Eine Woche alt ist das Nashornkalb im Zoo Osnabrück und erkundet bereits neugierig den Stall. Für den Zoo ist der erneute Nachwuchs ein großer Erfolg. Auch die Besucher konnten sich beteiligen und im Rahmen eines Namenswettbewerbs Vorschläge für den kleinen Bullen einreichen.
Große Freude im Zoo Osnabrück: Am Dienstag, 7. April 2026 um 4:22 Uhr kam nach einer Tragzeit von 520 Tagen ein gesundes Nashornkalb zur Welt. „Es ist großartig, dass wir mit der Geburt des kleinen Nashornbullen die Erfolgsgeschichte unserer Nashornzucht fortsetzen konnten. Das verdanken wir vor allem dem engagierten Team rund um Tobias Klumpe und Zootierarzt Thomas Scheibe“, betont Zoo-Präsident Dr. E.h. Fritz Brickwedde.
Die Geburt selbst verlief schnell und wurde in der Nacht über Kameras beobachtet. „Bei der routinemäßigen Kontrolle der Kamerabilder, konnte ich in dieser Nacht eine erhebliche Unruhe beobachten“, berichtet Zoodirektor Tobias Klumpe. „Im weiteren Verlauf konnte dann beim Rückwärtsgehen des Tieres der Blasensprung gesehen werden und dann ging alles ganz schnell“. Gemeinsam mit dem Zootierarzt Thomas Scheibe machte sich Klumpe direkt auf den Weg in den Zoo. „Falls im weiteren Verlauf ein Eingreifen notwendig gewesen wäre, hätten wir vor Ort handeln können“, so der Biologe. Unmittelbar nach der Geburt zeigte das Kalb wichtige Lebenszeichen: Es befreite sich selbstständig aus den Resten der Fruchthülle und begann sich gleich zu bewegen. „Das sind genau die Signale, die wir gerne sehen wollen“, erklärt Scheibe. „Das Jungtier stand nach kurzer Zeit weitestgehend sicher und auch die ersten Trinkversuche konnten wenige Stunden nach der Geburt beobachtet werden. Auch im weiteren Verlauf zeigten sich viele typische Anzeichen für eine gute Mutter-Kind-Bindung“. In den ersten Tagen lag der Fokus insbesondere darauf Mutter und Jungtier Ruhe zu geben und die weitere Entwicklung genau zu beobachten: „Das Jungtier trinkt gut und wirkt insgesamt sehr vital. Wir schätzen das Gewicht auf etwa 50 bis 60 Kilogramm“, so der Veterinär.
Munteres Kalb auf Entdeckungstour
Direkten Kontakt zum Kalb hat der stellvertretende Revierleiter und Tierpfleger Nils Schröer nicht, dennoch kennt er das Jungtier bereits gut durch die tägliche Beobachtung. Schon am Tag der Geburt war das Geschlecht eindeutig zu erkennen: Es ist ein Männchen. „Der kleine Bulle entwickelt sich sehr gut und nimmt stetig an Gewicht zu“, so Schröer weiter. Inzwischen erkundet das Jungtier neugierig den Stall, zeigt sich dabei jedoch etwas vorsichtiger als seine Schwester Lisbeth in den ersten Lebenstagen. Besonders auffällig sind seine großen Ohren. Sein Horn ist hingegen bislang nur im Ansatz sichtbar. „Das ist bei Breitmaulnashörnern typisch und völlig unbedenklich. Der Hörsinn ist deutlich besser ausgeprägt als der Sehsinn und das Horn ist bei der Geburt so angelegt, damit es beim Geburtsvorgang nicht im Weg ist“, erklärt der Tierpfleger. Auch das Mutter-Kind-Verhalten entwickelt sich aus Sicht des Teams sehr positiv. „Amalie macht das bisher richtig gut und geht sehr behutsam mit ihrem Nachwuchs um“, erklärt Schröer. Die Bindung zwischen Mutter und Jungtier hat sich von Beginn an stabil entwickelt. Nashornkuh Amalie und ihr Kalb sind aktuell noch im Innenstall untergebracht, wo sie in Ruhe Zeit miteinander verbringen können. Auch abseits der ersten Beobachtungen zur Entwicklung des Jungtieres spielt der kleine Bulle bereits eine besondere Rolle im Zooalltag und bei den Besucherinnen und Besuchern. So wurden sie aktiv in die Namensfindung miteingebunden: In der vergangenen Woche konnten sie im Zoo über einen QR-Code ihre Vorschläge für das Jungtier einreichen. Knapp 1000 Ideen gingen dabei ein. Die einzige Vorgabe war, dass der Name mit dem Buchstaben „L“ beginnen sollte, passend zur Schwester Lisbeth und in Erinnerung an die verstorbene Nashornkuh Lia. „Die große Beteiligung unserer Besucher und Besucherinnen hat uns sehr gefreut und zeigt die enge Verbundenheit mit unseren Tieren“, betont Zoogeschäftsführer Philipp Bruelheide. „Unser Team hat sich nach sorgfältiger Auswahl aus den vielen schönen Vorschlägen für den Namen ‚Liam‘ entschieden.“ Der Name fügt sich damit in die bestehende Namenslinie im Nashornstall ein.
