Die Industrie steht unter Druck: „Energiepolitik, Arbeitsproduktivität und Bürokratie gehören zu den entscheidenden Standortfaktoren, an denen wir deshalb arbeiten müssen“, erklärte Lars Baumgürtel, Präsident der IHK Nord Westfalen bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses für den Kreis Warendorf. Wie groß dieser Druck ist, verdeutlichen Zahlen: Mehr als 30.500 Menschen arbeiten im Kreis Warendorf in der Industrie, womit der Anteil an Industriejobs bei rund 30 Prozent der Arbeitsplätze insgesamt liegt. Dies ist höchste Anteil an Industriearbeitsplätzen insgesamt im IHK-Bezirk. Doch allein zwischen 2022 und 2025 sind in diesem Bereich mehr als 1.800 Arbeitsplätze verloren gegangen. Baumgürtel appellierte an die Politik, den klaren Fokus auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu legen: „Unser Anspruch als IHK ist es, diese Themen klar zu adressieren und die Perspektive der Unternehmen sichtbar zu machen“, betonte er vor dem Ausschuss, der bei der Haver & Boecker OHG in Oelde tagte.
Der Kreis Warendorf steht mit der Entwicklung nicht allein. Das Münsterland hat zwischen 2022 und 2025 fast vier Prozent der Industriearbeitsplätze verloren, etwa 140.000 Menschen arbeiten in diesem Bereich. Dr. Fritz Jaeckel, Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, erkannte den Willen der Bundesregierung an, die Standortbedingungen für die Unternehmen nachhaltig zu verbessern. Noch reichten die beschlossenen Maßnahmen aber nicht, um das Ruder herumzureißen. Statt eines Aufschwungs sah er eher eine „Seitwärtsbewegung der Wirtschaft“.
Für wirtschaftliche Stärke brauche es vor allem Investitionen, Innovationen und die Fähigkeit, sich an neue Rahmenbedingungen anzupassen, ergänzte Dr. Thieß Petersen, Senior Advisor der Bertelsmann Stiftung. Er blickte vor allem auf China, das sich vom Produktionsstandort zum technologischen Wettbewerber gewandelt habe. „Offenheit, Innovationsfähigkeit und industrielle Leistungsfähigkeit bleiben zentrale Voraussetzungen für Wohlstand und Beschäftigung“, nannte der Volkswirt als notwendige Antwort auf diese Entwicklung.
Um dies zu erreichen, dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, jede Herausforderung über neue Gesetze lösen zu können, meinte Bernd Eßer in der anschließenden Diskussion. „Entscheidend ist, diejenigen zu unterstützen, die investieren, Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten wollen“, erklärte der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses und IHK-Vizepräsident. „Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo Unternehmertum ermöglicht wird.“
Über den IHK-Regionalausschuss
Der IHK-Regionalausschuss für den Kreis Warendorf mit rund 50 ehrenamtlich tätigen Unternehmerinnen und Unternehmern ist die Stimme der gewerblichen Wirtschaft. Das Gremium befasst sich mit Themen und Projekten im Kreis, die Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Zudem berät der Regionalausschuss die Vollversammlung, das Präsidium und die Geschäftsführung der IHK Nord Westfalen.

Walter Haver (r.), Geschäftsführender Gesellschafter der Haver & Boecker OHG, begrüßte den IHK-Regionalausschuss in seinem Unternehmen. An der Sitzung nahmen auch IHK-Präsident Lars Baumgürtel (Mitte) und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Fritz Jaeckel (l.) teil.
Fotos: Kaup-Büscher/IHK
