Die IHK Nord Westfalen warnt Kommunen davor, an der Steuerschraube für Unternehmen zu drehen. „Für 2025 verzeichneten viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister Rekordeinnahmen bei der Gewerbesteuer“, stellt IHK-Vizepräsident Bernd Eßer im Vorfeld der in vielen Städten und Gemeinden anstehenden Haushaltsberatungen fest. Ob diese weiter so sprudeln, sei angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Herausforderungen für die Betriebe in der Region mehr als fraglich. Gleichzeitig bekämen die Kommunen immer neue Aufgaben zugewiesen. Die Antwort darauf dürfe nicht sein, die Gewerbesteuern zu erhöhen. „Es ist vielmehr an der Zeit, die kommunalen Haushalt strukturell auf stabile Beine zu stellen“, erklärt Eßer, der dabei auch Bund und Land gefordert sieht.
2026 haben von den insgesamt 78 Städten und Gemeinden im Bezirk der IHK Nord Westfalen zwölf Kommunen den Hebesatz der Gewerbesteuer angehoben. In den übrigen 66 Städten und Gemeinden bleibt der Hebesatz in diesem Jahr unverändert. Steuersenkungen, wie noch 2025, gab es nicht. Der durchschnittliche Hebesatz im IHK-Bezirk liegt mit 447 Prozent zwar immer noch niedriger als im Landesschnitt (474 Prozent), steht aber über dem bundesweiten Durchschnitts-Hebesatz (438 Prozent). Das ist das Ergebnis einer aktuellen Datenerhebung der IHK Nord Westfalen.
Eßer sieht insbesondere in den Erhöhungen ein weiteres Alarmsignal für die Wirtschaftsregion. Unternehmen würden immer mehr belastet, während den Kommunen angesichts der aktuellen Finanzierungsdefizite ihrer Haushalte weitere Spielräume verloren gingen. „Eine höhere Gewerbesteuer kann ihnen aber allenfalls kurzfristig helfen“, unterstreicht der Geschäftsführer der Berief Food GmbH in Beckum. Langfristig werde der Wirtschaftsstandort damit unattraktiver für die Unternehmen. „Investitionen unterbleiben oder werden im Ausland getätigt. Das führt zum einem zur Senkung des Gewerbesteuerpotenzials, zum anderen werden benötigte Erträge aus der Lohnsteuer nicht realisiert“, erklärt er. „Kurz: Man sägt konsequent an dem Ast, auf dem man sitzt.“
Hebesätze in Nord-Westfalen:
Die höchsten Hebesätze in der Emscher-Lippe-Region haben Marl (530 Prozent), Recklinghausen (520 Prozent) und Dorsten (505 Prozent). Die höchsten Hebesätze im Münsterland verzeichnen Westerkappeln (500 Prozent), Tecklenburg (485 Prozent) sowie Ibbenbüren und Lienen (jeweils 481 Prozent). Die geringsten Hebesätze im IHK-Bezirk melden Wettringen (375 Prozent), Reken (390 Prozent), Schöppingen (411 Prozent) und Oelde (413 Prozent).
Während die Hebesätze in der Emscher-Lippe-Region in den vergangenen Jahren stabil geblieben sind, zeigt sich im Münsterland eine größere Dynamik. Die größten Steigerungen treten dabei in Dülmen (479 Prozent, +44 Punkte), Rheine (460 Prozent, +30 Punkte), Recke (444 Prozent, +22 Punkte), Neuenkirchen (450 Prozent, +20 Punkte) und Stadtlohn (432 Prozent, +14 Punkte) auf.
Die Unterschiede zwischen den Kommunen bleiben dabei vor allem im Münsterland groß. „Wettringen und Westerkappeln liegen als Kommunen mit dem geringsten und höchsten Hebesatz des Münsterlandes beide im Kreis Steinfurt“, erläutert Dr. Fabian Schleithoff, IHK-Geschäftsbereichsleiter Regionalpolitik Münsterland und Volkswirtschaft. Für ein Unternehmen, das einen Gewerbeertrag von100.000 Euro erzielt, mache die Steuerbelastung hier einen jährlichen Unterschied von mehr als 4.000 Euro aus. „Das sind Kosten, die Unternehmen bei Standortentscheidungen und Investitionsplänen berücksichtigen.“
Einen direkten Vergleich der kommunalen Gewerbesteuer-Hebesätze ermöglicht der digitale IHK-Wirtschaftsatlas unter: www.ihk.de/nordwestfalen/gewerbesteuer

Foto: Fotokult Beckum
