Eine Kirche ohne Glocke ist wie… – ja, wie eigentlich? In Freckenhorst darf – respektive muss – man sich in den kommenden Monaten darüber Gedanken machen. Denn auf Grund der ohnehin weithin sichtbaren Bauarbeiten an der Stiftskirche kommt ab sofort die weithin hörbare Stille hinzu, weil das Geläut schweigen muss.
Zur Sanierung der Fugen im Hauptturm, ein Zustand durch den sogar Steine aus dem Gemäuer brachen und nach unten fielen, wurde die Fassade Mitte Mai eingerüstet. Zur Stabilisierung mussten zudem Stahlträger durch den Glockenturm gezogen werden.
Experten hätten dazu geraten, vorläufig auf das Geläut zu verzichten, erläutert Pfarrdechant Manfred Krampe, denn die Schwingungen, die durch die fünf schweren Glocken ausgelöst werden, könnten die Konstruktion leiden lassen. Auch die vier tiefer im Turm hängenden historischen Glocken, die noch per Hand in Schwingung versetzt werden können, sollen nicht genutzt werden. Sicherheit geht vor. „Nicht schön, aber auch nicht zu ändern“, erklärt der Pfarrer.
Ausnahmen werde es keine geben können. Nicht zu Hochzeiten, nicht zu Taufen und nicht zu Beerdigungen. Nicht einmal zu Weihnachten, denn die Arbeiten werden noch weit über den Jahreswechsel hinaus andauern. Frühestens zu Krüßing 2027 darf die Stiftsstadt wieder auf die altvertrauten Klänge aus dem Turm von St. Bonifatius hoffen.

Abdelmajid Zakroui von der Baufirma muss keine Sorgen haben, dass es plötzlich laut wird – die Glocken von St. Bonifatius werden auf Monate hinaus schweigen müssen
Foto: Rieder
