen auf moderne Drohnentechnik statt auf Fliegenklatsche und Chemiekeule, um Insekten schonend zu entfernen. Daraus entwickeln sie ein Geschäftsmodell, das sie beim Pitch-Event „Jugend gründet“ am Mittwoch, 18. März, bei der IHK Nord Westfalen vorstellen werden. Mit dabei ist Karl Julius Eikelmann aus Everswinkel. Er bildet zusammen mit Jael Kuda und Karyna Lohutava aus Münster sowie Noah Buxtrup aus Nottuln und Finn Uckelmann aus Dülmen das Team „Strekos“.

Bundesweit 1.461 Teams haben Businesspläne für den Schülerwettbewerb eingereicht, 28 von ihnen kamen aus dem Bezirk der IHK Nord Westfalen. Über den Teilnahmerekord freut sich der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Sven Wolf. „Wer früh wirtschaftliche Zusammenhänge versteht und sich mit der Gründungspraxis auseinandersetzt, hat später klare Vorteile“, ist er überzeugt. Obendrein vermittelt „Jugend gründet“ Eigeninitiative und Teamfähigkeit. „Wir wollen junge Menschen für eine Selbstständigkeit begeistern“, erklärt Wolf. Der Trend dazu ist erkennbar: Seit 2019 ist die Zahl der Unternehmensgründungen im IHK-Bezirk um knapp fünf Prozent gestiegen. Für 2024 verzeichnet die IHK insgesamt rund 7.400 Gründungen, davon 636 im Kreis Warendorf.

Wie Selbstständigkeit funktioniert, erproben die Schülerteams bei „Jugend gründet“. Die 30 Besten treten nun in je einem der drei Pitches in Münster, München oder Berlin an. Zehn von ihnen treffen sich im Juni im Bundesfinale in Stuttgart wieder. Mit „Strekos“ hat sich eine heimische Schülergruppe für das Event in Münster qualifiziert. Sie präsentiert ihren Businessplan in einem dreiminütigen Pitch einer Fachjury, unter anderem mit Christian Seega und Jochen Lammers von der IHK-Unternehmensförderung. Auf die Idee ist Karyna Lohutava durch eine „ziemlich große Spinne“ an einer Wand in ihrem Haus gekommen. Das Tierchen zu entfernen, ohne ihm Leid zuzufügen, das müsste doch möglich sein. Am besten mit Technik, die den Trend zum Smart Home aufgreift, findet Finn Uckelmann: „Roboter wischen und saugen, warum sollen sie nicht auch Insekten einfangen?“ Eine autonom fliegende Drohne soll sie einsaugen und an einer Basisstation abliefern. Das ist aus der Natur abgeguckt: Der Teamname „Strekos“ leitet sich vom russischen Wort für „Libelle“ ab, die ganz ähnlich auf Jagd geht. Aus der Basisstation können die eingefangenen Insekten ganz einfach in die Freiheit entlassen werden, so der Plan. In Gewächshäusern werden schon Drohnen für solche Zwecke genutzt, die allerdings sehr rigoros arbeiten: Fliegen und Co. überleben den Einsatz nicht.

Das will das „Team Strekos“, das im VWL-Kursus des Berufskollegs zusammengekommen ist, anders lösen. Das Quintett tüftelt nun an der technischen Umsetzbarkeit. Die Idee, eine Wärmebildkamera einzusetzen, wurde verworfen: „Das ist zu teuer, außerdem nehmen Insekten die Temperatur ihrer Umgebung an“, erläutert Noah Buxtrup. Das Prinzip eines Echolots, ähnlich wie bei Fledermäusen, ist die bessere Lösung. Weitere Fragen sind aber noch zu klären: Welche Kapazität braucht die Basisstation, wie viel darf die Drohne wiegen? „Auf keinen Fall mehr als 250 Gramm“, erklärt Karl Julius Eikelmann. Denn in der höheren Gewichtsklasse müssten Nutzerinnen und Nutzer eine Prüfung für einen Drohnenführerschein ablegen.

Zur Zielgruppe gehört jeder, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann und eine gewisse Affinität für Technik hat. Ein Motor ist schon konstruiert, Konzepte für die Finanzierung sind in Arbeit. Investoren oder Naturschutzorganisationen könnten Interesse an der Idee haben, hofft die Gruppe. Reicht es beim Pitch in Münster für den Einzug ins Finale, soll ein Prototyp gebaut werden. „Die Softwareentwicklung ist schwierig, dafür holen wir uns dann Hilfe, blickt Jael Kuda voraus. KI soll die Drohne lernfähig machen: Sie wird an eine Datenbank gekoppelt, die das Flugverhalten verschiedener Insekten speichert.

Wer es über den Pitch oder ein späteres Planspiel ins Finale schafft, dem winkt als Hauptpreis eine Reise ins Silicon Valley. Und vielleicht wird die Geschäftsidee dann sogar Wirklichkeit? Zuvor plant ein Großteil des Teams „Strekos“ aber ein duales Studium. Dass eines Tages aber wirklich Drohnen Insekten im Flug fangen, möchte keiner aus der Gruppe ausschließen.

Mehr Infos: www.ihk.de/nw/gruendung/jugend-gruendet.

Team Strekos kann keiner Fliege etwas zuleide tun. Ihre Idee zur schonenden Insektenjagd präsentieren (v. l.) Karl Julius Eikelmann aus Everswinkel sowie Jael Kuda, Noah Buxtrup, Karyna Lohutava und Finn Uckelmann beim Wettbewerb „Jugend gründet“ bei der IHK Nord Westfalen in Münster.

Foto: Tannich/IHK