Berufliches Gymnasium für Gesundheit und Soziales am Paul-Spiegel-Berufskolleg des Kreises Warendorf unterstützt bei Entscheidungsfindung.
Was ist das Besondere an einem Beruflichen Gymnasium? Den beiden Beruflichen Gymnasien, die am Paul-Spiegel-Berufskolleg in Warendorf beheimatet sind, gelingt ein Spagat: einerseits erhalten Absolventinnen und Absolventen dort nach erfolgreich absolvierter dreijähriger gymnasialer Oberstufe das Vollabitur, das zur Aufnahme jedes beliebigen Studienganges berechtigt. Andererseits gewinnen Schülerinnen und Schüler durch die Ausrichtung auf ein bestimmtes berufliches Spektrum schon während ihrer Schulzeit wichtige Einblicke in Berufsfelder, die sie bei der Entscheidung für eine berufliche Laufbahn unterstützen. Berufsorientierung steht also immer auf dem Lehrplan. So erlebte der zwölfte Jahrgang des Beruflichen Gymnasiums für Gesundheit und Soziales mit dem fachlichen Schwerpunkt Pädagogik jüngst eine intensive Berufsorientierungswoche. Dabei zeigte sich das breite Netz der Kooperationspartnerschaften, mit denen das Berufliche Gymnasium zusammenarbeitet.
Eine dieser Kooperationen besteht mit dem Ameos Klinikum Warendorf. Stephanie Jansen und ihr Team von der Ausbildungskoordination Pflege hatten einen abwechslungsreichen und informativen Tag vorbereitet. Los ging es mit einer Präsentation mit umfassenden Informationen über die einzelnen medizinischen Einrichtungen und Fachabteilungen. Fünf Mitarbeitende des Klinikums standen für ein „Speed Dating“ zur Verfügung, bei dem sie wechselnden Kleingruppen ihren Ausbildungsweg und ihre Arbeitsbereiche vorstellten und alle Fragen im offenen Gespräch beantworteten. Auf einer anschließenden Erkundungstour konnten die Schülerinnen und Schüler hinter die Kulissen schauen und Bereiche wie die Notaufnahme, die Kardiologie und die Privatstation kennenlernen. Der Internist Dr. Peter Schürmann stand beim Programmpunkt „Der Medicus“ seiner Interviewpartnerin Stephanie Jansen Rede und Antwort und gab Einblicke in den Werdegang eines Mediziners und die Tätigkeiten im Krankenhaus.
Ein Besuch bei der Kreisverwaltung ließ eine Vielfalt interessanter Berufsmöglichkeiten aus den Bereichen Gesundheit, Soziales und Pädagogik entdecken. So erfuhren die Schülerinnen und Schüler bei der Kreispolizeibehörde, welche Voraussetzungen man für eine Bewerbung bei der Polizei mitbringen muss und wie das Duale Studium abläuft. Sie durften ein Polizeiauto aus der Nähe erkunden und die Arbeit des Erkennungsdienstes kennenlernen. In der Rettungsleitstelle durften sie einen simulierten Notruf absetzen und lernten, wie die Ausbildung im Rettungsdienst abläuft. Natürlich wurde auch ein Rettungswagen mit all seinem Zubehör in Augenschein genommen. Auch eine Beschäftigung im Jugendamt ist eine mögliche Berufsperspektive. Dorthin führt das Studium der Sozialen Arbeit, wie Daniel Bögge, Leiter des Sachgebiets Soziale Prävention und frühe Hilfen im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien des Kreises Warendorf erläuterte. Durch die hervorragende Organisation und das hohe Aufgebot an Akteuren von Seiten des Kreises konnten die Schülerinnen und Schüler hier wertvolle Eindrücke gewinnen.
Eine weitere Exkursion führte die Stufe nach Sassenberg, wo bei der Firma technotrans eine Besichtigung und ein Bewerbungstraining auf die Schülerinnen und Schüler wartete. Wie verhalte ich mich in einem Vorstellungsgespräch? Welche Fehler gilt es beim Schreiben eines Lebenslaufes zu vermeiden? – dies waren nur einige der Fragen, die dort behandelt wurden.
Auch mögliche Studienperspektiven wurden in den Blick genommen. Sowohl an der Fachhochschule als auch an der Katho in Münster konnten die Schülerinnen und Schüler erleben, dass ein Studium nicht automatisch an einer riesigen, anonymen Universität stattfinden muss. Die Fachhochschule stellte einen auf das Profil des Beruflichen Gymnasiums zugeschnittenen Ausblick ihrer Studiengänge vor. Ein kleines Spiel, bei dem eine Zeichnung einer anderen Person so genau erläutert werden musste, dass diese sie nachzeichnen konnte, gab Anlass zur Reflexion, wie schwierig es sein kann, etwas zu erklären und deckte Neigung zum Lehramtsstudium auf. Mehrere Studierende hatten sich bereit erklärt, durch ihre Fachschaft zu führen und dabei von persönlichen Erfahrungen zu berichten. So staunten die Schülerinnen und Schüler über gut ausgestatteten Fachräume, von der Metallwerkstatt über das Lebensmittellabor bis zum Trickfilmstudio.
An der Katho entsteht eine familiäre Atmosphäre durch die Beschränkung auf die beiden Studiengänge Soziale Arbeit und Heilpädagogik. War vielen am Anfang noch nicht ganz klar, was man sich darunter genau vorzustellen habe und worin genau der Unterschied besteht, konnte die Informationsveranstaltung hier Abhilfe leisten. Prof. Dr. Schäper nahm sich Zeit für alle Nachfragen, aber besonders in Erinnerung blieb wohl das vorangestellte Zitat: „Soziale Arbeit ist wie helfen, nur krasser!“ Mit Unterstützung einer Studentin führte Prof. Schäper durch die Einrichtung, so dass das Kennenlernen der Räumlichkeiten von Seminarräumen über Bibliothek, Mensa und Aufenthaltsräumen die Vorstellung, hier ein Studium zu beginnen, etwas greifbarer machte.
Nach einer Woche reich an Informationen und Eindrücken zeigt sich das Organisationsteam der Berufsorientierungswoche rund um Abteilungsleiterin Sylvia Sahl-Beck und Studien- und Berufsorientierungskoordinatorin Gisela Mersmann sehr zufrieden mit dem Verlauf. Eine Wiederholung im kommenden Jahr ist bereits in Planung.

Dr. Peter Schürmann und Stephanie Jansen nahmen sich im Ameos Klinikum Warendorf Zeit, den Schülerinnen und Schülern den Werdegang und die Tätigkeiten eines Mediziners näher zu bringen.

Beim Kreis Warendorf gab es unter anderem die Möglichkeit, einen Rettungswagen zu besichtigen und mit dem Personal ins Gespräch zu kommen.
Foto: Paul-Spiegel-Berufskolleg Warendorf