Bedeutender Beitrag für den Artenschutz
Breitmaulnashörner gelten in der Natur als stark bedroht, insbesondere durch Wilderei und den fortschreitenden Verlust ihres Lebensraums. Die Geburt von Liam ist daher auch aus zoologischer Sicht ein bedeutender Erfolg und ein wichtiger Beitrag zum Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). „Ziel dieser Programme ist es, genetisch stabile Reservepopulationen in menschlicher Obhut aufzubauen und so das Überleben der Art langfristig zu sichern“, weiß Dr. Jannis Göttling, Kurator im Zoo Osnabrück. Im Zoo Osnabrück leben neben Nashornkuh Amalie (19 Jahre) und ihrem Jungtier Liam auch deren Tochter Lisbeth (3 Jahre) sowie der Nashornbulle Miguel (28 Jahre), der der Vater beider Jungtiere ist. Auch für Lisbeth hat sich durch die Geburt von Liam und der zuvor verstorbenen Nashornkuh Lia einiges im Alltag verändert. „Sie ist derzeit nicht mehr ganz so eng bei ihrer Mutter Amalie, da diese aktuell etwas Abstand zu ihrem älteren Jungtier Lisbeth hält. Das war aber auch in den letzten Wochen vor der Geburt bereits zu sehen“, erklärt Göttling. „Wir beobachten ihr Verhalten jedoch sehr genau und achten dabei besonders auf ihr Wohlbefinden“. Die nächsten Schritte in der Entwicklung der Tiergruppe sind bereits geplant: Mutter und Jungtier Liam sollen zunächst den Vorhof der Nashornanlage kennenlernen, anschließend folgt die Außenanlage. Erst danach wird Lisbeth wieder zur Gruppe dazustoßen. „Wenn diese Integration gut verläuft, wird im späteren Verlauf auch Miguel das Jungtier kennenlernen“, so Göttling weiter. Wie sich die Osnabrücker Zuchtgruppe langfristig entwickelt, wird eng mit dem zuständigen Zuchtbuch abgestimmt. „Wir stehen dazu im intensiven Austausch und prüfen aktuell verschiedene Optionen für die zukünftige Zusammensetzung der Gruppe“, erklärt der Kurator.

Rund eine Woche alt und schon neugierig unterwegs: Nashornkalb Liam erkundet im Zoo Osnabrück seinen Stall. Für den Zoo ist der erneute Nachwuchs ein großer Erfolg. Besucher können das Jungtier aktuell durch die Scheiben im Stall beobachten.
Bildquelle: Zoo Osnabrück (Lara Holzkamp)
Über den Zoo Osnabrück
Der Zoo Osnabrück beherbergt auf 23,5 Hektar mehr als 2.600 Tiere aus 290 Arten (Stand 31.12.2024). Weltweit einmalig ist der Unterirdische Zoo (2009). Auf tierische Weltreise gehen die Besucher in den afrikanischen Tierwelten Samburu, „Takamanda“ (2010) und „Mapungubwe“ (2019/ 2021). Über das Südamerika-Areal geht es weiter nach Asien mit dem Affentempel „Angkor Wat“ (2012), dem Tigertempelgarten (2014) und dem „Orang-Utan Dschungeltempel“ (2017). Höhenpfade führen durch die nordische Tierwelt „Kajanaland“ (2011). Nordamerikanisch wird es in der Tierwelt „Manitoba“ (2018). 2022 eröffneten die „Wasserwelten Mariasiel“. Gegründet wurde der Zoo Osnabrück 1935 als Arbeitsgemeinschaft Heimattiergarten von Osnabrücker Bürgern und bereits 1936 als Heimattiergarten eröffnet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Heimattiergarten größtenteils zerstört. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich der Heimattiergarten zum Tiergarten und schließlich zum Zoologischen Garten. Der Zoo Osnabrück ist Mitglied des VdZ (Verband der zoologischen Gärten e.V.), der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria) sowie der WAZA (World Association of Zoos and Aquaria).
