Der ältere Herr sitzt sichtlich ermattet auf der Couch, die Sauerstoffmaske im Gesicht. Um ihn herum diverse medizinische Gerätschaften. Im Nebenraum liegt eine weitere Person auf dem Bett, auch hier mit medizinischem Gerät um sie herum, dazu zahlreiche ausgebreitete Medikamente. Wieder einen Raum weiter liegt eine Person in eine Rettungsdecke gehüllt auf einer Trage. Auf der Trage daneben deutet ein stark blutverschmiertes Laken darauf hin, dass sich hier Extremes ereignet haben muss.
Das hat es – und wird hier von nun an sogar regelmäßig passieren. Denn die geschilderten Räume sind drei von mehreren, die in den neuen Räumlichkeiten des DRK in der Katzheide zur Schulung bereitstehen. Hier können die unterschiedlichsten Szenarien dargestellt werden, denen Rettungskräfte im Alltag begegnen können. Vom Verkehrsunfall über einen häuslichen Notfall im Seniorenheim bis hin zum Schockraumszenario im Krankenhaus ist hier, inklusive Schulungsunterstützung per VR-Brille (fast) alles möglich. Auch die Motorsäge neben einem abgetrennten Arm.
Nicht nur damit offeriert das Mitte September offiziell eröffnete Bildungszentrum in Räumen der ehemaligen Firma Sanitop eine Vielfalt an Möglichkeiten, die das DRK bisher so nicht hatte. Zum einen mit dem neuen Bildungszentrum im zweiten Stock der Büroräume in demselben Haus, in das vor wenigen Tagen auch die Stadtwerke Warendorf eingezogen sind. Dort stehen großzügige moderne Verwaltungs- und Schulungsräume zur Verfügung. Kleiner Exkurs am Rande: Das DRK hatte hier bereits sein Domizil bezogen, wechselte aber wegen des Umzugs des Energieversorgers eine Etage weiter nach oben.
Zum Bildungszentrum gehört das auf der anderen Straßenseite gelegene Simulationszentrum in der Halle-1 des ehemaligen Sanitop-Geländes. Hier ist das Ehrenamtszentrum, die neue Heimat des DRK-Ehrenamtes angesiedelt, das ebenfalls am Freitag eröffnet wurde. Es bietet Platz für die Fahrzeuge, diverse notwendige Materialien und Sozialräume der Ehrenamtlichen, zudem auch für die zum Katastrophenschutz gehörigen Fahrzeuge nebst Equipment. Auch Raum für die Arbeit des Jugendrotkreuz wurde hier geschaffen.
Die Gründe für die Erweiterung liegen in der vielfältigen Ausbildung, die medizinisches Fachpersonal wie Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter erhalten. Im Rahmen der anerkannten 3-jährigen Berufsausbildung, in der das DRK als „Berufsschule“ fungiert, finden immer mehr realistische Einsatzszenarien Anwendung, der Ernstfall wird so realistisch wie möglich geübt. Zum Portfolio gehören außerdem Fort- und Weiterbildungen im Bereich Notfallmedizin. Für diese Aufgaben wurde das DRK-Haus an der Südstraße zu klein.
Das DRK habe mehrere Jahre nach passenden Räumlichkeiten Ausschau gehalten, erläutert Samantha Braunisch für den Vorstand, die das Erreichte „Ergebnis einer gemeinsamen Vision“ nennt, die mit vielen Helfenden verwirklicht werden konnte. Ihr besonderer Dank gilt Grundstückseigentümer Ludger Westkämper, der von Anfang an an dieses Projekt geglaubt habe.
Klarstellend weist Braunisch darauf hin, dass die Blutspendetermine weiterhin wie gewohnt im DRK-Haus durchgeführt werden. Auch die Rettungswache der DRK verbleibt an ihrem angestammten Platz am Holzbach.

Gruppenfoto zur offiziellen Eröffnung: Dr. Friedhelm Vogel (Präsident DRK-Ortsverein), Samantha Braunisch (Vorstand), Claudia Döpker (Schulleiterin Bildungszentrum), Regina Höppner (Dezernentin Stadt Warendorf), Berthold Lülf (Vizepräsident DRK Kreisverband Warendorf-Beckum e.V.) und Winfried Kaup (stellv. Landrat) (von links)

Fotos: Rieder
