Zunächst war sie skeptisch. „Ich konnte mir nicht vorstellen, wie schön es ist, mit Senioren zu arbeiten“, erzählt Regina Schlöpker-Richtscheid. Eine Freundin hatte sie gefragt, ob sie ehrenamtlich Seniorenreisen leiten wolle, die der Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf anbietet. Doch die frühere Friseurmeisterin wagte es. Und gleich die erste Reise – es ging nach Bad Lippspringe – stimmte sie um. „Ich bin in dieser Aufgabe sofort angekommen. Es war viel Arbeit, aber toll. Die Gruppe passte. Es hat einfach alles gestimmt.“
Das ist nicht immer so, wissen Regina Schlöpker-Richtscheid und Gabriele Kemper. Letztere hat 40 Jahre für den Caritasverband gearbeitet, 20 Jahre davon organisierte sie die Seniorenreisen. Eine Aufgabe, an die sie ihr Herz verloren hat. Heute betreut die Rentnerin als Ehrenamtliche selbst einige dieser Reisen.
„Grundsätzlich müssen die Senioren, die mitfahren, reisefähig und selbstständig sein“, sagt Kemper. Die Teilnehmenden seien zwischen 70 und 100 Jahre alt. Das Alter sage aber nicht immer etwas. Es gebe sehr unterstützungsbedürftige 70-Jährige und auch äußerst fitte 90-Jährige.
Die rund 20 Betreuerinnen und Betreuer legen viel Wert auf gemeinsame Freizeitgestaltung. „Ich sorge zum Beispiel immer dafür, dass es in der Unterkunft Sechser- oder Achter-Tische gibt“, betont Regina Schlöpker-Richtscheid. Dann mischten sich die Leute leichter. Mitunter werde am Reiseziel auch ein Bus gemietet, um noch einen Halbtagesausflug in die nähere Umgebung zu machen. Gemeinsam neue Ziele erkunden, verbinde eben. „Am Ende einer Fahrt habe ich oft den Satz gehört: ,Und morgen muss ich wieder alleine frühstücken.’“ Dies sei meist mit einem traurigen Unterton verbunden, kommentiert Schlöpker-Richtscheid. Kein Wunder: Schließlich nutzen viele Alleinreisende das Angebot des Caritasverbandes.
Selbst wenn nicht jeder das Programm vor Ort immer wahrnimmt, zur täglichen Morgenrunde nach dem Frühstück kommen eigentlich alle, so die Erfahrung der Ehrenamtlichen. „Am Anfang gibt’s etwas Gymnastik für die Lachmuskeln. Wir erzählen zum Beispiel Witze, aber Gymnastik für den Körper gehört ebenfalls dazu.“ Auch abends gebe es Freizeitprogramm – und wenn es nur Gesellschaftsspiele seien. „Wer mit uns unterwegs ist, möchte abends nicht vor den Fernseher“, unterstreicht Schlöpker-Richtscheid.
Die Reiseziele, die den Senioren zur Auswahl stehen, sind vielfältig – es geht beispielsweise an Ost- und Nordsee, nach Unterfranken oder in den Teutoburger Wald. Und auch Reisen nach Mallorca stehen jedes Jahr im Programm. Die Dauer der Fahrten ist unterschiedlich: zwischen 7 und 14 Nächten.
Vor jeder Reise findet ein gemeinsames Vortreffen auf dem Hof Lohmann in Freckenhorst statt. Dabei hat die Reisegruppe die Möglichkeit, sich bereits vorab kennenzulernen und erste Kontakte zu knüpfen – auch mit den Reisebegleitern. Diese Treffen schaffen eine vertraute Atmosphäre und stimmen alle Teilnehmenden auf die gemeinsame Zeit ein.
Immer wieder entstehen auf den Reisen neue Freundschaften, und nicht selten kommt es zu bewegenden Wiederbegegnungen: So haben sich bereits ehemalige Schulfreunde nach vielen Jahren ohne Kontakt auf einer Reise wiedergefunden.
Die ehrenamtlichen Begleiter bereiten sich durch zwei Schulungen in der Kolping-Bildungsstätte in Coesfeld auf ihre Aufgabe vor. Vom Erste-Hilfe-Kurs bis zum Umgang mit Unfällen wird ein breites Spektrum angeboten. „Wir führen die Seniorenreisen seit mehr als vier Jahrzehnten durch“, sagt Gabriele Kemper. Schwere Unfälle habe es in dieser Zeit nicht gegeben, schwierige Situationen aber wohl. Dann gelte es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Daneben werde stets viel Fingerspitzengefühl gebraucht, damit Harmonie in der Gruppe wachse. „Oft erleben wir viel Schönes. Meistens achtet in der Gruppe einer auf den anderen.“ Das erleichtert den Reisebegleitern und Reisebegleiterinnen die Arbeit. Vor allem freuen sie sich darüber, dass so viel Dankbarkeit zurückkommt. Kein Wunder: Der Caritasverband bietet den Teilnehmenden seniorengerechtes Reisen an. „Wir haben auch Senioren dabei, die die erste Reise von ihren Kindern geschenkt bekommen haben und zunächst gar nicht mitfahren wollten“, schmunzelt Gabriele Kemper, „doch inzwischen zählen sie zu unseren ganz treuen Gästen.“

Regina Schlöpker-Richtscheid und Gabriele Kemper sind zwei von rund 20 ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern, die die Seniorenreisen des Caritasverbandes begleiten.

Fotos: Caritasverband im Kreisdekanat Warendorf
