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Mehr Leben retten: Neue App „CorHelper“ alarmiert Helfer noch schneller

Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute. Um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken und die Überlebenschancen zu erhöhen, führt der Kreis Warendorf die Ersthelfer-App „CorHelper“ ein. Sie alarmiert künftig neben dem Rettungsdienst auch registrierte und qualifizierte Ersthelfer in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes.

„Wir können die Entfernungen bei uns im ländlichen Raum nicht verkürzen – aber die Zeit bis zu lebensrettenden Maßnahmen“, erklärte Landrat Dr. Olaf Gericke bei der Vorstellung des neuen Systems, das ab sofort in Betrieb gehen soll. Ziel sei es, möglichst viele medizinisch ausreichend qualifizierte Bürgerinnen und Bürger in die Rettungskette einzubinden.

Im Durchschnitt trifft ein Rettungswagen nach sieben bis neun Minuten ein, First Responder benötigen etwa fünf bis sechs Minuten. Die über die App alarmierten CorHelper sollen im Idealfall bereits nach drei bis fünf Minuten vor Ort sein und mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.

Wie wichtig diese Zeit ist, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2024 kam es im Kreis Warendorf zu rund 470 Herz-Kreislauf-Stillständen – mehr als einem pro Tag. In etwa der Hälfte der Fälle wurde eine Reanimation begonnen, rund ein Drittel der Betroffenen erreichte noch lebend ein Krankenhaus. Am Ende überlebten etwa zehn Prozent. „Jedes Leben zählt“, betont Theodoros Karaboutas, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. Die CorHelper-App könne helfen, diese Quote weiter zu verbessern. Denn bei einem Herzstillstand beginnt schnell ein Wettlauf gegen die Zeit: Bereits nach wenigen Minuten ohne Hilfe drohen schwere Hirnschäden. Deshalb bleibt auch die Hilfe von Laien entscheidend. „Man kann nichts falsch machen“, sagt Gericke und ermutigt dazu, im Notfall zu handeln. Oder, wie viele Ärzte es ausdrücken: In dem Moment, wo die Herzdruckmassage notwendig ist, ist der Mensch ja eigentlich bereits tot. Das einzig Falsche wäre Nichts zu tun!

Die App setzt genau hier an. Registrierte Helfer werden automatisch alarmiert und über ihr Smartphone direkt zum Einsatzort navigiert. Während ein Ersthelfer mit der Wiederbelebung beginnt, kann ein weiterer einen in der Nähe verfügbaren automatisierten externen Defibrillator (AED) holen.
Parallel baut der Kreis ein Kataster öffentlich zugänglicher Defibrillatoren auf, das in die App integriert wird. Bereits mehr als 130 Geräte sind erfasst, weitere sollen folgen. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen werden gebeten, vorhandene AEDs beim Kreis zu melden.

Der Kreis Warendorf investiert rund 35.000 Euro in Anschaffung und Einrichtung der App sowie der Schnittstelle zum Notrufsystem. Für Betrieb, Schulungen und Weiterentwicklung werden jährlich etwa 24.000 Euro eingeplant.
Bereits jetzt haben sich mehrere hundert Interessierte registriert, darunter Ärzte, Rettungsdienstpersonal, Pflegekräfte, Hebammen und zertifizierte Ersthelfer. „Es handelt sich um einen vergleichsweise kleinen finanziellen Einsatz mit potenziell lebensrettender Wirkung“, sagt Michael Frerich, Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz.

Michael Frerich (Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz), Jens Holtkötter (Leiter der Leitstelle), Ordnungsdezernentin Petra Schreier, Landrat Dr. Olaf Gericke und Theodoros Karaboutas (Ärztlicher Leiter Rettungsdienst) freuen sich über alle weiteren Interessierten, die in das CorHelper System eingebunden werden können (v.li.)

Foto: Rieder