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Ein bemerkenswerter Künstler würde 100: Aloys Blömkers Nachfahren präsentierten und präsentieren seine Werke

Sein Name ist in Warendorf-Einen ein Begriff. Nicht nur, weil es den Nachnamen Blömker dort mehrfach gibt. Sondern weil Aloys Blömker, der am 25. Februar 100 Jahre alt geworden wäre, im ehemals selbstständigen Ort Einen in zahlreicher Hinsicht sehr aktiv war. Ein Original würde man sagen, oder auch ein Unikum. „War’n Mordskerl der Aloys“, bekräftigt Franz-Ludwig Blömker, der stellvertretende Landrat und entfernter Verwandter. Auch er hat sich die Eröffnung der Ausstellung des Künstlers Aloys Blömker am Montag im Heimathaus nicht nehmen lassen. Wobei der Begriff Ausstellung irreführend ist. Denn die Exponate aus dem umfangreichen Schaffen des Künstler Aloys Blömker sind vielmehr eine eher zufällig erscheinende Auswahl aus einem – und das ist nicht despektierlich gemeint – Sammelsurium des Gesamtwerks, das Blömker seinen Kindern und der Nachwelt hinterlassen hat. Und das soll nicht nur in Kisten liegen oder in Regalen stehen und verstauben.

„Wir sind ja froh, dass wir hier im Heimathaus die Möglichkeit haben, das zu zeigen“, sagt Sohn Uwe auch im Namen der Schwester Sylvia Blömker. Viele Ölgemälde, gerahmte und ungerahmte, ebenso wie ungezählte Zeichnungen und Skizzen waren am 9. März über die drei Stockwerke des Heimathauses verteilt zu sehen. Nicht im bekannt musealen Sinn präsentiert, mit zusätzlichen Informationen, mit stimmungsvoller, akzentuierter Beleuchtung akkurat aufgehängt. Sondern mehr ein „Schaut her, ich bin’s“, im Sinne von „Schaut her, das war er“.

Wobei die Vielfalt der künstlerischen Werke gerade einmal einen Bruchteil dieses „Mordskerls“ ausmacht, der schon Maler war bevor er Maler wurde. Denn den Kontakt zur Farbe pflegte er zunächst zumeist als Maler- (und Glaser-) Meister. Ganz klassisch Wände, Decken, Türen, wie seine Tochter sich erinnert. Er bildete aus und er bildete sich weiter. Zum einen in Sachen Kunst, zum anderen in der speziellen Richtung als Theatermaler. Als solcher war er jahrelang in Münster tätig. Ebenfalls viele Jahre, genau seit 1977, war er Mitglied im Kunstverein Beckum-Warendorf. Seine Vita zieren diverse Gruppenausstellungen sowie Einzelausstellungen in Telgte, Warendorf, Münster, Bad Rothenfelde. Ebenso wie in der Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen, denn er war ein großer Bewunderer des Schöpfers von Max und Moritz und zahlloser weiterer Texte und Zeichnungen. Einige eigene Federzeichnungen veröffentlichte Paohlbürger Blömker im Buch „Beller ut Westfolen“, hochdeutsch „Bilder aus Westfalen“.

Ein Meisterwerk ist seine Familien- und Dorfchronik, die er an seinem 60. Geburtstag und „dem Tag der Ankunft des Kometen Halley“ in Angriff nahm, wie dort auf den ersten Seiten zu lesen ist. Ein Werk, das er mit kalligraphischer Schönheit begann, das er allerdings später aufgrund seines Alters nur in einfacherer Form weiterführen – und nicht zu Ende bringen – konnte.

Eigentlich passt die eher wilde Präsentation seines Schaffens zur spontan, aktiven Art seines Lebens. So wie zur Entstehung der dreiseitigen Stele, die neben dem Heimathaus zu sehen ist. Ursprünglich als drei Meter lange Zeichnung gearbeitet, kostete es einige Mühe den Künstler zu überzeugen, dass sie so besser präsentiert werden könne, wie sich Franz-Ludwig Blömker erinnert.

Eine der vielen Erinnerungen, die das Gedächtnis an den Menschen zieren. So wie sein Einsatz, mit dem der erste kommunale Kindergarten in Einen entstehen konnte – kurz vor der Kommunalen Neugliederung. Allgemeingut des Ortsgedächtnisses ist auch eine Aktion in Sachen Weihwasser: Das sollte der junge Aloys er für seine strenggläubige Großmutter mitbringen, da sie immer welches zuhause aufbewahrte. Doch das Fußballspiel dauert lang, die Kirche war schon zu. Und die Oma konnte ja auch nicht erkennen, dass es wohl Brunnen- oder Leitungswasser war, das der Enkel ihr mitbrachte. Geschützt hat es sie wohl trotzdem.

Einige der Werke, die im Heimathaus präsentiert wurden, werden auch weiterhin zu den normalen Öffnungszeiten zu sehen sein. Eine intensivere Beschäftigung mit Blömkers Schaffen ist auch durch das für 20 Euro erwerbbare Buch „Erinnerungen“ möglich.

Die auf den Tischen ausgebreiteten sowie an Wänden und Staffeleien aufgestellten und aufgehängten Werke stießen auf reges Interesse

Sylvia und Uwe Blömker mit der Familien- und Dorfchronik sowie einem Buch vieler sehenswerter Zeichnungen

Fotos: Rieder